Sonne, Mond und Sterne

Hagen. (anna) Für Horst Lappöhn, Sänger und Gitarrist des außergewöhnlichen Ensembles „Sonne, Mond und Sterne“, bedeutet es keine Schwierigkeit, das Lied-Repertoire der vielen unterschiedlichen Programme wieder in sechs verschiedenen Sprachen präsentieren zu können. Denn er ist sehr froh darüber, dass er überhaupt noch sprechen und Gitarre spielen kann. Zu verdanken hat der 60-Jährige das seinen Freunden, die ihn nach dem Schlaganfall im Jahre 2006 nicht hängen ließen. Als sich Lappöhn, rechtsseitig gelähmt und ohne Sprache, schon aufgeben hatte, holten ihn die Freunde langsam wieder ins Leben zurück.

Das Musik-Ensemble „Sonne, Mond und Sterne“ besticht durch sein außergewöhnliches Repertoire. (v.r.) Horst Lappöhn, Antje Stein, Ariane Raspe und Peter Boenig haben diese Gruppe 2007 gegründet und präsentieren seitdem fünf verschiedene Programme. (Foto: Peter Schildt)

Seit 2007

„Sie haben mich ermuntert wieder Musik zu machen und Theater zu spielen“, erinnert sich Lappöhn, dessen Sprachvermögen erst langsam wieder zurück kehrte. Im Laufe seiner Genesung entstand im Jahre 2007 dann das vierköpfige Ensemble „Sonne, Mond und Sterne“, in dem auch Lappöhns Lebensgefährtin Antje Stein Akkordeon spielt. Durch das ungewöhnliche Repertoire der vier Musikerinnen und Musiker, die obendrein gute Freunde sind, blieb der Erfolg nicht aus. Ihre Auftritte wurden jedes Mal frenetisch gefeiert, denn das dargebotene Repertoire des Ensembles erstreckt sich von bekannten über seltenen bis hin zu kaum gehörtem Liedgut aus vier Jahrhunderten in unterschiedlichen Sprachen.

Der Bogen spannt sich dabei vom altenglischen Kirchenlied anno 1678 über Heinz Rühmanns bekannten Filmsong „LaLeLu“ und „Mach zu die Eigelach“ aus dem Warschauer Getto und den „Weißen Neger Wumbaba“ bis hin zu Matthias Claudius’ Klassiker „Der Mond ist aufgegangen“.

Am 1. September ist die Gruppe „Sonne, Mond und Sterne“ mit ihrem Programm „LaLeLu“ im Allerwelthaus in der Potthofstraße zu Gast: „Nun liebe Kinder gebt fein acht…“ – mit diesem berühmten Satz des Sandmännchens beginnt das Gute-Nacht-Lieder-Programm der Gruppe „Sonne, Mond und Sterne“. Die vier Ensemblemitglieder Ariane Raspe (Gesang), Antje Stein (Akkordeon), Peter Boenig (Gitarre, Gesang) und Horst Lappöhn (Gitarre, Gesang, Moderation) haben unter dem Titel „LaLeLu“ ein Programm von Abend-, Gute Nacht- und Wiegenliedern zusammengestellt. Das bekannte „Guter Mond“ kommt sogar in zwei neuen, nie gehörten Textgewändern daher: in Form eines Liebesliedes von Mascha Kaleko und eines von Kurt Tucholsky. Und am Ende wird es heißen: Gute Nacht Freunde, und die sanften Worte des Sandmännchens „Und schlaft recht schön“ begleiten uns bis in die Träume.

Das Programm „Mein feines Lieb“ präsentiert internationale Liebeslieder aus 5 Jahrhunderten. Vom deutschen Minnelied aus dem „Lochamer Liederbuch“ des Jahres 1452, über das italienische Barock des Giovanni Gastoldi, das französische „Chanson d’amour“ bis hin zum deutschen und amerikanischen Tonfilmschlager der 30er und 50er Jahre spannt sich hier der Bogen. Wie in seinen anderen Programmen mischt das Ensemble wieder Bekanntes mit Unbekanntem, Ohrwürmer mit bei uns noch nie gehörten Liedern aus Wales, Frankreich, Italien, Israel und der Schweiz. Liebes und Liebliches von „Greensleeves“ bis zu Willy Fritsch und Reinhard Mey … eben „der Lieb zu gefallen“.

„Damit ich nicht vergess, ihnen zu erzählen…“: Mit diesem berühmten jiddischen Satz beginnt das Programm „Shalom“ der Hagener Folklore-Gruppe „Sonne, Mond und Sterne“. Die vier Ensemblemitglieder haben unter dem Titel ein Programm aus hebräischen und jiddischen Volks- und Liebesliedern zusammengestellt – die „Rebe Elimelech“ gehört ebenso dazu wie ein Wiegenlied aus dem Warschauer Ghetto: „Mach zu die Eigelach“. Instrumentale Stücke aus dem Bereich der Klezmer-Musik (Musik der jüdischen Wandermusikanten) wechseln sich ab mit Liedern berühmter jüdischer Autoren wie Itzak Katchenelson und Hirsch Glik. Zwischendrin erzählen uns die Musiker auf hebräisch von Romeo und Julia in Jerusalem und von den verlorenen und zersplitterten Träumen der jüdischen Autorin aus dem Berlin der 20er/30er Jahre, Mascha Kaleko. Und am Ende wird es heißen: „Friede sei mit Euch“…

Unter dem Titel „Der Mensch ist gar nicht gut..“ präsentiert „Sonne, Mond und Sterne“ auch Lieder, Legenden und Balladen von Bertold Brecht. Das Programm enthält einen kleinen Querschnitt durch Brechts enorm vielseitiges Schaffen. In „Lieder, Legenden und Balladen“, begegnet uns sowohl der „Große Brecht“ mit seinen berühmten und bekannten Bühnensongs („Moritat von Maeckie Messer“) als auch der „kleine Brecht“ mit seinen selten gehörten chansonartigen Liedern, die er selbst einst im Kabarett „Wilde Bühne“, von Trude Hesterberg in Berlin 1926 zur Laute vorgetragen hatte.

In der Originalbesetzung Gitarren, verschiedene Stimmen, Akkordeon, Bass erklingen die Balladen von der „Hanna Cash“ und den „Seeräubern“, Lieder aus „Mutter Courage“, der „Dreigroschenoper“ und „Schweyk im 2. Weltkrieg“ sowie auch das eine oder andere Gedicht aus seiner berühmten „Hauspostille“ in neuer (und alter) Vertonung.

Stücke aus der Abteilung: „Erst kommt das Fressen – dann die Moral -„ wie das bekannte „Einheitsfrontlied“, in der Vertonung von Hanns Eisler – wechseln sich ab mit sanfter Liebeslyrik wie „Seht jene Kraniche“ und den „Fragen“ eines Gestrandeten aus dem Exil. Und am Ende klingt in uns noch der Lehrsatz nach, den wir in der „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ vom Bettlerkönig Peachum lernten: „…Der Mensch ist gar nicht gut…“

In dem Programm „Lieder von hier und anderswo…“ präsentiert das Ensemble englische, französische und deutsche Volksweisen sowie norddeutsche Kinderlieder. Bekannte und unbekannte Folknummern werden dabei den Gästen zu Gehör gebracht. Ein Abend, der sich lohnt…