Nerven strapaziert

Hagen. (anna/ME) Der wochenkurier berichtete bereits über das Dahler Paar Eleonore Schmitz Hegemann und Jürgen Koppert, das unlängst eine über zweimonatige abenteuerliche Reise durch Südamerika gemacht hat. Ausgangspunkt war Montevideo, die Hauptstadt Uruguays.

Zuletzt berichtete der wk insbesondere von den Schwierigkeiten, das per Schiff eingeführte Wohnmobil zu bekommen. Vor allem ein Zoll-Agent namens Eduardo strapazierte die Nerven des Paars aus Deutschland. Wie und wann es dann tatsächlich geklappt hat, an das Wohnmobil zu gelangen, erfahren unsere Leser heute:

Eleonore Schmitz-Hegemann: „Mir wurde bald klar, mit Eduardo würde ich den Kampf um unser Wohnmobil im Hafen von Montevideo verlieren. Deshalb kassierte ich alle Unterlagen ein und ging selbst zur Reederei, um die Stock-, also die Lagernummer zu holen. Abermals ging’s von Pontius zu Pilatus. In meiner Not erklärte ich im holprigen Spanisch, wie viel Zeit ich schon verloren hätte. Offenbar bekam man Mitleid mit mir und gab mir wahrhaftig endlich die Nummer. In meiner Naivität wähnte ich mich bereits am Ziel. Weit gefehlt. Alle Unterlagen mussten nun an fünf Zollstellen geschickt werden. Deren Antwort entscheidet darüber, wie hoch die Gebühr ist, wo das Wohnmobil steht und wann man es bekommen kann. Das wiederum schafft eigentlich nur ein Agent, ich war kurz vor einem Nervenzusammenbruch.“

Zurück zu Eduardo

Reumütig erschien das Dahler Paar wieder bei Eduardo. Es war inzwischen 15.15 Uhr und die Beiden baten den Agenten, nun den Rest zu erledigen. „Ich hatte immerhin in drei Stunden die Stocknummer bekommen, für die er einen Tag eingeplant hatte“, freut sich die Dahlerin. „Er spielte sich wie ein Macho auf und erklärte mir, er wäre heute bei Freunden zum Essen eingeladen und im Hafenbüro wäre um 16.30 Uhr Schluss“, erinnert sich Eleonore Schmitz-Hegemann, der jetzt der Geduldsfaden riss. „Okay“, sagte sie, „dann haben wir noch eine Stunde und 15 Minuten, worauf wartest du noch?“

Sie bekamen einen Riesenstreit. „Ich war außer mir“, erinnert sich die Dahlerin, „Eduardo arbeitete wie eine Schnecke und forderte die Bezahlung eines Rennpferdes. Ich erwartete für viel Geld auch viel Arbeit. So wäre das jedenfalls bei uns in Deutschland“, erklärte sie ihm lautstark.

„Eduardo seinerseits beklagte sich über meine ständige Hektik und Ungeduld, schickte die Papiere aber sofort los. Wir müssten nun warten, bis die Zollstellen antworteten, aber es sei Freitag, da sei gleich Schluss“, erklärte Eduardo schlussendlich seiner Kundin. Doch das ließ die Geschäftsfrau aus Hagen nicht gelten: „Wir müssen anrufen, Dampf machen, fragen, wann die Antwort kommt. Wir müssen denen auf die Nerven gehen. Glücklicherweise tat Eduardo, was ich sagte, er wurde sogar heftig am Telefon!“

Endspurt

„Dann ging’s los“, freute sich die Dahlerin, „nach zehn Minuten und etlichen Anrufen sprang Eduardo auf und schrie: wir haben alles, jetzt los, wir müssen zu den Zahlstellen.“ Die Beiden liefen nach draußen – wohlgemerkt: bei 38 Grad. Etwa 600 Meter ging es im Dauerlauf zur ersten Zahlstelle, dann in den Zollbereich durch eine Zaunlücke, danach durch den Ausgang, der Eingang war schon geschlossen, in die letzte Zahlstelle, wo auch die Papiere lagen. Um 16.25 Uhr hatten sie alle Unterlagen zusammen. „Ich habe gejubelt,“ erinnert sich Eleonore Schmitz-Hegemann, „aber Eduardo war jetzt derjenige, der zur Eile mahnte, denn um 16.30 Uhr schließen sie die Schranken, Dann hätten wir den Wagen nicht mehr aus dem Hafen bekommen.“

Das Wohnmobil der beiden Dahler stand noch etwa 1,5 Kilometer entfernt. Zu Fuß nicht zu schaffen. Doch Eduardo, jetzt flott geworden, hatte ein Auto im Hafen. So sausten sie gemeinsam durch das Hafengelände, das um diese Zeit völlig verwaist schien. Die Schranke des Containerhafens wurde gerade abgeschlossen. Eduardo rannte mit seiner Kundin dorthin, während Jürgen Koppert mit dem Ersatzschlüssel das Mobil holte und es vor die Schranke fuhr.

Geschafft!

Eduardo und Eleonore Schmitz-Hegemann bearbeiteten den Schrankenwärter, bis er nachgab und öffnete. Das Wohnmobil war frei! „Ich bin dann noch bei Eduardo im Auto mitgefahren – bis zur Hauptstraße“, berichtet die Dahlerin, die nun lachend zu Eduardo sagte: „Der 13. Dezember ist für Montevideo immer schlimm, wenn die Deutschen kommen, erst die Graf Spee, dann ich… – Er hat schallend gelacht und gemeint, er wüsste nicht, was schlimmer gewesen sei, der Untergang des Schiffes oder mein Erscheinen.“

Wie es der Zufall wollte, hatte Eduardo seine Essenseinladung bei einer Schweizer Familie, zu der auch das Paar aus Dahl wollte. „Es saßen dort noch andere Globetrotter aus acht Nationen“, berichtet das Paar, „alle kennen die Probleme mit der Einfuhr ihrer Autos. Ich habe erzählt, dass Eduardo es geschafft hat, unser Auto an einem Tag – noch dazu an einem Freitag – aus dem Hafen zu holen. Alle haben ihm auf die Schulter geklopft, und er musste immer wieder erzählen, wie er DAS geschafft hat. Mit jeder Erzählung ist er ein Stück größer geworden…“

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