Schau würdigt Oskar Sommer

Auch das Foyer des früheren Lux-Kinos an der Elberfelder Straße zeigte ein von Oskar Sommer erschaffenes farbenprächtiges „Scherbenbild“. Es ist wohl noch vorhanden, aber unter einer Gipswand versteckt. (Foto: Michael Eckhoff)

Von Michael Eckhoff

Hagen. „Ich male und schaffe aus reiner Freude an der Form und Formgebung. Man sollte nicht versuchen, hinterher einen tieferen Sinn in die Werke hineinzulegen,“ sagte Oskar Sommer 1965 in einem Zeitungsinterview. Zu diesem Zeitpunkt lebte er bereits in Hagen und befand sich auf dem ersten Höhepunkt seiner Karriere. Kritiker nannten ihn in einem Atemzug mit Emil Schumacher und Museen ehrten ihn mit großen Ausstellungen oder Preisen, so bekam er damals zum Beispiel auch den Förderpreis zum Hagener Karl-Ernst-Osthaus-Preis.

Mit Rolf Möller

In diesem Jahr wäre der am 7. April 1928 im oberpfälzischen Regensburg geborene Oskar Sommer 85 Jahre alt geworden. Das „Rote Haus“ – das ist die Anwaltskanzlei Stahl, Krafzik & Partner, Neumarktsraße 2c – nimmt diesen Termin zum Anlass, über 50 Werke Oskar Sommers zu zeigen. Sie stammen aus vier Jahrzehnten – angefangen beim Frühwerk, führt die Schau ein in alle Schaffensperioden des früher in Hagen weithin bekannten Malers, Architekten, Bildhauers und Grafikers.

Sie eröffnen am Freitag, 15. Februar, die Oskar-Sommer-Schau im „Roten Haus“ (v.l.): Ausstellungsmacherin Petra Holtmann, Gastgeber Wolfgang Zwiehoff, Kunst-Experte Walter Israel und Leihgeber Rolf Möller. (Foto: Michael Eckhoff)

Zur Eröffnung der von Petra Holtmann (Ardenkuverlag) präsentierten Ausstellung am Freitag, 15. Februar 2013, um 19 Uhr sprechen der Kunst-Experte Walter Israel und der Sammler Rolf Möller. Der Drummer von Extrabreit – als junger Mann mit Oskar Sommer befreundet – ist einer von drei Leihgebern dieser Schau. Möllers Vater besaß früher in Hagen an der Goldbergstraße ein Fachgeschäft für Rahmen und Malereibedarf, weshalb der Sohn öfter zu Sommer geschickt wurde, ihm allerlei Utensilien zu liefern. Das führte letztendlich zu einer tiefen Freundschaft zwischen dem jungen Rolf und dem renommierten Maler. Rolf Möller wird bei seiner Einführungsrede vornehmlich „Vertellkes“ aus jener Ära zum Besten geben.

Bekanntes Mosaik

Das malerische Werk Oskar Sommers ist heute nicht mehr sonderlich vielen Hagenern bekannt. Was zahlreiche Volmestädter hingegen kennen, sind die „Kunst-am-Bau“-Werke, die so manches öffentliche Gebäude zieren. Insbesondere einige Mosaike und abstrakte „Scherbenbilder“ ziehen nach wir vor die Bewunderung auf sich. Wer beispielsweise das Finanzamt am Märkischen Ring betritt, geht an einem hauptsächlich in Blautönen gehaltenen Oskar-Sommer-Werk vorbei.

Und all diejenigen, die früher regelmäßig das Lux-Kino an der Elberfelder Straße besucht haben, werden sich sicherlich noch an das farbenprächtige Scherbenbild erinnern, das der absolute Blickfang im Foyer war. Es ist wohl noch vorhanden, aber unter einer Gipswand versteckt. Ein anderes bekanntes Sommer-Werk im öffentlichen Raum stellt eine überaus farbenfrohe, von der Pop-Art beeinflusste Wandgestaltung in der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule in Boele-Helfe dar.

Oskar Sommer in jungen Jahren. Zu Lebzeiten wurde er oft in einem Atemzug mit Emil Schumacher genannt. (Abbildung aus: HagenBuch 2014)

Der Ehefrau gefolgt

Dass der gelernte Architekt Oskar Sommer einst nach Hagen kam, ist seiner Frau Ruth Lenz zu verdanken, die ursprünglich als Primaballerina in München wirkte. Claus-Uwe Derichs, Oskar-Sommer-Experte und Autor eines Beitrags über den Künstler im aktuellen HagenBuch 2013, weiß: „1955 erhält Ruth Lenz eine Engagement in Hagen.“ Oskar Sommer folgt seiner Frau an die Volme und wird hier für den Rest seines Lebens heimisch. Anfangs habe das Künstlerpaar im Eckhaus Hochstraße/ Bergischer Ring gewohnt, wo Sommer ein Atelier unterm Dach besessen habe, so Derichs. Lange Zeit wurde dieses Gebäude auch von einem 1956 verwirklichten Oskar-Sommer-Mosaik geschmückt. Bedauerlicherweise wurde es jedoch im Zuge einer Fassadenrenovierung zerstört.

„Durchgebissen“

Später stellte ihm die Stadt ein Atelier im Haus Busch zur Verfügung – das Atelier existiert noch und ist heute im Besitz von Uwe Nickel. Hier – wie auch schon in den Jahren zuvor – beschäftigte er sich lange Zeit mit den Entwürfen für besonders schwierig zu erstellende, riesige Kupferarbeiten. Sie sind in zahlreichen NRW-Städten zu finden – beispielsweise in Oberhausen (Stadthalle, 1965), aber auch in Hagen: So an der Eingangsfront der Käthe-Kollwitz-Schule auf dem Kratzkopf (1964/65). Die Realisierung dieser Werke verlief alles andere als problemlos. Sommer musste sich gleichsam „durchbeißen“. Claus-Uwe Derichs erläutert: „Anfang der sechziger Jahre wendet sich Sommer von der Malerei ab, um sich der Plastik zu widmen. Oskar Sommer wählt für seine Skulpturen das für Bildhauer der Moderne eher ungewöhnliche Material Kupfer. Nachdem Kupferschmiede die Ausführung des Wettbewerbentwurfs für die Oberhausener Stadthalle als unmöglich abgelehnt haben, legt Sommer im wahrsten Sinne des Wortes selbst Hand an.“

„Er stauchte, faltete und bog das Metall, lötete die einzelnen Streifen zusammen und brannte die blutende Emaille mit dem Schweißbrenner ein,“ beschreibt Sommers Freund Ernst Meister, der berühmte Hasper Dichter, die Vorgehensweise. Sie ist typisch für Sommer. Sein Leben lang ist sich der „Oberpfälzer Sturkopf“ treu geblieben – wobei sein Leben selbstverständlich auch von einigen Schaffenskrisen geprägt war. Er wurde nur 55 Jahre alt. „Am 17. Februar 1984 verlässt ihn die Lebenskraft endgültig“, notiert Claus-Uwe Derichs im HagenBuch. Im Roten Haus bekommt man nun einen hervorragenden Einblick in das malerische Werk – gewidmet einem Künstler, der lange Zeit zu den ganz Großen in Nordrhein-Westfalen zählte.