Pionier der Lüfte: Gottlob Espenlaub

Gottlob Espenlaub, Großvater von Alexander Debudaj, war ein berühmter Pilot und Flugzeugkonstrukteur. Sein Enkel Alexander Debudaj ist längst in seine Fußstapfen getreten. (Foto: privat)

Hagen. (anna) Er war erst zwei Jahre alt, als sein berühmter Großvater Gottlob Espenlaub 1972 verstarb: der Architekt Alexander Debudaj aus Priorei ist einer von drei Enkelkindern des legendären Flug-Pioniers, dem 1943 ein ganzes Buch gewidmet wurde. Der Prioreier Architekt ist genau wie sein Großvater der Fliegerei verfallen. Denn seit seinem 16. Lebensjahr verbringt Alexander Debudaj einen Teil seiner Freizeit über den Wolken. Als Fluglehrer im Hagener Aero-Club in Sümmern tätig, erinnert er sich gern an seinen berühmten Großvater, dessen Leben ihm durch die große Familie, die vielen Freunde und Geschäftspartner recht detailliert überliefert wurde.

„Er war ein Mensch, der sich nichts sagen ließ“, weiß der Enkel heute, „er machte einfach was er wollte und was er für richtig hielt. Selbst wenn er dabei Regeln nicht einhielt und Gesetze übertrat.“

1970 im Haus Espenlaub in Wuppertal-Barmen geboren, erinnert sich Alexander Debudaj noch gut an die vielen Flugzeugteile, die auf dem Grundstück des alten Flughafens überall herum lagen. „Man atmete in dem Haus einfach den Geist meines Großvaters“, erinnert sich der 40-Jährige, dem das Flug-Gen offensichtlich in die Wiege gelegt wurde.

Wer war Gottlob Espenlaub?

Der im Januar 1900 geborene Gottlob Espenlaub, ältestes von 15 Kindern, entdeckte 1920 seine Leidenschaft für die Fliegerei. Der 20-jährige gelernte Tischler, der am Ende des Ersten Weltkrieges auch noch gedient hatte, machte in der Folgezeit viel von sich reden: Ab 1923 konstruierte er eigene Segelflugzeuge und gründete die Flugzeugwerke-Espenlaub. Später konstruierte er auch Autos und Möbel.

Nach einem Absturz Ende der 20er Jahre verletzte sich Gottlob Espenlaub schwer und veränderte sein Leben radikal. (Foto: privat)

1920 baute er sein erstes Segelflugzeug, die „Espenlaub I“ aus Trümmerstücken verunglückter Flugzeuge und anderer Utensilien. Ein Jahr später erfand er die Gitterkonstruktion und baute in der elterlichen Werkstatt ein Hochdecker-Segelflugzeug mit einer Spannweite von 10 Metern. In diesem Jahr nahm er mit seinem ersten Hängegleiter am Segelwettbewerb auf der Wasserkuppe in der Rhön teil. Hier lernte er auch den ebenso flugbegeisterten Alexander Lippisch kennen, mit dem er viele Jahre seines Lebens verbringen wird. Die Beiden arbeiteten von da an zusammen und konstruierten Entwürfe und Modelle.

1922 baute Lippisch für den Segelwettbewerb einen schwanzlosen Ententyp und Espenlaub einen Eindecker, die „Espenlaub 3“. Für die Flugzeit seines Seglers von 919 Sekunden erhielt Espenlaub den dritten Preis in Höhe von 3000 Mark. Zudem bekam er den „Ersten-Gersfeld-Preis“ von 6000 Mark für eine Flugstrecke von 2,8, Kilometer. Später schaffte er auch zwei bis drei Stunden. Der Name Espenlaub tauchte zum ersten Mal in der Fachpresse auf.

1927 war Espenlaub der erste Mensch, der sich in einem Segelflugzeug von einem Motorflieger in die Luft schleppen ließ. Auf dem Flugplatz in Düsseldorf experimentierte er sogar mit Segelflugzeugen, die mit Raketentreibsätzen bestückt waren und galt deshalb auch als Pionier der Raketenflugzeuge. Am 22. Oktober 1929 flog Espenlaub in Lohausen mit einer von ihm erfundenen Rakete. Das Flugzeug begann zu brennen, er blieb aber unverletzt.

