SonnTalk: Centenarians

Heute geht es an die Urnen zur Bundestagswahl. Noch nie waren dabei so viele Wahlberechtigte deutlich jenseits der Lebensmitte. Fast 44 Prozent sind mindestens schon 50 Jahre alt. Wer im 19. Jahrhundert geboren wurde, konnte sich glücklich schätzen, überhaupt etwas älter als diese 50 zu werden. Unsere Lebenserwartung erreicht aber in Bälde fast das Doppelte.
Die Entdeckung von Impfstoffen, das einstige Wundermittel Antibiotikum, eine fast schon übertriebene Hygiene, technische Tricks und Tracks wie Herzschrittmacher, Transplantationen, künstliche Gelenke, Dialyse-Methoden und tausend andere dolle Dinge mehr lassen uns immer leichter älter und älter werden.
Die, die man bis kürzlich noch mit „Senioren“ oder „alte Leute“ betitelte, sind aufgestiegen in den heiß umworbenen Markt der „Best Agers“ oder „Silver Agers“. Nun taucht am Horizont der Menschheitsentwicklung die neue Gattung der „Centenarians“ auf, der Hundertjährigen. Davon wird es demnächst immer mehr geben. Rein rechnerisch können 28 Prozent der heutigen neugeborenen Mädels und sieben Prozent der Knäbleins die Hunderter-Marke locker reißen.
Altern im Sinne von Schrumpeln, Verrunzeln, Verfalten und Ergrauen werden wir aber trotzdem. Warum und wie genau, ist noch ein Rätsel und beschäftigt schwer die Wissenschaft, die den Verfall so gerne stoppen können würde.
Bis dahin bleiben wir trotz aller Segnungen der modernen Medizin doch letztlich alle vom alltäglichen Leben mit all seinen Überraschungen hoch gefährdet – wie nach dem Regen die ahnungslosen Schnecken auf dem Radweg. Und solange wir unseren Planeten auch noch teilen müssen mit Machthabern wie US-Präsident Donald Trump und Nordkorea-Chef Kim Jong Un weiß sowieso kein Mensch, wie lange es noch Morgen wird.
Deswegen: Daumen drücken für einen schönen Sonntag.