Perspektivwechsel

Hagen. (lz) Ähnlich dem Geräusch einer Libelle, die durch die Lüfte schwebt, surren die Blätter des Quadrocopter auf, als Marc Dobrick sein elektronisches Fluggerät langsam und gleichmäßig gen Himmel aufsteigen lässt.
Der Hobby-Flieger blickt auf sein Handy, das er, vergleichbar mit der Scheibe eines Cockpits, als Sichtfenster des Kopters nutzt. Der Blick aus dieser schwindelerregenden Höhe ist gleichermaßen faszinierend. „Klick“. Schon hat er den Moment in der Luft festgehalten Als ich auf das Display schaue, sehe ich mich, wie ich nach oben in Richtung Kopter gucke. Was für eine Aufnahme.

Club-Gründung

Ulrich Gesler, der das Kopter-Fliegen selbst zu einem seiner Hobbys gemacht hat, ist an diesem sonnigen Tag jener, der die Flüge über die Weiten und Wiesen am Möcking nahe Zurstraße ermöglicht: Denn zum Flug eines Kopters benötigt jeder Flieger nicht nur eine Versicherung, sondern ebenso eine Aufstiegserlaubnis. Alle hier Anwesenden sind Mitglieder im Kopter-Club Hagen.
Insgesamt zwölf Mitglieder im Alter zwischen 18 und 72 Jahren treffen sich in teils regelmäßigen Abständen circa einmal im Monat, um sich über das Fliegen mit den elektronischen Koptern auszutauschen. Geflogen wird jedoch eher individuell oder in Kleingruppen von zwei bis drei Personen.

Unterschiedliche Modelle, unzählige Perspektiven

Unterschieden wird zwischen verschiedenen Modellen von Koptern. Es gibt zum einen die kleinen, oft selbstgebauten „Drohnen“, die für den Wettbewerb in der Luft konzipiert sind. „Mit denen kann man tatsächlich Rennen fliegen“, erklärt Marc Dobrick.
Darüber hinaus gibt es die gängigen Quadrocopter, die von der chinesischen Firma DJI gebaut und als Komplettsystem geliefert werden. Die Kamera ist hierbei bereits am Kopter installiert.
Außerdem gibt es die sogenannten „Hexacopter“, die mit sechs Motoren fliegen. „Sollte mal einer der Motoren ausfallen, fällt direkt auch der gegenüberliegene aus, um einen Ausgleich zu schaffen“, erklärt Hans-Joachim Pitthan, der mit seinen Fotografien und Filmen aus der Luft ganz neue Perspektiven eröffnet.

Herausforderungen und Grauzonen

Gesteuert werden die filigranen Fluggeräte per Handy oder Tablet mittels eines Flug-Controllers. Hier werden GPS-Daten übertragen, der Akku-Stand kann zu jedem Zeitpunkt gecheckt und die Route abgesteckt. werden Im Falle einer schwindenen Akkuzeit macht sich der Kopter dann über Vibration des Controllers oder ein Warnsignal bemerkbar. Durch einen Zweit-Akku kann die Flugzeit außerdem verlängert werden.
Rechtlich gesehen ist das Kopter-Fliegen bisher noch immer nicht hundertprozentig festgesetzt. „Hier gibt es nach wie vor einige Grauzonen“, sagt Benno Janke.
Lediglich die Flughöhe und die Entfernung unterliegen Regelungen. Außerdem ist jeder Kopter versichert und sollte mit einem Namen und der jeweiligen Telefonnummer versehen werden, um ihn im Falle eines Absturzes zurück verfolgen zu können.
Prinzipiell gilt: „Jeder der sich für das Kopter-Fliegen interessiert, kann mit 300 bis 500 Euro an ein gutes Fluggerät kommen.
„Verkehrsminister Dobrindt ist, was die konkreten Regelungen angeht, wohl noch in Verhandlungen. Es könnte aber sein, dass das Fliegen der Kopter bald einen Pilotenschein erfordert“, meint Benno Janke.

Keine Bedrohung durch Drohnen

Und obgleich sein Club rein hobbymäßig zueinander gefunden hat, braucht jeder Flieger eine Start- und Landegenehmigung vom jeweiligen Grundstücksbesitzer. Denn Kopter sind nun einmal Fluggeräte, die einer Erlaubnis bedürfen.
So passierte es auch Benno Janke schon, dass er einen Bauern um „Flugerlaubnis“ bitten wollte und dieser Angst davor hatte, dass seine Kühe verschreckt werden könnten.
„Wenn man dann aber erklärt, wie das Kopter-Fliegen funktioniert und dass sich gerade Kühe von einem herannahenden Quadrocopter so wenig aus der Ruhe bringen lassen wie von einem vorbeifliegenden Vogel, dann ist das Eis schnell gebrochen. Ab einem Abstand von 30 bis 40 Metern ist der Kopter nicht mal mehr hörbar“, erklärt er.
Immerhin gilt das Kopter-Fliegen in weiten Teilen immer noch als „Bedrohung“, weil viele Menschen durch die Luftaufnahmen der „Drohnen“ ihre Privatsphäre in Gefahr sehen. „Vorschriftsmäßig ist es außerdem unbedingt zu unterlassen die Kopter über Menschenansammlungen hinweg fliegen zu lassen“, entwarnt Hans-Joachim Pitthan.

Eine neue Art des Fotografierens

„Wir vom Kopter-Club möchten einfach auch zeigen, dass diese Luftaufnahmen keinerlei Gefahr oder Spionage-Aspekte beherbergen, sondern uns einfach eine ganz neue Art des Fotografierens und eine neue Perspektive ermöglichen“, erklärt Benno Janke. „Wir inter­essieren uns als Hagener für unsere Stadt und möchten dort neue Einblicke schaffen.“Aus dieser Grundidee heraus ist nun auch das erste Projekt des Clubs entstanden: Eine Volme-Trilogie. Ein Projekt, das mit dem Grundbegriff, also der Volme, spielt und Orte aus Hagen zeigt, die den Bewohnern der Stadt sonst verwehrt blieben.
Auf Bodenhöhe, circa einen halben Meter über dem Wasser schwebend, filmt der Kopter-Club rund um Benno Janke 9,1 Kilometer der Volme ab. Im ersten 19-minütigen Teil fliegt sein Quadrocopter die ersten 3 Kilometer von Delstern/Kuhweide bis zum Marktplatz Springe.
In einem zweiten Teil wird es von der Springe bis zum Bahnhof, also um die urbanen Plätze Hagens gehen, gefolgt von einem dritten Teil durch die Industriebereiche, bis zur Mündung in die Ruhr. Die Trilogie ist auf der Homepage des Kopter-Clubs unter http://www.kopter-hagen.de/videos-von-hagen-und-umgebung/ kostenlos verfügbar.
„Wir würden uns freuen, wenn einige, die sich  ebenso für Kopter interessieren, auf diesem Weg zu uns finden und ein Austausch stattfinden kann“, betont Benno Janke. „Auch Anfänger, die sich dem Thema erst annähern, sind herzlich willkommen.“