SonnTalk: Bitte ungerade

Von Bärbel Taubitz
Valentinstag ist gerade vorbei, Muttertag noch nicht in Sicht, dazwischen liegt er: der Weltfrauentag.

In Russland wird an diesem Tag nicht gearbeitet. Stattdessen feiert die Nation den 8. März mit einer Kombination aus Mutter- und Valentinstag. Dabei werden nicht nur Mütter, Ehefrauen und Freundinnen mit Blumen beschenkt, sondern – Achtung! – auch Arbeitskolleginnen und Geschäftspartnerinnen.
Entstanden ist der Feiertag Anfang des 20. Jahrhunderts – als eine Initiative von sozialistischen Organisationen. Anlass waren der Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen.
Seit 1977 ist der Tag auf der ganzen Welt bekannt: Damals verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, die alle Staaten darum bat, einen Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden zu begehen.
In Russland wird der Weltfrauentag bereits seit 1913 groß gefeiert. Der ursprüngliche Anlass ist hier inzwischen in den Hintergrund getreten. Stattdessen steht die Wertschätzung der Weiblichkeit an erster Stelle. Und das nicht nur bei engen Vertrauten. Es ist durchaus üblich, dass sich fremde Menschen am 8. März „Alles Gute zum Weltfrauentag!“ zurufen.
Näherstehende sprechen nicht nur einen Glückwunsch aus, sondern schenken auch etwas dazu. Blumen stehen in der Beliebtheitsskala ganz oben. Dabei ist es nicht egal, was für ein Strauß verschenkt wird. Die oberste Regel lautet: Immer eine ungerade Zahl an Blüten auswählen. Vier oder sechs Stück bringen nach russischer Definition Unglück und werden nur für Verstorbene gekauft. Auch gelbe Rosen oder Tulpen könnten missverstanden werden. Denn die Symbolik besagt, dass dies ein Zeichen der Untreue und des Abschieds ist.
Ausnahmen bilden Osterglocken und die zum Weltfrauentag beliebten Mimosen. Wie auch in Italien werden in Russland die duftenden Zweige mit den zartgelben Blüten traditionell zum Weltfrauentag verschenkt. Ebenfalls hoch im Kurs stehen weiße Schneeglöckchen, die es wie auch andere passende Blumen zum Weltfrauentag in gut sortierten Einzelhandelsgärtnereien gibt.
Auch in Deutschland wird der Weltfrauentag gefeiert – vor allem in den östlichen Bundesländern. Dort ist es üblich, in der Familie und bei der Arbeit Aufmerksamkeiten zu verschenken.
Über einen Blumenstrauß freuen sich natürlich auch Kolleginnen und Geschäftspartnerinnen, denen ein Bezug zu der Tradition fehlt. Denn wie heißt es so schön: Blumen machen Menschen fröhlicher, glücklicher und hilfsbereiter. Sie sorgen in aller Regel für ein Lächeln der Beschenkten – das gilt übrigens auch für die Mitarbeiterinnen des Wochenkuriers, liebe Herren Kollegen…!