SonnTalk: Theos Theater

Von Claudia Eckhoff
Auf sein Theater könnte der 80-jährige Theo nicht verzichten. Er hat sich ein ganz spezielles auf seine Terrasse gezaubert. An seinem Platz am Esstisch sitzt er immer in der ersten Reihe.
Bei jeder Mahlzeit vom Frühstück bis zum Abendbrot heißt es „Vorhang auf!“. Das Bühnenbild besteht aus einer hüft­hohen Natursteinmauer, einigen Pflanzkübeln, einem Beet mit Bäumchen, Kräutern und Blumen. Das Vogelhäuschen im Birke-Look hat einen Dreifuß-Ständer, ein Giebeldach mit Teerpappe und einen von oben befüllbaren „Schornstein“ mit Deckel.
Die Akteure sind fast alle gefiedert und geflügelt: Kohlmeise, Dompfaff, Amsel, Drossel, Grünfink, Kleiber, Stieglitz, Buchfink und Bachstelze treten in schneller Folge auf. Der Specht schaut mal vorbei. Der Eichelhäher wagt sich manchmal heran. Am schönsten ist der kleine Kerl mit der goldenen Brust. Ein Girlitz? Oder eine Goldammer? – Theo kriegt es nicht raus. Es könnte wohl auch ein Gartenrotschwanz sein.
Die absoluten Stars in seinem Theater sind aber hochakrobatische Pelztiere: Drei Eichhörnchen beturnen das Futterhäuschen. Mit Klimmzügen, Handstand-Überschlag und doppeltem Rittberger erreichen sie die Futterplattform und verbeißen alle, die aus der Luft anlanden wollen. Den Futtermechanismus haben sie durchschaut. Notfalls klettern sie aufs Dach und rumpeln am Deckel des Futterzylinders. Der Höhepunkt: Theo hält den Atem an, wenn aus den Ritzen der Gartenmauer auch noch die winzige Feldmaus auftaucht und ihren noch winzigeren Nachwuchs vorsichtig spazieren führt.
Ob er im Vorgarten mit einem Schild Werbung für das Spektakel machen sollte? Man könnte Eintritt nehmen und am Ess­tisch ein paar Stuhlreihen aufbauen. Theater-Direktor Theo denkt drüber nach.
Schönen Sonntag.