Schneeprobleme machen Hagener Bürger wütend

Eine gut gemeinte Unterstützung - aber gegen den derzeitigen Schneereichtum wohl nicht wirklich hilfreich... - Der Streusalzmangel macht dem Hagener Entsorgungsbetrieb Sorgen und den Bürgern zu schaffen. Doch das waren nicht die einzigen Probleme... (Foto: Sandra Preuss)

Hagen. (tau/ME) Der Zorn vieler Hagener entlädt sich in diesen Tagen auf das Haupt von Detlef Liedtke. Trägt dieser Mann doch – ihrer Überzeugung nach – die Hauptschuld daran, dass der Winter die Volmestadt übelst in ihrem Bann hält.

Rückblende: Am vergangenen Donnerstag wartet Deutschland auf Tiefdruckgebiet Petra. Ab 8 Uhr wird eine Frühwarnung ausgegeben. Schon ab 6 Uhr sitzt die Frühschicht des Räumdienstes des Hagener Entsorgungsbetriebs bereit. Doch der dicke Sturm lässt auf sich warten. Statt am Vormittag kommt er erst nach 15 Uhr – mittenmang hinein in den Berufsverkehr.

Ein leichter Schneefall rieselt zwar vormittags auf die Volmestadt, reicht aber noch nicht zum Ausrücken. „Man kann nicht schieben, wenn es noch nicht genug zu schieben gibt“, weiß Detlef Liedtke, seit 20 Jahren Bereichsleiter Straßenreinigung und Winterdienst beim HEB.

Spätschicht

Als das große Schneetreiben beginnt, ist die Spätschicht frisch eingetroffen. Acht Leute mit ihren Räumfahrzeugen machen sich auf den Weg. Zwei geraten auf der Eckeseyer Straße prompt in einen Stau. „Verursacht durch ein Speditionsfahrzeug, das noch mit Sommerreifen unterwegs war und später sogar abgeschleppt werden musste…“, erklärt Detlef Liedtke das Pech seiner Kollegen.

Am Emilienplatz stehen ein Lkw und ein Bus quer. Der HEB-Räumdienst fährt – ohne dazu etwa verpflichtet zu sein – in Gegenrichtung mit einem Extrawagen heran und schiebt die Fahrzeuge frei. Auf der Kreuzung kann es weiterfließen.

Bis 24 Uhr sind alle Hauptverkehrsstraßen zweimal abgefahren und geräumt. Die ganze Nacht über wird weiter geschoben und gestreut.

A1-Umleitung

Freitag morgen rollt dann noch eine zusätzliche Verkehrsbelastung über Hagen: Die A1 wird teilweise gesperrt und durchs Stadtgebiet umgeleitet. Nichts geht mehr zwischen Volme und Ennepe. Des Autofahrers Seele kocht. Typisch Hagen, typisch HEB? Nein, Entscheidung der zuständigen Autobahnmeisterei. Auch die Hagener Räumfahrzeuge kommen im Riesenstau nur schwer voran.

Der HEB-Einsatz zum Wochenstart schließlich beginnt nach neuerlichem Schneefall mit zwei zusätzlich eingeteilten Mitarbeitern, ab 4 Uhr werden Schwerter und Eckeseyer Straße befreit.

Den vielfach an ihn herangetragenen Vorwurf, dass es in Hagen mal wieder schlimmer sei als in den Nachbarstädten, weist Winterdienst-Chef Liedtke zurück: „Alles Quatsch!“ Und ein Besuch der City beispielsweise in Dortmund, in Ennepetal oder der Wartehallen diverser europäischer Flughäfen in den letzten Tagen hätte ihm recht gegeben.

Salz-Probleme

Erstes Fazit nach dem aktuellen Wintereinbruch: Die wichtigsten Hagener Straßen sind nicht vom Schnee befreit, aber überwiegend geräumt. Und auf kleineren Straßen sei eine feste Schneematte allemal besser als getaute Matsche, die durch den gefrorenen Untergrund zur Eisbahn gerate. Das weiß aber offensichtlich nicht jeder Autofahrer und erst recht nicht jeder Anwohner, der allzu gern komplett freie Straßen vor seiner Haustür fordert. Auf weniger befahrenen Nebenstrecken kann Salz jedoch eine genau unerwünschte Wirkung haben – wenn die Taupfützen nicht genug befahren und verteilt werden, frieren sie zu spiegelglatten Seen. Und dann ist das Geschrei umso größer, so Liedtke.

Darüber hinaus ist der Salz-Vorrat für Hagen mittlerweile wieder knapp geworden. Dabei hatte der HEB über Bedarf vorgesorgt: zu den in der Vergangenheit üblicherweise jährlich benötigten und bereits eingelagerten 2000 Tonnen wurden bereits im Oktober für die aktuelle Kälteperiode noch 500 weitere Tonnen geordert.

