SonnTalk: Schräge gelbe Nummer

Von Heiko Cordes

Hurra! Wir Deutschen sind Weltmeister im Fußball, Europameister im Handball und in der Formel 1 fahren „unsere“ Wagen mit dem Stern allen anderen Bollerwagen davon.

Die lustvolle Raserei steckt die Alltags-Fahrer an: Wer nicht mindestens die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit fährt, wird als Ausbremser und übler Schleicher beschimpft. Im Land der geborenen Bleifüße lehren die Fahrschulen 130 Stundenkilometer als Richtgeschwindigkeit. Unsere europäischen Nachbarn begnügen sich mit „120“ – oder sogar noch weniger, siehe England:

Hier sind‘s circa 112 km/h.

Das geliebte Auto dient hierzulande zu oft als Klangkammer, als Resonanzkörper für Wummer-Musik und Bässe-Gehämmer der magenwalkenden Sorte. Manche Dröhn-Karre lässt akustisch gar die Kaffeetassen auf den Tischen der angrenzenden Häuser hüpfen.

Die Sitten sind mitunter rau auf dem hiesigen Asphalt: Nach rechts und links werden gerne bierkutschermäßig Flüche weit unterhalb der Gürtellinie ausgeteilt.

Ja, schon die Aller-Kleinsten sind vom Wahnsinn im Auto infiziert. Der Kurze, der kürzlich hinten in unserem Wagen mitfuhr, beobachtete fachmännisch den Verkehr. Plötzlich rief er fröhlich: „Schau mal, der da drüben! Der ist dreimal durch die Führerscheinprüfung gefallen!“

Wie er denn da drauf käme? Nun, das hatte ihm neulich sein Papa erklärt: Gelbe Kennzeichen müssten sich nur jene „Vollidioten anschrauben, die schon drei Mal durch die Führerscheinprüfung gekachelt sind“. Quasi als Warnung für die anderen, besseren Fahrer.

Junge, Junge! – Wie? Bloß Spaß? – Keine hundert Engelszungen konnten den kleinen Auto-Experten jetzt davon überzeugen, dass unsere westlichen Nachbarn aus Käseland einfach alle gelbe Kennzeichen haben, ganz egal wie sie sich am Steuer anstellen.

Bravo Papa, dein Kleiner ist gelehrig. Die schräge Nummern-Nummer sitzt wie verchromt in seinem Hirn. Immer, wenn er ein gelbes Kennzeichen sieht, schüttelt er noch den Kopf und murmelt nur leise „…dreimal… unfassbar…“.

Schönen Sonntag.