Nach einem Absturz Ende der 1920er Jahre, den er schwer verletzt überlebte, wurden die Versuche schließlich eingestellt. Auch veränderte dieser Unfall Espenlaubs ganzes Leben: Er wandte sich jetzt karikativen Zwecken zu, kümmerte sich um Obdachlose und Alkoholiker und hielt in seinen Werkshallen religiöse Veranstaltungen ab, nicht immer zur Freude seiner Familie.

Enkel erinnert sich

Im roten Segelflugzeug L-Spatz 55, Baujahr 1956, schwebt Alexander Debudaj, Enkel des Flug-Pioniers Gottlob Espenlaub, gern über die Iserlohner Landschaft (Foto: privat)

„Es gab damals in den Anfängen des Segelflugs nur wenige markante und zielbewusste Persönlichkeiten, die ihren Mut, ihre Ausdauer und ihr Leben der Idee vom motorlosen Flug opferten“, weiß Enkel Debudaj. „Mit fanatischen Idealismus entwarf mein Großvater immer neue Flugzeugtypen, die er selbstverständlich auch selber flog. Auch seinem Bruder Hans gab mein Opa Flugunterricht“, weiß Alexander Debudaj, „doch der musste später bei einem Absturz sein Leben lassen. In unsere Familie sind insgesamt vier Menschen durch Abstürze ums Leben gekommen. Deshalb hätte meine Mutter Brigitte (Espenlaubs erste Tochter) mir gern das Fliegen verboten, doch sie hatte keine Chance.“

Zweiter Weltkrieg

Sein Flugzeugwerk in Düsseldorf verlegte Espenlaub 1939 auf den Flugplatz Langerfeld in Wuppertal. Während des Zweiten Weltkrieges konstruierte er 1941 Luftabwehrdrachen besonderer Größe, die wie Fesselballons als Sperrgürtel um Industrieanlagen und Flughäfen eingesetzt wurden. Diese kamen auf verschiedenen Flugplätzen in Berlin und Wuppertal zum Einsatz. 1943 bekam er die Genehmigung zur Einrichtung von Verlagerungsbetrieben in vier Eisenbahntunneln, um seine von Bombenangriffen bedrohte Produktion sicherzustellen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Firma Espenlaub völlig zum Erliegen. Jetzt wandte sich Gottlob Espenlaub der Konstruktion von Fahrzeugen zu, die er aus Flugzeugtrümmern fertigte. Sie bestechen durch ihr faszinierendes Design.

Für Sohn Moritz ist es schon eine Selbstverständlichkeit mit Papa und Fluglehrer Alexander Debudaj im Motorflugzeug abzuheben. (Foto: privat)

1953 berichtete eine Fachzeitschrift, dass die deutsche Firma Espenlaub den Prototyp eines Personenwagens herausgebracht hat. Es war ein viersitziges Coupé mit einer aus Schalenbauweise hergestellten Aluminiumkarosse. Das Fahrzeug hatte Frontantrieb, sein 1000-Kubikzentimeter-Motor leistete 40 PS. Man hoffte, 30 Fahrzeuge im Monat zum Preis von je 8.000 Mark anbieten zu können.

Späte Heirat

1947, mit also 47 Jahren, heiratete der damalige Frauenschwarm Ruth Linder, Tochter eines Elberfelder Textilfabrikanten, die heute noch in Wuppertal lebt. Aus der Ehe gehen die Töchter Brigitte, Christa, Ulrike und Gabriele sowie die Söhne Hans und Michael hervor. Hans starb allerdings im Alter von einem Jahr.

Noch 1969 wurden Espenlaubs Drachen zu Werbezwecken eingesetzt. Ein Grund, warum die Drachen in Wuppertal sehr bekannt sind.

Gottlob Espenlaub bewohnte auch die Villa Espenlaub, ein mittlerweile unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in Wuppertal-Barmen. Hier starb Gottlob Espenlaub 1972 an einem Herzleiden. In der Villa verbrachte der Enkel Alexander Debudaj seine ersten sechs Lebensjahre und wurde wahrscheinlich mit dem „Flugvirus“ infiziert. Ob die beiden vier- und fünfjährigen Söhne des Enkels Debudaj auch einmal in die Fußstapfen des Urgroßvaters treten werden, wird sich zeigen.