Sicher aufs Spielrad

Hagen. (AnS) Wenn es um die Sicherheit beim Radfahren geht, kennt der Verkehrssicherheitsberater der Polizei Hagen, Jörg Ebel, kein Pardon: „Ohne Helm geht gar nichts!“ Und will ein Kind partout seinen „Hut“ nicht aufsetzen, ist für ihn jeder noch so schöne Fahrradausflug abrupt beendet. „Dann muss geschoben werden“, erklärt der Polizist rigoros.

„Fahrradfahren im Straßenverkehr – keine ungefährliche Sache“ lautete der Tenor des wk-Artikels „Kinder sehen anders“ in einer der letzten wk-Ausgaben. Jörg Ebel tourt seit drei Jahren mit seinem Programm „Kinder im Straßenverkehr“ durch Kindergärten, klärt und zeigt auf: durch Filme, Beispiele und manch lustige Selbstversuche, die immer einen ernsten Hintergrund haben. Das Können und das Verhalten der Kinder spielt eine Rolle, genauso wichtig ist aber auch das richtige Rad und ein korrekt sitzender Helm beim „Spiel“ auf der Straße.

Lebensretter

„Der Helm“, weiß Jörg Ebel, “ist Lebensretter Nummer eins.“ Ein ungeschützter Kopf kann bei einem Sturz schwerwiegend verletzt werden. Gern zeigt der Berater den Eltern, wie eine Melone aus geringer Fallhöhe auf dem Bürgersteig zerplatzt: Mit Helm wäre das nicht passiert. Der Styroporkern fängt dabei den Aufprall ab, der Kunststoffüberzug lässt den Helm übers Asphalt gleiten. „Der Styropor allein würde auf dem Straßenbelag hängen bleiben und schwere Kopfverletzungen hervorrufen,“ weiß der Experte. Auch wenn der Helm nicht gerade modisch schick ist, Eltern sollten in jedem Fall Vorbild sein. „Jeder, der aufs Rad steigt, sollte einen Helm tragen.“ Schädeldecke, Stirn, Schläfe und auch der Hinterkopf sind so vor schwereren Verletzungen optimal geschützt. Der Schutz muss noch nicht einmal teuer sein.

Passend kaufen

Jörg Ebel hat weitere Tipps parat: Die Riemen sollten ein Dreieck bilden und nicht verdreht sein. Zwischen Kinn und Verschluss darf ein bisschen Luft sein. Bei Mädchen sind Zopf oder Haarklammern und dicke Mützen darunter ebenso tabu! Der Kopfschutz muss passen und sollte nicht auf „Vorrat“ gekauft werden. Kinderköpfe wachsen in der Regel nicht mehr. Ein einfacher Trick zeigt, ob der Helm sitzt: Bei geöffnetem Kinnriemen den Kopf drehen, der Helm muss die Bewegung mitmachen, ohne zu wackeln. Anpassen lässt er sich meist durch Stellschrauben oder innenliegende Polster. Auch ein Fliegengitter als Abdeckung der Luftschlitze sollte vorhanden sein. „Kein Kind hat hier Mitspracherecht,“ ist Jörg Ebel wichtig: „Bleiben Sie als Eltern konsequent!“

Auch das Fahrrad selbst sollte passen: Im Kindergartenalter ist der Drahtesel meist aber nur Spielgerät, das nicht der Straßenverkehrsordnung entsprechen muss. Trotzdem sollten Licht, Bremsen und Reflektoren möglichst vorhanden sein.

Wichtig auch hier: die richtige Größe! Sattel und auch der Lenker sollten in jedem Fall verstellbar sein. Der Fuß sollte beim Sitzen komplett den Boden berühren. Jörg Ebel weiß aus eigener Erfahrung, das es nicht möglich ist, jedes Jahr etwas neues zu kaufen, aber er kennt einen einfachen Trick, um zu schauen, ob das Rad noch passt: „Setzen sie ihr Kind auf den Sattel und lassen sie es mit dem Oberkörper vorbeugen.“ Trifft die Nasenspitze die Lenkermitte, ist das Rad noch okay. Ist das nicht der Fall: Ein Vorbau für den Lenker, für wenige Euro zu erwerben, lässt das Rad eventuell noch ein wenig mitwachsen.

Stützräder sind Sturzräder

Der Lenker, so lautet der Tipp des Experten, sollte in jedem Fall höher sein als der Sattel. Zur Sicherheit sollte eine Rücktrittsbremse, eine leichtgängige Vorderradbremse, ein geschlossener Kettenschutz, Polsterungen und Sicherheitsgriffe am Lenkerende sowie eine trittsichere Pedale nicht fehlen. „Gut ist auch, wenn das Kinderrad einen tiefen Durchstieg, ähnlich wie bei der Damenversion, hat.“

Zudem sollten sich Eltern von den begehrten Stützrädern verabschieden: „Stützräder sind Sturzräder,“ weiß der Experte. Radfahren lasse sich damit nicht lernen, da das Gleichgewicht nicht angesprochen wird. Ebel empfiehlt, das Kind erst Laufrad oder Roller fahren zu lassen, dann klappe die Umstellung aufs Zweirad schnell. „Dass Mama oder Papa noch eine Weile als Stütze hinterherlaufen müssen, kann ich den Eltern nun mal nicht ersparen.“ Einen letzten Rat hat der Hagener Polizist noch parat: Eine Selbstverständlichkeit sollte die regelmäßige Wartung des Rads sein. Dann steht einer fröhlichen und sicheren Kinder-Radfahrzeit nichts mehr im Wege!