Monika Witte (35) ist schwerhörig

Hagen. (ric) Als Monika Witte zur Welt kam, schien alles ganz normal zu sein. Als sie älter wurde, spielte sie mit wachsender Begeisterung mit Töpfen. Wenn die Mutter nach dem Mädchen rief, reagierte die meist gar nicht. Irgendwann gingen Mutter und Tochter zum Kinderarzt. Der diagnostizierte eine angeborene Schwerhörigkeit. In einer langwierigen und schmerzhaften Operation wurde ein Knochen abgeschabt, der den Hörnerv blockierte. „Es war eine Tortur“, erinnert sich die heute 35 Jahre alte Monika Witte an die damalige Zeit.

„Ich sage was, was du nicht hörst“: Schwerhörigkeit sorgt besonders bei jungen Menschen für vielfältige Probleme, die für die Betroffenen zu einer echten Belastung werden können. (Foto: wk-Archiv)

Sechs Jahre alt war sie, als sie endlich ein Hörgerät bekam. Danach besuchte die Hagenerin eine ganz normale Grund-, anschließend die Hauptschule, an der sie auch den Realschulabschluss absolvierte. Dennoch denkt sie mit Schrecken an ihre Schulzeit zurück: „Mobbing stand auf der Tagesordnung. Sowohl die Lehrer als auch die anderen Schüler hatten nur wenig Verständnis für meine Schwerhörigkeit. Ich wollte nicht ständig nachfragen. Deshalb bekam ich nur die Hälfte des Gesagten mit.“ Und auch nach der Schule hatte es Witte schwer. Kein Unternehmen wollte ihr einen Ausbildungsplatz geben. Doch dann erbarmte sich die Firma, in der auch der Vater arbeitete, und die junge Frau konnte ihre Ausbildung zur Technischen Zeichnerin beginnen. Parallel dazu machte sie ihr Fachabitur.

Doch nach der Ausbildung war es wiederum vorbei. Kein Betrieb möchte die Hagenerin einstellen. Seit nunmehr fünf Jahren ist die motivierte Frau arbeitslos. „Es ist einfach schmerzhaft“, bekennt Monika Witte. „Die Chefs haben Angst, dass ich als Schwerbehinderte unkündbar bin und zur Belastung für die Firma werde. Dabei will ich unbedingt arbeiten und ’raus aus den Sozialleistungen. Aber ich habe die Hoffnung aufgegeben.“

Ein Leben mit Vorurteilen

Mit vielen Vorurteilen sieht sich die 35-Jährige tagtäglich konfrontiert. „Die Leute nehmen an, dass Schwerhörige nicht telefonieren können, sich nicht in Gespräche einbringen und generell nur die Hälfte von allem verstehen. Manche denken auch, dass man dumm ist, nur weil man eben nicht sofort alles mitbekommt.“

Dauerstress

Dass ein Hörgerät nicht nur dabei hilft zu hören, sondern für die Betroffenen schnell zu Dauerstress führt, ist beileibe nicht Jedem klar: „Ein Hörgerät sorgt dafür, dass jedes Geräusch in der gleichen Intensität ankommt. Man kann aber ein wichtiges Geräusch nicht von einem unwichtigen filtern. Und auch die Lokalisierung von dem, was man hört, fällt schwer. Schließlich rauscht es ja die gesamte Zeit über“, erklärt Monika Witte. Vermehrtes Nachfragen ist daher unvermeidbar. Für die schwerhörige Person wird dies aber oft zur Belastung, will man doch dem Gesprächspartner nicht auf die Nerven fallen und sich selbst blamieren. „In der Folge wird man oft isoliert oder man grenzt sich selbst aus. Schwerhörige sind oft sehr, sehr einsam.“

Monika Witte bezeichnet sich selbst als „Wandler zwischen den Welten“. „Damit meine ich, dass ich eben nirgendwo so richtig dazu gehöre. Taubheit wird in der Gesellschaft als Behinderung akzeptiert. Schwerhörigkeit, gerade bei jungen Menschen, jedoch nicht.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Gerne würde Monika Witte weitere betroffene Personen treffen und mit ihnen eine Selbsthilfegruppe gründen. Es geht darum, Kontakte zu knüpfen, sich aus der Isolation zu befreien, auf Verständnis zu treffen, Probleme zu diskutieren und Tipps zu erhalten. Wie oft und wann sich die Gruppe trifft, wird gemeinsam entschieden. Interessenten können sich melden bei Claudia Seidel in der Beratungsstelle für hörgeschädigte und gehörlose Menschen, Bahnhofstraße 41, Telefon 02331 / 22071, Mail claudia.seidel@paritaet-nrw.org. Die Beratungsstelle bietet zudem aktive Hilfestellungen für Betroffene an.