Staatsanwaltschaft als Internet-Auktionshaus

Hagen/ Iserlohn. (as) Geht es um Versteigerungen im weltweiten Netz, denken viele zunächst an das große Internet-Auktionshaus mit den vier farbigen Buchstaben. Doch es geht auch anders. Kleiner, feiner, regionaler. Und irgendwie origineller. Eine ganz besondere Erfolgsgeschichte hat die Versteigerungsplattform der deutschen Justiz geschrieben: Zu den Pionieren von www.justiz-auktion.de gehört die auch für Iserlohn und Hemer zuständige Staatsanwaltschaft in Hagen.

„Wir gehörten vor neun Jahren zu den drei Pilot-Behörden“, sagt Frank Liesenhoff. Er ist Justizbeamter und betreut für die heimische Staatsanwaltschaft die Internet-Auktion. Mittlerweile hat die Behörde 4.028 Asservate an den Mann oder die Frau gebracht. Die Auktionen erbrachten die stattliche Summe von 208.726,71 Euro – leider nicht für die hiesige Justizkasse, sondern für den Landeshaushalt.

Zahnbürsten sind der Renner

Unter den elektronischen Hammer kommen Fundstücke, sichergestellte oder beschlagnahmte Gegenstände, die nicht (mehr) als Beweismittel benötigt werden beziehungsweise deren rechtmäßige Eigentümer sich nicht ermitteln ließen. Die Auswahl ist riesig – sie reicht von A wie Abendgarderobe bis Z wie Zahnbürste. „Vor allem die kleinen Aufsteck-Zahnbürstenköpfe tauchen immer wieder auf“, sagt Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, Pressedezernent bei der Staatsanwaltschaft Hagen. „Die werden besonders gern gestohlen.“

„Drei große Positionen“ haben Frank Liesenhoff besonders fasziniert – und im Nachhinein auch eine Menge Experten-Wissen beschert. Jede Menge Schnitzkunst aus dem Erzgebirge durfte der Justizbeamte vor einigen Monaten fotografieren und beschreiben für die Internet-Auktion. Nun macht ihm so schnell niemand mehr etwas vor in Sachen Räuchermännchen und Schwibbögen.

Modeschmuck im Kilo-Sack

Große Mengen Schmuck standen als nächstes an. Hochwertige Gold- und Silber-Ketten, -Ringe, und -Armbänder hat Frank Liesenhoff noch liebevoll einzeln abgebildet. Doch dann blickte er auf wahre Modeschmuck-Massen. Der Beamte entdeckte an sich neue Vermarktungs-Seiten. Anstatt den Modeschmuck einzeln abzufotografieren, hat er ihn einfach im Kilo-Sack angeboten – mit großem Erfolg.
Die dritte große Position hat eine neue Leidenschaft bei Frank Liesenhoff geweckt. Zigtausend Münzen durfte er auf die Auktion vorbereiten. Mittlerweile ist er Fachmann, wenn es um Euro oder schöne alte Goldmünzen geht.

„Die Internet-Auktionen sind ein Erfolgsmodell“, sagt Leitende Oberstaatsanwältin Heike Becher. Für die Kunden: Denn alles, was unter den Hammer kommt, stammt aus Justiz-Beständen. Alle Gegenstände sind auf Herz und Nieren überprüft. Jede Versteigerung und jeder Versand werden genauestens verfolgt. Bei www.justiz-auktion.de wird niemand übers Ohr gehauen.

Keine Waffen, kein Betäubungsmittel

Doch auch für Behörden wie die Staatsanwaltschaft Hagen hat so eine Internet-Auktion Vorteile. „Wir nehmen tatsächlich mehr Geld ein“, sagt Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli. „Früher“, erinnert er sich, „kamen nur eine Handvoll Menschen zur Versteigerung in unser Haus.“ Wenn sich aber nur zwei, drei Bieter für ein Angebot interessieren, bleibt der Preis sehr gering. Nun aber kann im Prinzip die ganze Welt mietbieten, wenn die Hagener Staatsanwaltschaft wie jetzt ein paar Modelllokomotiven an den Mann oder die Frau bringen will.

Natürlich kommt nicht alles aus der Asservatenkammer unter den virtuellen Hammer. „Waffen, Geld und Betäubungsmittel sind tabu“, sagt Dr. Gerhard Pauli und muss lachen. Dafür tut die Staatsanwaltschaft etwas für die Weiterbildung: Wer mag, kann mitbieten, wenn wieder einmal Strafprozessordnung und Strafgesetzbuch auf der Auktions-Liste stehen.