Reiterverein kämpft ums Überleben

Hagen. (ric) Lange sah es trüb aus auf dem Gelände des Hagener Reitervereins in der Humpertstraße 20: Der Glanz vergangener Zeit war längst verblasst, von großen Turnieren, bekannten Reitern und einem begeisterten Publikum fehlte jede Spur. Nach diversen Pächtern, die das Gelände des Vereins mehr schlecht als recht nutzten und nicht lange blieben, schien die Lage aussichtslos. Müll lag herum, die Anlage war ungepflegt und strahlte alles andere als Wohlbehagen aus. Hinzu kam, dass die einzige Weide des Stalls Baugrundstück wurde – Eigenheime entstanden, die Pferde hatten keine Wiese mehr. Doch nun scheint sich die Situation im alteingesessenen Hagener Reiterverein endlich zu bessern.

Das Glück der Erde liegt beim Hagener Reiterverein nicht nur bei den kleinen Mitgliedern auf dem Rücken der Pferde. (Foto: Reiterverein Hagen)

Artgerecht in der Herde

Die großräumige Anlage liegt mittlerweile komplett in den Händen des Vereins. Einen neuen Pächter gibt es nicht. 15 Pferde leben momentan an der Humpertstraße 20. 13 von ihnen laufen im Reitschulbetrieb mit. In ihrer Freizeit stehen sie im Herdenverband in einem Paddock an der frischen Luft und genießen die warme Frühlingssonne. Dass sie sich wohl fühlen, ist deutlich zu erkennen: Sie spielen miteinander, pflegen sich gegenseitig das Fell, dösen im Stehen oder liegen auf dem angenehm warmen Sand. Im Sommer nutzen die Pferde ein Weidestück und den großen Springplatz als Auslauf.

„Es ist uns sehr wichtig, dass die Tiere hier artgerecht gehalten werden“, erklärt Judith Kruschel, Geschäftsführerin des Vereins. „Das Leben in der Herde spielt für die Pferde eine unheimlich wichtige Rolle. Es macht die Pferde auch wesentlich ausgeglichener.“ Schließlich können sich die Vierbeiner so ohne Reiter austoben, ganz so, wie es ihnen gefällt. Und: Ein Pferd, dass Wind und Wetter kennt und neue Reize kennen lernt, erschrickt weniger. Für den Reiter bedeutet dies ein sicheres Pferd, das sich wohl fühlt.

Reiten mit 60

Wohl fühlen sich scheinbar nicht nur die Pferde, sondern auch die Reiter: Judith Kruschel erzählt von einem Ehepaar, dass seine Enkelin regelmäßig zum Voltigieren brachte. Während die Senioren dem Mädchen zusahen, keimte die Idee, es selbst auch einmal zu versuchen. Gesagt, getan – heute sitzt zumindest die über 60-jährige Dame regelmäßig und sicher im Sattel.

„Wir versuchen, für jeden Reiter, ob jung oder alt, Anfänger oder fortgeschritten, den richtigen Partner zu finden“, erklärt die Geschäftsführerin und weist damit auch auf einen weiteren zentralen Punkt hin: Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Reiten zu lehren – auch der Umgang mit dem Pferd, Pflege und theoretisches Hintergrundwissen sollen gelernt werden. Schließlich können Reiter und Pferd nur gemeinsam richtig gut sein.

Begeisterung pur

Gemeinsamkeit wird aber nicht in Bezug auf Menschen und Pferde, sondern auch hinsichtlich des Miteinanders der Mitglieder groß geschrieben: „Meine Tochter suchte lange nach einem passenden Reitstall“ erinnert sich Frauke Berndt. „Es hat immer irgendetwas nicht gestimmt. Aber hier ist sie nun richtig glücklich!“ „Ein freundschaftlicher Umgang, gemeinsame Aktivitäten und viel Spaß lassen alle Reiter immer wieder gerne kommen“, fügt Kruschel hinzu. Der Verein hat sogar ein eigenes kleines Video gedreht, in dem seine Mitglieder sagen, was ihnen besonders gut gefällt. Einig sind sich die großen und kleinen Reiter vor allem in einem Punkt – dass es endlich wieder aufwärts zu gehen scheint mit dem Hagener Reiterverein.

Weitere Informationen erhalten Interessierte auch im Internet unter www.reiterverein-hagen.de oder direkt beim Verein in der Humpertstraße 20.