Neue Nachbarn für das Kleinod „Haus Harkorten“

Hagen. (ME) Der einstige Freihof Harkorten ist ein architektur- und kulturgeschichtlich hochbedeutsames Baudenkmal am Quambusch. Es besteht aus einer Gruppe unterschiedlicher Bauten, auf die eine wunderschöne Allee zuläuft.

Haus Harkorten hat bereits zahlreiche neue Nachbarn erhalten. Lange gammelte das Kleinod vor sich hin. Doch mittlerweile naht die Rettung. Auch auf dem uralten Freihof werden in Kürze die ersten Bauten saniert. (Foto: Michael Eckhoff)

Bei dieser Gruppe handelt es sich um ein über mehrere Jahrhunderte hinweg gewachsenes Ensemble, in dessen Mittelpunkt das berühmte „obere Haus“ steht. An diesem schieferumkleideten, zweigeschossigen Fachwerkhaus auf verputztem Bruchsteinfundament springen insbesondere das wunderschöne Dach, der typisch bergisch-märkische Farb-Dreiklang (weiß umrahmte Schiebefenster, grüne Klappläden und schwarzgraue Verschieferung) sowie die reichhaltigen, künstlerisch wertvollen Rokoko-Holzschnitzereien ins Auge.

Wer der Architekt dieses Kleinods war, ist bislang unbekannt. Die Schnitzarbeiten stammen wahrscheinlich von Johann Peter Holthaus (Breckerfeld). Überdies handelt es sich im nicht-adeligen Bereich in unserer Region um das früheste Beispiel eines Haupthauses, das keine landwirtschaftlichen Räume mehr enthielt. Die Dachböden dienten vorrangig als Packraum für feine Eisenwaren (der Harkorts gehörten mehrere Hammerwerke), zudem war von Beginn an das Kontor („Comtoir“) des weit über die heimische Region hinaus wirkenden Handelshauses Harkort im „oberen Haus“ untergebracht.

Das „Geburtshaus“

Flankiert wird das „obere Haus“ von einigen weiteren, teils ebenfalls beeindruckenden Baudenkmalen – so etwa vom „Jungfernhaus“ (ca. 1705), vom Backhaus (1. Hälfte 18. Jahrhundert), von einer alten Scheune sowie vom geschichtlich überaus wertvollen ersten Haupthaus, das sich bis heute in einem „Kleid“ aus Holzschindeln präsentiert. Sein vorderer Wohnbereich stammt wohl aus dem Jahr 1681. „Gemeinhin wird es als Geburtshaus bezeichnet, weil hierin wichtige Industriepioniere wie Friedrich und sein Bruder Gustav Harkort vor über 200 Jahren das Licht der Welt der erblickt haben,“ weiß Olaf Penschuck vom Immobilien-Zentrum der Sparkasse Hagen.

Rettung naht

Lange gammelte das Kleinod vor sich hin. Doch mittlerweile naht die Rettung. Investor Hans Hermes aus Hilden hat die Gebäude vor einigen Monaten erworben und will sie – gleichsam als Mittelpunkt des angrenzenden Wohngebiets – zum neuen Leben erwecken.

Denn auf der ehemaligen Wiese neben dem Gut Harkorten entstand auf circa 30.000 Quadratmetern in Zusammenarbeit von Sparkasse Hagen und HEG bereits eine Siedlung mit freistehenden Einfamilien- und Doppelhäusern. Und auf einem rund 15.000 Quadratmeter großen Areal mittendrin erfolgte durch Investor Hermes der Bau einer Seniorenwohnanlage mit mehreren unterschiedlich konzipierten seniorengerechten Gebäuden. Es folgt demnächst noch ein Bau mit Eigentumswohnungen sowie die Bebauung des südlichen – unteren – Eckbereichs.

Auf dem Gutshof selbst werden in Kürze die Sanierungsarbeiten am Jungfernhaus und am Backhaus gestartet. Beide Bauten werden – in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege – entkernt, im Innern auf einen zweitgemäßen Stadt gebracht und ergänzt, so dass hier künftig ein modernes Wohnen im alten Gewand möglich ist. Auch fürs Geburtshaus und für das „obere Haus“ gibt es erste Planungen und Überlegungen, allerdings sind sie noch nicht genügend spruchreif.

Das Immobilien-Zentrum der Sparkasse Hagen vermarktet das gesamte Projekt. Nach wie vor können einige – wenngleich wenige – Grundstücke und Eigentumswohnungen erworben werden. Weitere Informationen hierzu gibt es bei Olaf Penschuck, Telefon 02331 / 206-4444.