Mutige Streichmäuse

Hochkonzentriert wird für das bevorstehende Konzert geübt, egal, ob Sinfoniker, Streichmaus oder Dirigentin Doris Hartlmaier (r.) – wie hier im letzten Jahr oder vor dem Sommerkonzert in der kommenden Woche. (Foto: privat)

Hagen. (san) Nur noch die Generalprobe, dann muss es sitzen! So aufgeregt die größtenteils ganz jungen Musiker dem Sommerkonzert auf der einen Seite entgegenfiebern, so abgeklärt und professionell nehmen sie sich andererseits die letzten schwierigen Takte vor. Lediglich das große Finale wird mehr oder weniger ohne langes Proben gelingen, denn dann spielen – wie immer zur großen Freude des Publikums – beide Hagener Orchester ein eigens arrangiertes Stück zusammen.

Beide Orchester: das ist zum einen das rund 50 Musiker starke Sinfonieorchester der Max-Reger-Musikschule mit den diversen Streichern, Blech- und Holzbläsern, Harfinisten und den Schlagwerkern. Und das sind zum anderen die „Streichmäuse“, das 30-köpfige Kinderorchester, ausschließlich besetzt mit Violinisten und Cellisten, und – einzigartige Neuerung mit diesem Konzert – zwei Schlagzeugern, gerade einmal 8 und 9 Jahre alt.

Großes Sommerkonzert

Am Samstag, 16. Juni 2012, laden sie unter der Leitung von Udo und Doris Hartlmaier um 19 Uhr in die Konzertaula der Rembergschule, Elbersstiege 10, zu einem abendfüllenden Programm ein. Geboten werden mit Camille Saint-Saens und George Bizet Werke der französischen Romantik ebenso wie beispielsweise die amerikanische Moderne. Bei George Gershwins “Ein Amerikaner in Paris“ darf der Zuhörer aufs Trompetensolo gespannt sein. Den ’großen’ Sinfonikern (13- bis 70-jährig) stehen die 7- bis 12-jährigen Streichmäuse in nichts nach. Populäre Stücke wie “Fluch der Karibik“, alles andere als einfache Konzertliteratur für diese Altersklasse, erklingen ebenso wie ein Thema aus Gioachino Rossinis “Wilhelm Tell“ sowie beliebte Traditionals.

Gespür fürs Ganze

Obwohl die mindestens halbjährlich stattfindenden Konzerte der Orchesterabteilung der städtischen Musikschule eine lange Tradition haben, sind sie für ihre Leiter doch immer wieder eine Herausforderung. Seit nunmehr 20 Jahren dirigiert und arrangiert Udo Hartlmaier das große und bis vor einigen Jahren noch das Mittelstufenorchester der Max-Reger-Musikschule. Letzteres musste jedoch aus Zeitmangel zu vieler Schüler wegen des Ganztags- oder Nachmittagsunterrichts an den Nagel gehängt werden. Wer noch kann, spielt nun auch im Sinfonieorchester mit. Ein feines Gespür für den unterschiedlichen Könnensstand der mitunter wechselnden Musiker und die Zusammenstellung der richtigen Konzertliteratur muss der ausgebildete Dirigent und Pianist besitzen, zumal die Spannbreite von Sinfonie-Stücken aller Zeitepochen über gehobene Unterhaltungs- bis hin zu moderner Filmmusik reicht.

Locker und humorvoll soll es bei den Proben obendrein zugehen, schließlich musizieren die verschiedenen Altersgruppen in ihrer Freizeit, da möchte keiner “gedrillt“ werden.

Geigenlehrerin Doris Hartlmaier muss als “Chefin“ der Streichmäuse noch sensibler sein. Gerade für die jüngsten Musiker ist das wöchentliche Proben auch mit Arbeit verbunden. Und wenn dann so ein großes Konzert ansteht wie gerade, fallen auch schon mal etliche Zusatzproben an. „Die Mädchen und Jungen sind von sich aus unglaublich diszipliniert, da kann ich mich nicht beschweren,“ freut sie sich über das Engagement ihrer Gruppe. Auch die Violinistin weiß ganz genau, welcher Schüler welche Spielfähigkeit besitzt.

Mit Herzblut

Viel Schreibarbeit steht so manchen Abend im Hause Hartlmaier an, wenn die Noten auf das Können der Musiker oder aber auf das passende Instrument – wie zum Beispiel bei der Schlagzeugbegleitung – umgeschrieben werden müssen. Überhaupt hängt viel Herzblut des Musiker-Ehepaars am größten Hagener Schülerorchester. „Wir sind eine der letzten städtischen Musikschulen in der ganzen Region, die überhaupt noch ein eigenes Orchester haben,“ betont Udo Hartlmaier in Zeiten leerer Kassen und mangelnder Freizeit der Schüler.

Und damit nicht auch noch das verloren geht, ruft er interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die regelmäßig Unterricht auf ihrem Instrument haben – das muss nicht zwingend bei der Max-Reger-Musikschule sein – auf, zu den Proben zu kommen (immer donnerstags, Streichmäuse von 17 bis 18 Uhr, Sinfonieorchester 18 bis 20.15 Uhr, Rembergschule). Auch bei einigen Instrumentalgruppen sind noch Mitglieder willkommen. Nähere Informationen gibt es unter der Rufnummer (o2331) 207-3143.

Eintritt frei

Zum Sommerkonzert am nächsten Samstag sind alle Liebhaber von Konzert- und Orchestermusik eingeladen. Bestimmt ist die Veranstaltung auch für diejenigen interessant, die mit dem Gedanken spielen, ebenfalls ein Instrument zu erlernen, um zu sehen, was dann alles machbar ist. Der Eintritt zu diesem 2012-er Augen- und Ohrenschmaus ist übrigens frei.