Müllkippe in Hagener Hinterhof

Hagen. (anna) Wenn die schwangere Karin Sommer aus der Lützowstraße auf ihrem Balkon steht und ihren Blick schweifen lässt, wird ihr sofort speiübel. Denn im Hinterhof gegenüber – er gehört zu einem Haus an der Haldener Straße – türmt sich seit Monaten eine Müllkippe auf.

Statt ins Grüne muss sie stets in Sperr- und Hausmüllberge schauen. Auch andere Nachbarn haben sich schon vehement beim Vermieter des „Abfall-Hauses“ beschwert, allerdings ohne Erfolg. Die Menschen, die in der Lützowstraße wohnen und sich immer mit dem Müll konfrontiert sehen, haben die Nase allmählich voll, weil sich nichts zu ändern scheint. Auch Hilferufe beim Ordnungsamt verhallten ungehört.

Vermieter hilflos

Der Vermieter des Hauses Haldener Straße 23, Frank Jungermann, gibt auf Anfrage zu verstehen, dass er „den Zustand sehr bedauert“. Ihm selbst seien aber die Hände gebunden, denn er dürfe besagte Wohnung nicht betreten, um den Müll entsorgen zu können.

Räumungsklage

Es war im Oktober 2015, als Vermieter Jungermann gegen die achtköpfige rumänisch stämmige Familie in seinem Haus, die als einzige Zugang zum Garten hatte, eine Räumungsklage wegen säumiger Mietzahlungen und Vermüllung anstrengte.

Der Klage wurde dann auch stattgegeben. Doch das Urteil konnte der rumänischen Familie nie zugestellt werden, weil sie im Dezember bei Nacht und Nebel verschwand.

„Mein Anwalt sagte mir, dass ich die Wohnung nicht einfach öffnen darf, weil der Mieter noch Wertgegenstände dort aufbewahren könnte. Nur das Gericht dürfe darüber entscheiden“, so der Vermieter.

Er habe bereits einen neuen Mieter, der sich auf die Wohnung mit dem großen Garten freue, den er aber immer wieder vertrösten müsse. Jetzt wartet Jungermann auf die Gerichtsentscheidung, die ihm das Öffnen der Wohnung und das Ausräumen gestattet. Was ihn in der verlassenen Wohnung genau erwartet, wisse er derzeit nicht, meint Jungermann, aber er rechne mit dem Schlimmsten.

Die anderen Wohnungen in dem Haus sind ebenfalls von rumänischen Zuwanderern bewohnt, die auch sehr unter der Verdreckung leiden. „Das sind drei Familien mit vielen Kindern, die das Haus richtig toll sauber halten. Auch für diese Mitmieter ist der Zustand unerträglich“, meint Jungermann, der das Haus in den 80er Jahren als Altersabsicherung erstand.

„Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was ich schon mit Mietern erlebt habe“, resümiert Jungermann. „Immer wieder hatte ich Mietausfälle und hohe Renovierungskosten. Das wird wohl jetzt auch wieder auf mich zukommen.“

In den nächsten 14 Tagen wird sich endgültig klären, was mit der Wohnung passiert. „Und wenn ich endlich hinein darf, kommt zuerst der Müll weg“, verspricht Jungermann.