Nachdenken statt heimwerken

Der hochkarätige Ruhrpott-Sprachjongleur Fritz Eckenga ist am Samstag, 19. März, um 20 Uhr mit seinem Programm „Fremdenverkehr mit Einheimischen“ mal wieder in Hagen zu Gast. Die Besucher erwartet ein sprachlicher Hochgenuss. (Foto: Veranstalter)

Hohenlimburg. (anna) Der hochkarätige Sprachjongleur Fritz Eckenga aus dem Ruhrpott ist am Samstag, 19. März, um 20 Uhr mit seinem Programm „Fremdenverkehr mit Einheimischen“ mal wieder im Werkhof Hohenlimburg zu Gast. Der ehemalige „Rocktheater-N8schicht“-Chef und Fußballmoderator ist ein Garant für kabarettistischen Hochgenuss und das schon seit vielen Jahren.

Eckenga bewegt sich auf hohem sprachlichen Niveau und schaffte es dennoch zugleich, sich des Ruhrgebietsslangs zu bedienen und diese Mundart augenzwinkernd durch den Kakao zu ziehen. In seinem aktuellen Programm „Fremdenverkehr mit Einheimischen“ bringt er uns einmal mehr besondere Mitmenschen und ihren behandlungsbedürftigen Wahnsinn näher. Frotzelnd, philosophierend, messerscharf und immer treffsicher.

Unvermeidliche Menschen

Der unvermeidliche Mitmensch von nebenan nennt sich Nachbar. Er besitzt keine guten Manieren, dafür aber schweres Gerät. Seine Spezialität ist der offene Durchbruch. Wenn er Nähe sucht, benutzt er nicht die Türklingel, sondern die Trennflex. Bei seinen aufdringlichen Versuchen, sich in fremde Leben einzumischen, hat er sich das eigene schon öfter genommen. Das ist aber kein Problem für den Nachbarn, er ist untot. Er steht immer wieder auf. Jeden Tag. Oft noch vor den frühen Vögeln. Es gibt also gute Gründe dafür, zeitig außer Haus zu gehen. Doch auch die vorsichtige Expedition in den Nahbereich der Gegenwart birgt die Gefahr, sofort wieder außer sich zu geraten. Der Gang vor die Tür schützt nicht vor dem vermeintlichen Gedankengang der anderen…

Fritz Eckenga ist zur Stelle, wenn der unvermeidliche Mitmensch von nebenan versucht, sich in unser Leben einzumischen und hilft sich und uns über die schlimmsten Belästigungen hinweg. Er scheut sich nicht dort zu recherchieren, wo die Glühbirnen verboten, aber die Westerwelles Außenminister werden, wo Menschenmassen Yoghurt zu Quark treten oder in die poröse Röhre einer Stadtunterführung gucken: Der City-Tunnel in Unna ist ihm einen Antrag zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes der Menschheit wert.

Knallharte Sprachkritik

Ein Abend mit Eckenga variiert zwischen Nachdenklichkeit und Klamauk, er beschert knallharte Sprachkritik an Ungetümen wie Minuswachstum und Wachstumsbeschleunigungsgesetz, genau wie eine eigene anarchische Freude an schrägen Wortschöpfungen (Schweigegrippe).

Gern bin ich aus freien Stücken
außer Haus und außer mir.
Gleich hab’ ich den Wind im Rücken
und der pfeift mich weg von hier.

Wenn es erforderlich ist, bewegt sich Eckenga sogar in Gegenden, die kein menschliches Wesen je vor ihm betreten hat. Aber nur, um dort mit Reinhold Messner dessen Geburtstag zu feiern. In Riemchensandalen, aber ohne Sauerstoffgerät.

Nachdenken statt heimwerken

Eckenga schreibt, liest und spielt, benutzt Sprache wie kaum ein anderer, seine Reime sprühen vor Phantasie. Er hat einen hohen Anspruch, an sich selbst und an sein Publikum. Intelligent und nachdenklich philosophiert er über seine Mitmenschen und deren klägliche Bemühungen, ihr Dasein zu verschlimmschönern, amüsiert sich aufs Köstlichste über deren besondere Verhaltensauffälligkeiten. Er analysiert, seziert und führt sie vor, jene wunderlichen Exemplare des Deutschen Bundesbürgers, die seines Erachtens dringend der Behandlung bedürfen und diese heißt „nachdenken“ statt heimwerken.

Die Zuschauer dürfen sich auf einen besonderen Abend freuen. Karten zum Preis von 15 Euro im Vorverkauf (19 Abendkasse) gibt es im wochenkurier-Reisebüro, Frankfurter Straße 90.

Zu Eckenga:

Fritz Eckenga ist viel unterwegs. Wenn nicht, bewohnt er einen blickdichten Teil der Stadt Dortmund. Dort bemüht er sich, das aggressive Wachstum seines Liebstöckelbusches zu begrenzen. Ausgleich zu dieser harten körperlichen Arbeit findet er abwechselnd in seinen Kochtöpfen und auf der Westtribüne des Borussia-Stadions. Als freier Mensch schreibt er für sich selbst, für ausgewählte Zeitungen und für Hörfunksender. Er ist Liebhaber und Zulieferer der kulinarischen Kampfschrift „Häuptling Eigener Herd“ und tritt mit Bühnenprogrammen vor Publikum auf. Zahlreiche Buch- und CD-Veröffentlichungen. Regelmäßig zu hören ist Fritz Eckenga an jedem Mittwoch um 10 vor 11 im „Kabarett auf WDR 2“.