Notfallmappe für Gehörlose

Hagen. (ric) Was macht man, wenn man krank ist? Richtig. Man besucht einen Arzt, sagt diesem, wo es zwickt, schmerzt, hapert. Man redet mit dem Arzt, unterhält sich, klärt sämtliche Details und hört sich dann die Diagnose an. Eigentlich ist dies selbstverständlich – oder etwa nicht?

Auf regen Zulauf stieß die neue Notfallmappe, die es gehörlosen und schwerhörigen Menschen erleichtert, einen Arzt zu besuchen. (Foto: Der Paritätische Wohlfahrtsverband)

„Leider nein“, weiß Claudia Seidel von der Hagener Beratungsstelle für gehörlose und hörgeschädigte Menschen in der Bahnhofstraße 41. „Gehörlose Menschen können nicht ohne Weiteres zum Arzt gehen. Zum Einen ist es ihnen nicht möglich, telefonisch einen Termin zu vereinbaren, bzw. zu erfahren, ob und wann die Möglichkeit besteht den Arzt aufzusuchen, und zum Anderen sind gehörlose Menschen auf einen Gebärdensprachdolmetscher angewiesen, um dem Arzt ihre Beschwerden zu erklären.“

Wie reden?

Die erste Aktion einer jeden ärztlichen Untersuchung ist immer noch das Gespräch. Es dient nicht nur der Erhebung einer umfassenden Anamnese und der Ermittlung des medizinischen Problems, sondern auch der Schaffung eines vertrauensvollen Arzt/Patient-Verhältnisses.

Ist der Arzt der Gebärdensprache aber nicht mächtig – und dies ist in den meisten Fällen so -, ist eine Kommunikation ausgesprochen schwierig bis unmöglich. Dieses schafft Unsicherheiten auf beiden Seiten. „Häufig warten gehörlose Menschen deshalb viel zu lange, bis sie einen Art aufsuchen“, erklärt Seidel bedauernd. Und: Gerade im Akutfall ist es häufig nicht möglich, so zeitnah wie möglich einen Gebärdensprachdolmetscher zu bekommen.

Und noch ein Problem wartet auf die Betroffenen: Gehörlose Menschen warten – trotz Termin – oft überdurchschnittlich lange in den Arztpraxen. Das resultiert daraus, dass sie nicht hören können, wenn sie per Lautsprecherdurchsage ins Behandlungszimmer gerufen werden.

Endlich Abhilfe

Die Beratungsstelle hat nun eine Notfallmappe für die Einweisung in Krankenhäuser oder Arztbesuche erstellt. In übersichtlicher Form werden hier sämtliche wichtige Informationen über den Patienten zusammengestellt. Angefangen bei der persönlichen Adresse, über Notfallnummern, Medikamentenlisten, Krankheiten und Diagnosen bis hin zu wichtigen Dokumenten und einer grundlegenden Information über die Kommunikation mit gehörlosen oder schwerhörigen Personen ist hier alles gelistet.

Rundum zufrieden

Die Reaktionen, die Claudia Seidel bisher erhalten hat, waren durchweg positiv: „Ich kann jetzt ohne Angst zum Arzt gehen“, gab eine junge Frau an. „Der Arzt kann nun einfach nachlesen, was er an Informationen braucht.“ Und auch ein älterer Herr erkennt nur Vorteile: „Natürlich weiß ich durch Claudia Seidel, dass ich ein Recht auf einen Gebärdensprachdolmetscher habe, wenn ich zum Arzt muss. Aber das nutzt gar nichts, wenn ich nicht geplant krank werde – und wer wird das schon? Denn es dauert ja immer sehr lange, bis ein Dolmetscher einen Termin frei hat. Aber ich kann nicht zwei Wochen warten, wenn ich jetzt krank bin, da ist sofortige Hilfe nötig.“

Die Notfallmappe ist, wie weitere wichtige Informationsbroschüren, über die Beratungsstelle in der Bahnhofstraße 41, 58095 Hagen, zu beziehen.

www.gehoerlosenberatung-en-ha.de