Revolutionär im Ruderboot

Hagen. (AnS) Sport war sein Leben und in Hagen erinnert die Vorhaller Turnhalle im Vossacker zumindest namentlich an sein Leben, Wirken und seine Erfolge: Karl Adam, der am heutigen Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre.

Am 2. Mai wäre der weltbekannte Rudertrainer und gebürtige Hagener Karl Adam 100 Jahre alt geworden. (Foto: Stadtarchiv Ratzeburg. Die Fotos und die Informationen stellte uns dankenswerterweise Werner Hense zur Verfügung)

Besonders Wassersportlern ist sein Name ein Begriff. „Der Ruderprofessor vom Ratzeburger See“ wurde der Oberstudienrat für Mathematik, Physik und Leibeserziehung auch gerne genannt. Als Rudertrainer führte der gebürtige Hagener den Achter zu sieben Titeln bei Welt- und Europameisterschaften. Unvergessen sind die olympischen Goldmedaillen mit seinem Deutschland-Achter“ 1960 in Rom und 1968 in Mexiko-Stadt.

Karl Adam war ein ungewöhnlicher Mensch, der mit dem Rudersport zunächst nichts an seinem „Schlägerhut“ hatte, der übrigens später zu seinem Markenzeichen wurde. Als Student errang er 1938 die Boxweltmeisterschaft und auch in der Leichtathletik machte er sich als Hammerwerfer verdient. Als Gymnasiallehrer in Ratzeburg übernahm er eine Schüler-Ruderriege im dortigen Ruderclub. Seine Leidenschaft als Rudertrainer war geboren und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Und das, obwohl er zunächst als Rebell galt. Im Gegensatz zu seinen Kollegen betrachtete er diesen Wassersport als nahezu ganzheitlich. Er revolutionierte die Trainingsmethoden, bezog Übungen aus anderen Bereichen für Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Dynamik ein und schaute stets über den Ruder-Tellerrand hinaus.

Macon-Blatt

So kannte man ihn zu Lebzeiten: Karl Adam mit seinem Markenzeichen Schlägermütze“. Eine Büste erinnert in der Vorhaller Karl-Adam-Sporthalle an den Hagener Ruderprofessor.(Foto: Archiv Hauptschule Vorhalle)

Seine mathematischen und physikalischen Kenntnisse nutzte er, um die Technik an den Booten zu verbessern. Besonders der Ruderschlag ist ihm damals ein Anliegen, entwickelt wird das sogenannte „Macon-Blatt“ (bei der Europameisterschaft 1959 im französischen Macon wurden erstmals diese verkürzten Ruder-Blätter in einer breiteren Form verwendet).

Eine Besetzung aus Kieler und Ratzeburger Ruderern gewinnt damit in Macon, der „Ratze-Kieler-Achter“ fährt dort als Deutscher Meister mit fast zehn Sekunden Vorsprung einen historischen Sieg ein. Olympiagold folgt. Die Zusammenarbeit zweier Ruderclubs ist zudem eine Neuerung: Denn zu dieser Zeit arbeiteten Teams nur selten zusammen. Der gebürtige Hagener aber gab sein Wissen bereitwillig weiter. Und ließ seine Schüler gerne im Einer oder Zweier gegeneinander antreten. Er war überzeugt: „Konkurrenz steigert die Leistung!“

Neue Heimat

Aktiv gerudert ist Karl Adam nie, er überzeugte lieber als Praktiker und Theoretiker, als Trainer und Lehrer – immer kritisch und auf Verbesserungen bedacht. Der Küchen- und der Ratzeburgersee werden für ihn und seine Familie – Ehefrau Ursula Henkel und drei Töchter – zu seiner neuen Heimat und Arbeitsstätte.

1976 stirbt der Ruderprofessor 64-jährig in Bad Salzuflen. Hagen widmet seinem Tun und Wirken die Vorhaller Sportstätte, die seit 1989 Karl-Adam-Halle heißt.

Auch 2012 geht wieder ein Deutschlandachter bei den Olympischen Spielen in London an den Start. Das klare Ziel gibt der derzeitige Bundestrainer Ralf Holtmeyer ganz wie in Adams Zeiten vor: „Go for Gold!“ Der Ruderachter bleibt in Deutschland weiterhin ein Mythos, den der Hagener Karl Adam maßgeblich mitgeprägt hat!

(Quelle: Werner Hense: „100 Jahre Karl Adam“, in: HagenBuch 2012)