Modellschiffbauer fühlen sich vom Teich vertrieben

Viele Modellbauer lassen ihre Boote seit ihrer Kindheit am Ischelandteich zu Wasser. Jetzt müssen sie immer damit rechnen, dass das Ordnungsamt ihnen auflauert. (Foto: Anna Linne)
Viele Modellbauer lassen ihre Boote seit ihrer Kindheit am Ischelandteich zu Wasser. Jetzt müssen sie immer damit rechnen, dass das Ordnungsamt ihnen auflauert. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Sie sind zwischen 20 und 70. Was sie alle miteinander verbindet, ist ihr Hobby: In ihrer Freizeit bauen die Männer Modellschiffe und lassen sie auf dem Ischelandteich zu Wasser. So war es zumindest bislang. Obwohl viele der Männer seit ihrer Kindheit diesem Hobby frönen, sind jetzt dicke Gewitterwolken über dem Ischelandteich aufgezogen.

Ursache sei, so sagt der Modelschiffbauer Hans-Lothar Ripke, ein neuer Anwohner, der ein Haus in Teichnähe bezogen habe. Der schicke den „Hobby-Kapitänen“ sporadisch das Ordnungsamt an den Steg, um die „Bootsleute“ zu vertreiben. Die Boote seien dem Anwohner zu laut. Deshalb sei im Februar dieses Jahres auch ein Schild von der Stadt angebracht worden, das den Betrieb von Renn-, Schnellbooten und Booten mit Verbrennungsmotor verbietet.

„Unsere Schiffe fahren alle mit Elektromotor und die Segelschiffe letztlich nur mit Wind“, beteuert Ripke, der mittlerweile schon mehrfach wegen seines Hobbys mit dem Ordnungsamt zu tun hatte.

Seit Anfang des Jahres hängt dieses Schild am Ischelandteich. Seine Einhaltung wird auch ständig kontrolliert, jedoch ohne dass sich Behörden und Hobby-Schiffer darüber einig sind, wie schnell ein Schnell- oder Rennboot eigentlich sein darf. (Foto: Anna Linne)
Seit Anfang des Jahres hängt dieses Schild am Ischelandteich. Seine Einhaltung wird auch ständig kontrolliert, jedoch ohne dass sich Behörden und Hobby-Schiffer darüber einig sind, wie schnell ein Schnell- oder Rennboot eigentlich sein darf. (Foto: Anna Linne)

„Am 20. Juli 2013 gegen 17 Uhr tauchten plötzlich zwei Leute vom Ordnungsamt bei uns am Steg auf und wollten unsere Personalien aufnehmen“, erinnert sich Ripke, der mit drei Kumpels gerade mal wieder Boote fahren ließ. „Wir wollten wissen, warum sie unsere Namen wollten, man gab uns aber keine Begründung. Dann riefen die Ordnungshüter die Polizei zur Hilfe. Die hörten sich erst einmal in Ruhe an, um was es eigentlich geht und waren sichtlich verärgert, dass sie wegen so einer Lapalie ausrücken mussten“, berichtet Ripke. „Einer der Beamten verlangte dann, dass wir ein Boot fahren lassen und wunderte sich über den geringen Lärmpegel.“

Seit 40 Jahren „Schiff ahoi“

Der Hagener Modellbauschiffclub RC Hagen hat seit 40 Jahren eine Vereinbarung mit der Stadt Hagen als Hausherrin, dass der Ischelandteich von Modellschiffern benutzt werden darf. Der Verein war es auch, der einst den breiten Steg gebaut hat. Auf der Homepageseite der Stadt wird der Ischelandteich gar als Paradies für Modellbauer ausgewiesen. „Mit welcher Willkür werden wir jetzt verfolgt?“, fragen sich die Hobby-Kapitäne und lassen mit scheuem Blick auf die Straße ihre Boote zu Wasser.

Tatsächlich ist die Lautstärke mäßig, das Baby eines Modellschiffbauers schläft ungeniert im Kinderwagen direkt daneben. „Wer das Surren als laut bezeichnet, muss es schon mit den Nerven haben“, glaubt einer der Boot-Fans. Er führt auch aus, wie sich der neue Anwohner vor den Modellbauern benommen haben soll. „Er hat geschrieen, dass wir aufhören sollen und gedroht, dass er dafür sorgt, dass am Ischelandteich alles verboten wird“, erzählen die Männer, „dann haben er und seine Frau uns von zwei Seiten gefilmt, es war unglaublich.“

Klar verfügen die Hagener Kapitäne auch über etwas schnellere Boote, doch die werden meist im Ümminger See in Bochum oder im Phoenix-See in Dortmund zu Wasser gelassen. Für die schnellen Boote sei der Ischelandteich eh zu klein, sagen sie.

Unklar

Im Gegensatz zu Bochum und Dortmund gibt es bei der Stadt Hagen keine Definitionen, ab wann ein Schnellboot ein Schnellboot ist, ebenso wenig für Renn- oder Speedboote. „In Dortmund wird das Boot von der Behörde abgenommen, sein Betrieb für den See genehmigt oder verboten“, weiß ein Hobby-Kapitän, „auch am Ümminger See in Bochum hat es noch nie Probleme gegeben. Die Leute bleiben stehen und schauen uns zu.“

Welche Ausmaße die Verfolgung durchs Ordnungsamt mittlerweile angenommen hat, erzählt ein anderer „Schiffer“. „Meine Frau hat ihr kleines rosa Boot mit dem Aufkleber ’Hey Kitty“ als Anfängerin gleich in die Büsche manövriert. Noch während wir es heraus holen wollten, erteilte das Ordnungsamt ihr einen Platzverweis. Sie musste den Teich sofort verlassen.“

Dass das Ordnungsamt die Einhaltung des Verbotsschildes kontrolliert, sei okay, sagen die Kapitäne, „aber bitte mit etwas mehr Sachverstand und der Klärung, wie schnell ein Schnellboot sein darf…“.