Paul Fastenrath sagt Tschüss

Hagen. (AnS) „Allein ist man nichts. Man ist immer nur so gut, wie das Team um einen herum.“ Ganz bescheiden klingt Paul Fastenrath, wenn man ihn auf seine Vorstandstätigkeit beim Tennisclub Schwarz-Gelb Hagen im TSV 1860 anspricht. Immerhin 44 Jahren hat er die Geschicke des Vereins (mit)geleitet, davon allein 30 Jahre als erster Vorsitzender!

Paul Fastenrath ist Vereinsmensch durch und durch: 44 Jahre war er im Vorstand des TC Schwarz Gelb tätig, hat 30 Jahre als erster Vorsitzender die Geschicke des Vereins geleitet. (Foto: Anja Schade)

Viel erlebt hat er in dieser langen Zeit: „Zu Beginn meiner Vereinslaufbahn wurden die Partien noch mit Holzschlägern bestritten“, weiß der 76-Jährige, der in seiner Jugend mit dem Tennisspiel begann. „Da meine Eltern sich den Sport nicht leisten konnten“, erzählt er, „habe ich in meiner Freizeit Geld mit dem Aufstellen von Kegelpinnen in einer Gaststätte verdient.“ Seinen ersten „richtigen“ Schläger bekam er bei einem Turniersieg. Damals wurde auch noch die Spielbekleidung auf dem Platz vorgeschrieben: Weiß musste sie sein. „Das sieht man heute viel lockerer“, schmunzelt der Kaufmann, „es ist alles viel bunter geworden.“

Stolz auf Eigengewächse

Den Tennisboom mit Boris Becker und Steffi Graf hat er ebenso mitgemacht. Plötzlich wollte jeder einen Schläger in die Hand nehmen. Er erinnert sich: „Es gab in den Clubs lange, lange Wartelisten.“ Das riesige Interesse am weißen Sport ist längst wieder abgeebbt. Aber immerhin 339 Mitglieder kann der TC Schwarz-Gelb derzeit zählen.

Was den Hagener ganz besonders stolz macht: „Von unseren 16 Mannschaften spielen drei Teams auf der Verbandsebene, eins sogar in der Regionalliga. Und: Wir brauchen keine Spieler einzukaufen. Wir setzen auf Eigengewächse oder Leute, die eine besondere Bindung zu unserem Verein haben.“

Tennis als Breitensport

Tennis hat Paul Fastenrath beim Schwarz-Gelb zum Breitensport gemacht. Überhaupt ist ihm das Vereinsleben sehr wichtig. Nicht nur Ausflüge mit Wanderungen und Radtouren stehen auf dem Programm, nein, Paul Fastenrath hat als erster Vorsitzender besonders den Blick auf das Gemeinschaftliche gerichtet. „Verein ist in seinem Wortsinne zu sehen. Wir Sportler sind alle eine Familie. Das ist wichtig besonders in einer Gesellschaft, in der das Ich immer größer und das Wir immer bedeutungsloser wird“, meint er. „Auch die Bodenhaftung hat unser Verein nie verloren, nie nach den Sternen gegriffen.“ Und trotzdem ist der Tennisclub erfolgreich.

Gespielt wird mittlerweile an der Hoheleye beim TSV 1860. Den Umzug von der Fahrenbecke hat Fastenrath damals noch als Sportwart mitgemacht. Auch der Umbau von Allwetter- zu Ascheplätzen ist ihm noch gegenwärtig. „Mittlerweile“, grinst er, „kann man sogar auf einem Sandplatz Tennis spielen.“ Eine der Anlagen sei zum Beachvolleyballplatz umfunktioniert worden, verrät der humorige Rentner. Auch die Technik hat längst Einzug gehalten. „Die Vermarktung der Tennishallenplätze erfolgt mittlerweile online übers Internet.“ Diese Prozedur aber überlässt er lieber anderen.

Schluss mit Vorstand

Selbst spielen kann Paul Fastenrath leider nicht mehr. Eine schwere Krankheit zwang ihn zur Ruhe. „Aber der Verein und meine Mitstreiter haben mir Kraft gegeben, im Vorstand weiterzumachen.“

Gerne schwelgt er in Erinnerungen, verliert die Zukunft aber nie aus den Augen. Deshalb war jetzt im Februar auch Schluss mit der Vorstandstätigkeit. „Man sollte loslassen können“, meint er, der soviel Herzblut in seinen Verein gesteckt hat. Paul Fastenrath freut sich auf frischen Wind durch den neuen Vorsitzenden Friedrich Bauernfeind. Er bleibt dem Verein natürlich erhalten, wurde er doch auf der letzten Sitzung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. „Jetzt habe ich eine beratende Funktion und bekomme bestimmt noch die eine oder andere Aufgabe…“

Als Vereinsmensch durch und durch kann er von seinem „Hobby“ auch nicht lassen. Den einen oder anderen Ehrenamtsposten bei anderen Institutionen hat er bereits inne und wird sich dort weiter engagieren. Langeweile kommt garantiert nicht auf. „Und dieses Vereinsleben brauche ich auch!“