Olympiade warf Schatten voraus

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen 1914“ mit einem Blick in den März fort.

Autor dieses Beitrags ist abermals Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Er schreibt:

Geländelauf

Auch auf dem sportlichen Gebiet tat sich im März 1914 Einiges in Hagen. Am 29. des Monats, einem Sonntag, fand in Hagen der Allgemeine Deutsche Frühjahrsgeländelauf statt. Dieser wurde seinerzeit deutschlandweit in allen größeren Städten durchgeführt. Er diente einerseits der Vorbereitung auf die für 1916 geplanten (aber wegen des Kriegsausbruchs 1914 dann ausgefallenen) Olympischen Spiele in Berlin. Außerdem sollte dieser durch Feld und Wald führende freie Lauf nach dem Willen der Organisatoren die Städter zur Natur führen und mithelfen, dass ein jeder Zuschauer „an seine Pflichten dem eigenen Körper gegenüber“ erinnert werde.

Teilnehmen konnten nur männliche Personen. Es handelte sich bei diesem über 3,5 km führenden Lauf aber nicht um einen Wettlauf. Damit sollte erreicht werden, dass das Feld der Läufer möglichst zusammen blieb. Alle Teilnehmer mussten jedoch in Sportkleidung erscheinen, Vereinsmitglieder möglichst in der Vereinskluft. Die Organisation des Laufs in Hagen übernahm der Hagener Fußballklub 1905, Start war um 11 Uhr an der Turnhalle in Eppenhausen, Wirtschaft Moll, die auch als Umkleidelokal diente.

Die Strecke führte von dort durch das Osthaussche Villenviertel am Stirnband und weiter entlang der Haßleyer Chaussee bis zum Sportplatz des bereits als Veranstalter genannten Hagener Fußballklubs 1905, wo sich zugleich auch eine Straßenbahn-Haltestelle befand. Bei dem Lauf übernahmen erfahrene Läufer die Führung, um durch Sicherstellung eines mäßigen Lauftempos dafür zu sorgen, dass alle Läufer mithalten konnten.

Wettschwimmen

Ein weiteres sportliches Großereignis wurde an demselben Sonntag, dem 29. März, von dem Hagener Schwimmverein veranstaltet. Aus Anlass der Feuer seines 20-jährigen Bestehens führte der Verein in der städtischen Badeanstalt an der Badstraße nachmittags ab 3 Uhr ein Schau- und Wettschwimmen seiner Jugendabteilung durch. Zum Programm gehörten auch ein zum ersten Mal in Hagen ausgetragenes Stafetten-Wettkampfschwimmen sowie das so genannte Olympia-Prüfungswettschwimmen. Letzteres bestand aus 100 Meter Brust-, Rücken- und Handüberhand-Schwimmen.

Diese Wettkämpfe verfolgten den Zweck, leistungsfähige Schwimmer ausfindig zu machen, die dann unter besonderer Anleitung für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1916 vorbereitet werden sollten. Zur Teilnahme an diesem Olympia-Prüfungswettschwimmen wie auch an dem Stafetten-Wettkampfschwimmen waren aber nur Schüler der höheren Schulen zugelassen, während an dem Jugend-Schauschwimmen Schüler aller Schulformen teilnehmen konnten.

Die eintrittsfreie Veranstaltung stieß bei der Hagener Bevölkerung offenbar auf großes Interesse und zog zahlreiche Zuschauer an, so dass das Haus bald überfüllt war. Nach dem Bericht in der Hagener Zeitung wurden zum Teil „hervorragende“ Schwimmleistungen erbracht. Enttäuschend für die Organisatoren war jedoch, dass von nur vier der Hagener Volksschulen Teilnehmer für das Jugend-Propagandaschwimmen gemeldet worden waren und von den höheren Schulen der Stadt zwei überhaupt keine Mannschaft für das Stafetten-Wettkampfschwimmen gestellt hatten.

Im Übrigen möchte der wochenkurier allen Lesern einen Termin ans Herz legen: Am 28. Mai 2014 wird im Osthaus-Museum an der Hochstraße die Ausstellung „Weltenbrand – Hagen 1914“ eröffnet.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.