Schlaganfall: Wenn jede Sekunde zählt

Hagen. (ric) Er ist die dritthäufigste Todesursache: Der Schlaganfall. Doch obwohl er so verbreitet ist, kennen viele Menschen die typischen Symptome nicht. Prof. Dr. Hubertus Köller, leitender Arzt der Klinik für Neurologie im Boeler St.-Johannes-Hospital, spricht daher am Dienstag, 28. August 2012, 16 Uhr, im Forum des Sparkassen-Karrees in der Hagener Innenstadt. Bei freiem Eintritt informiert der Vortrag über die häufigen Ursachen eines Schlaganfalls, Vorbeugungsmaßnahmen, Untersuchungen und Behandlungen.

„In Hagen und Umgebung sind etwa 400 Menschen pro Jahr von einem Schlaganfall betroffen“, erläutert Köller. Insgesamt kommen auf 100.000 Einwohner rund 200 Schlaganfallbetroffene. Wichtig ist: Jeder Schlaganfall ist ein absoluter Notfall und bedeutet Lebensgefahr. Deshalb ist es unbedingt nötig, auch bei Verdachtsfällen sofort den Notarzt zu verständigen oder gleich die Schlaganfallstation aufzusuchen. „Am besten ist die Behandlung in den ersten vier Stunden“, so der Mediziner.

Doch wie erkennt man überhaupt einen Schlaganfall? „Zu den grundlegenden Symptomen gehören eine plötzliche, einseitige Lähmung, besonders im Arm. Außerdem ist ein einseitiges Taubheitsgefühl und ein herabhängender Mundwinkel alarmierend. Hinzu kommen Seh- und Sprachstörungen, sich nicht mehr ausdrücken oder etwas verstehen können, Verwirrung, Hörverlust, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit sowie starke Kopf- und Nackenschmerzen“, zählt der leitende Arzt die lange Verdachtsliste auf.

Wie kommt es zum Schlaganfall?

Es gibt beeinflussbare und nicht-beeinflussbare Risikofaktoren. Der wohl wichtigste beeinflussbare Faktor ist der Bluthochdruck. Mediziner gehen davon aus, dass ein Blutdruck, der dauerhaft bei oder über 140/90 mmHg liegt, behandlungsbedürftig ist – die Behandlung durch den Arzt ist dringend zu empfehlen. Außerdem stellt Diabetes eine große Gefahr dar. Aber auch Herzrhythmusstörungen, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko eines Schlaganfalls. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und einer gesunden Ernährung helfen hingegen bei der Vorbeugung.

Einer der zentralen nicht-beeinflussbaren Faktoren ist das Lebensalter. Denn: „Mit zunehmenden Alter steigt auch das Risiko für einen Schlaganfall“, weiß Prof. Köller. Und da die Menschen immer älter werden, ist die Betroffenen-Tendenz steigend.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn oder ein hirnversorgendes Gefäß im Halsbereich „verstopft“ ist oder „platzt“. Dann ist der Blutstrom in diesem Bereich unterbrochen und die Gehirnzellen werden nicht mehr genügend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt – sie können absterben. Rund um das betroffene Hirnareal befinden sich aber Zellen, die nicht sofort absterben, sondern erst „nur“ in ihrer Funktion gestört sind. „Genau diese Zellen müssen durch eine schnelle Behandlung gerettet werden“, erklärt der erfahrene Arzt. Die Folgen des Schlaganfalls können so vermieden oder zumindest begrenzt werden. Um den Betroffenen korrekt behandeln zu können, ist es außerdem wichtig, dass er in eine spezielle neurologische Klinik gebracht wird – im Hagener Raum ist dies die Neurologie im St.-Johannes-Hospital.

Die hiesige Schlaganfallstation ist eine von 26 im Ruhrgebiet, alle sind miteinander vernetzt. „Diese Stationen sind ein Fortschritt bei der Behandlung der Schlaganfall-Folgen, da die Patienten unmittelbar in der aktuellen Phase behandelt werden können“, freut sich Dr. Hubertus Köller.