Mehr als empfohlen

Zuletzt rollten am 29. November sechs Lkw mit neuem Salz in die Volmestadt. „Laut Verbandsempfehlung soll der Vorrat immer so angelegt sein, dass man zwei Wochen durchsteht“, erklärt Detlef Liedtke. „Wir hatten schon für drei Wochen Vorrat, weil wir eben mehr gehortet hatten. Doch jetzt wird‘s eng und wir warten dringend auf den Nachschub.“ Die Streufahrzeuge sind deshalb momentan mit einem abstumpfenden Salz-Granulat-Gemisch unterwegs.

„Weniger Probleme haben derzeit die Müllfahrzeuge“, zeigt sich Detlef Liedtke froh. Mit Schneeketten ausgerüstet, wühlen sie sich – wenn vielleicht auch mit etwas Verspätung – durch die entlegensten Straßen der Volmestadt. Also: Egal, wie weiß der Winter in den kommenden Tagen auch wird und egal wie lange das Salz vielleicht noch auf sich warten lässt: Im Feiertagsabfall werden wir Weihnachten 2010 nicht ersticken. Das ist doch mal was…

Auch Straßenbahn am Pranger…

Im Übrigen richtet sich der Unmut vieler Hagener nicht allein gegen den HEB – auch die Hagener Straßenbahn steht am Pranger. Stellvertretend für andere Leser sei hier die Meinung einer Leserin abgedruckt: „Ich mache jedes Jahr Winterurlaub in Tirol, dort liegen dann wesentlich höhere Schneemengen als bei uns – dennoch fahren die Linienbusse pünktlich. In Hagen hingegen fallen lediglich ein paar Schneeflocken – und schon gelangt tagelang kein Bus mehr in die etwas höher gelegenen Ortsteile. Das ist doch ein Armutszeugnis! Fahren die etwa mit Sommerreifen? Oder haben wir die falschen Busse?“

…und Lehrer…

Zu den „Buhmännern“ dieses Winters zählen ferner etliche Lehrer und Lehrerinnen. Auch hier wollen wir die Meinung einer Mutter stellvertretend abdrucken: „Ich saß am Freitagmorgen um kurz nach acht ganz normal an meinem Arbeitsplatz im Büro, als ich per Anruf erfuhr, ich solle gefälligst meine Tochter aus der Schule holen – der Unterricht falle aus. Begründung: die meisten Lehrer hätten nicht zur Schule gelangen können. Das ist doch ein Unding. Wenn ich pünktlich im Büro sitzen kann, müssen die Lehrer es doch auch in die Schule schaffen, oder nicht?“

Die Gesetzeslage gibt der Mutter recht. „Schnee und Eis sind keine Ausreden für Unpünktlichkeit!“ heißt es unmissverständlich in der Rechtsprechung. Arbeitgeber können darauf pochen, dass die Beschäftigten pünktlich zum Dienst erscheinen – egal, wie hoch die Schneemengen sind. Juristisch ausgedrückt: Der Arbeitnehmer trägt das Wegerisiko. Das heißt ferner: wer zu spät kommt, verletzt seine arbeitsvertraglichen Verpflichtungen. Und dies bedeutet auch: Ohne Arbeit kein Lohn. „Streng genommen müssten also bei den nicht erschienenen Lehrern Gehaltskürzungen vorgenommen werden,“ schlägt unsere Leserin vor – aber ihre Forderung werde in Düsseldorf wohl kein Gehör finden, zeigt sie sich wenig hoffnungsvoll.

…und Hausbesitzer…

Ein völlig anderes Problem ergab sich in den letzten Tagen aus nicht geräumten Gehwegen. Da am Donnerstag und Freitag mehr Menschen als normal zu Fuß gehen mussten (vor allem am Donnerstagabend, nachdem der gesamte Linienbusverkehr seinen Betrieb eingestellt hatte), wäre es für sie natürlich gut gewesen, wenn sie „ordentlich“ die Bürgersteige hätten nutzen können. Der wochenkurier hat die Probe aufs Exempel gemacht und am Donnerstag gegen 18.30/19 Uhr die Lützowstraße und die Flensburgstraße „getestet“ – lediglich vor einer ganz kleinen Anzahl von Häusern waren die Gehwege tatsächlich gut nutzbar. Dabei hat die Stadt Hagen in den letzten Tagen unmissverständlich auf die Räumpflicht hingewiesen.

…und die Stadt Hagen

In Anbetracht solcher Hinweise seitens der Stadtverwaltung könnte man ja erwarten, dass die Kommune selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Tut sie aber nicht. Im Gegenteil! Insbesondere – so der Eindruck vieler Bürger – wurde in den letzten Tagen vor städtischen Grundstücken besonders schlecht geräumt. Liegt das am Geldmangel? „Nee, eher an untätigen Hausmeistern!“ vermutet ein Leser.