Oskar Adam kann es nicht lassen: Goldschmied noch mit 85

Hagen. (AnS) Aufs Altenteil setzen und ausruhen? Das kommt für Oskar Adam nicht in Frage. Der Goldschmied schwingt auch heute noch Feile und Säge und das trotz seines hohen Alters: Das bekannte Hagener Gesicht wurde am Montag, 6. Februar, 85 Jahre alt.
Seine Vitalität und Schaffenskraft erstaunt auch seine Söhne. „Auf meine Frage an unsere Mutter vor Weihnachten: ‚Was macht denn der Oskar?‘ antwortete sie: ‚Der sitzt am Werktisch und schmiedet Schlangenarmreifen aus Kupfer mit Silberbesatz‘,“ schmunzelt Ingo Adam. „Ich war ganz baff über die Konstruktion und Funktion des Verschlusses, unser Papa hat immer wieder kreative Ideen, aus diversen Metallen ungewöhnliche Schmuckstücke zu schaffen.“
Schmuck war und ist Oskar Adams Leben. Bereits als Zehnjähriger guckte er sich die Technik des Goldschmiedens in seinem Heimatort Brieg in Schlesien bei einem Soldaten ab. Dieser fertigte Ringe aus Münzen, an denen sich der junge Oskar schon bald selbst versuchte. Dass eine Lehre als Goldschmied in Wiedenbrück folgte, war auch für seine Mutter – die das Talent ihres Sohnes erkannte – nur selbstverständlich.
Geschäft mitten in der Wohnung
Die Liebe zu seiner späteren Frau ließ ihn nach Hagen kommen, wo er zunächst bei Dörner anheuerte, bevor er sich selbstständig machte. Sein erstes eigenes Geschäft mit Werkstatt und Ausstellungsraum richtete er mitten in der Wohnung der Familie ein. Immer mittendrin: Seine Söhne und eine Tochter, die das Geschick des Vaters erbten und schon früh nach Herzenslust mitwerkeln durften.
Zurück zu Oskar Adam: In der Hindenburgstraße eröffnete er sein erstes richtiges Geschäft, mit zwei Schaufenstern, in denen es oft neben Gold und Silber auch Bernsteine und Opale zu bewundern gab. Lehrlinge nahm er gerne, zu seinen bekanntesten zählt wohl Sängerin Nena alias Susanne Kerner.
Typischer Adamschmuck
Im typischen Adamschmuck der 60er Jahre hat er seine Handschrift hinterlassen: Die Kanten mit dem Mundlötrohr bearbeitet, unregelmäßig, wuls­tig, nicht proportional, in eigenwilligen Formen – Unikate allesamt. Später fand Oskar Adam zur Symmetrie zurück.
„Schmuck“, so sagt er, „soll getragen werden. Ein schöner Ring in der Schublade nützt nichts, man muss dafür sorgen, dass er gesehen wird.“
Oskar Adam weiter aktiv
Sein Lebenswerk hat er mittlerweile seinen Nachkommen übergeben, auch am neuen Standort im Sparkassenkarree lässt er es sich nicht nehmen, mal vorbei zu schauen. Und natürlich daheim weiter zu werkeln.
Das Geheimnis seines Alters? Sicherlich, dass er seinen Beruf jetzt zum Hobby gemacht hat. Seine neuesten Kreationen sind Schlangenreifenarmbänder aus zwei Materialien.
Die Reptilien als Motiv faszinieren ihn schon länger, kleine Schnörkel sind auf vielen seiner Schmuckstücke zu finden. Zudem: „Kupfer hat eine heilende Wirkung“, sagt der Goldschmiedemeister. Vielleicht auch einer der Gründe, die ihn jung halten.