„Storch“ im Anflug auf Hagen

Hagen. (OS) Er ist ein Basketball-Urgestein und in der Bundesliga mit weit über 400 Einsätzen in 20 Jahren Spielzeit sicherlich einer der Erfolgreichsten. Er spielte für Brandt Hagen, die Skyliners Frankfurt (mit denen er Deutscher Meister wurde), Baskets Bonn und Phoenix Hagen. Bei letzterem, seinem Heimatverein, hängt sein Trikot mit der Nr. 15 unter der Hallendecke, die Nummer soll nie wieder vergeben werden…

Die Rede ist von Center Bernd „Storch“ Kruel. Jetzt kehrt der Hagener sportlich – privat wohnt er ohnehin weiterhin hier – nach Hagen zurück! Allerdings nur als Gastspieler. Nach seiner letzten Bundesliga-Saison mit Phoenix im Jahre 2014 heuerte der 2,09-Meter-Mann beim Erst-Regionalisten Rheinstars Köln an, mit dem er am Freitag, 27. Februar 2015, bei der heimischen BG Hagen antritt. In der Eilper Otto-Densch-Halle wird der „Heimkehrer“ sicherlich mit offenen Armen empfangen, ist der Hüne doch nach wie vor sehr beliebt und wäre durchaus auch für die BG ein attraktiver Spieler gewesen.

Köln, der Favorit

Die Rheinstars aus Köln galten vor der Saison als der Top-Favorit um den Aufstieg und befinden sich aktuell auf Platz zwei hinter Münster. Die Kölner müssen darauf hoffen, dass Münster in den verbleibenden fünf Partien mindestens noch einmal strauchelt.

Schaut man auf den Kader der Kölner wird einem schnell klar, warum dieses Team vor der Saison die Favoritenrolle um den Titel zugesprochen bekam. Die spektakulärste Verpflichtung der Kölner braucht wohl keiner näheren Vorstellung und die Hagener freuen sich riesig, den Storch noch einmal in Aktion zu sehen. Mit 12,4 Punkten und 5,4 Rebounds pro Spiel ist Kruel drittbester Scorer und bester Rebounder seines Teams.

Aber nicht nur „Storch“ kam direkt aus der BBL nach Köln, auch Maren Petric (9,6 Punkte pro Spiel) wechselte von der Mosel (TBB Trier) an den Rhein und ruft mittlerweile eine Top-Leistung nach der anderen ab. Top-Scorer der Rheinstars ist mit 17,6 Punkten pro Spiel der US-Guard David Downs, der zur Rückrunde aus der ersten ukrainischen Liga kam. Komplettiert wird die erste Fünf der Kölner vom Litauer Gytis Pakalniskis (12,9 PpG). Doch auch die Bank des Teams von Neu-Coach Johannes Strasser verfügt über eine ideale Mischung von jungen, hungrigen Spielern und erfahrenen, abgezockten Jungs.

Zur ersten Kategorie gehören mit Leon Baeck, Tim van de Velde und Lennart Steffen absolute Top-Nachwuchstalente. Lennard Jördell, Nils Isermann und Stephan Carduck bringen viel Erfahrung, aber auch Energie aufs Parkett. Gerade Isermann ist unheimlich gefährlich und bereitete den BGern bereits im Hinspiel, wo er mit 19 Punkten Top-Scorer war, große Probleme.

Klasse Hinspiel

Sollte die Partie ähnlich wie das Hinspiel laufen, können sich die Zuschauer auf einen echten Leckerbissen freuen. Erst in den Schlusssekunden gelang es den Rheinstars, sich mit 83:79 durchzusetzen. Top-Scorer auf Hagener Seite war Simos Ioakeimidis mit 25 Punkten, über dessen Einsatz jedoch am Freitag ein großes Fragezeichen steht. Eine ausgekugelte Schulter machte seinen Einsatz schon in Düsseldorf unmöglich und erst das heutige MRT wird Aufschluss über den Grad der Verletzung geben können. Dennoch ist man auf Hagener Seite hochmotiviert, denn ein Sieg gegen ein Team aus den TOP-4 fehlt diese Saison noch. Das Ziel, die „TOP 5“, scheint zwar so gut wie sicher zu sein, dennoch ärgerte die 86:87-Niederlage in Düsseldorf das Team sehr und man will die Saison nicht einfach locker ausklingen lassen.

Der Wochenkurier sprach mit dem 38-jährigen Bernd Kruel:

Bernd, erste (sportliche) Rückkehr nach Hagen seit deiner Phoenix-Zeit. Was erwartet dich, was können die Hagener von dir erwarten?

Ich hoffe, dass mich viele Freunde und bekannte Gesichter erwarten. Auch wenn einige eventuell für zwei Stunden der BG Hagen die Daumen drücken. Damit werde ich aber klar kommen. Da ich mein Spiel nicht mehr grundlegend ändern werde oder geändert habe, wird weiterhin mannschaftsdienlicher Basketball (mit ein bisschen mehr Verantwortung im Angriff als zuletzt in Hagen) zu sehen sein.

Du spielst jetzt seit 2014 bei den Kölnern in der 1. Regionalliga-West. Ist es ein sehr großer Leistungsunterschied  zwischen dort und der 1. Bundesliga?

Der Leistungsunterschied ist natürlich vorhanden. Allerdings ist das Niveau für eine Regionalliga schon sehr gut und in der Spitze wahrscheinlich ähnlich wie in der ProB.

Mit deinen ehemaligen Weggefährten Stefan Baeck (Geschäftsführer) und Johannes Strasser (Coach und Marketing) hast du in Köln alte Bekannte vorgefunden. Sind die Kölner bereit für den Weg zurück in die Bundesliga?

Wir versuchen gerade, den Weg an allen Fronten für eine Rückkehr zu ebnen. Das Projekt wird in der Stadt und im Umfeld positiv angenommen. Eine Großstadt wie Köln mit ihrer erfolgreichen Basketball-Vergangenheit gehört früher oder später wieder in die 1. Liga (lieber früher). Stefan Baeck und Johannes Strasser sind zwei Basketball-Verrückte, die mit Herzblut und dem nötigen Know-how ausgestattet sind, um dieses Projekt anzuführen. Das war unter anderem auch mein Grund für diesen Schritt, um mit Gleichgesinnten dieses Projekt anzupacken.

Das Hinspiel gegen die BG Hagen habt ihr nur knapp gewonnen. Wie erwartest du das Rückspiel hier in Hagen?

Die BG ist sehr heimstark und hat viele erfahrene Spieler. Wir müssen deshalb aufpassen. Es wird auf jeden Fall ein interessantes und gutes Spiel. Zudem hoffe ich auf eine volle Halle und eine tolle Atmosphäre.

Kann man mit 38 Jahren überhaupt noch – ohne Probleme – mithalten? Oder werden die Pausen länger? Ein Schnitt von 12,5 Punkten als Center in der 1. Regionalliga ist doch recht ordentlich, oder…?

Wir haben einen sehr ausgeglichenen Kader, einen guten Mix. Niemand bei uns muss regelmäßig 30 und mehr Minuten spielen. Dadurch haben auch alle genügend Verschnaufpausen. Das gleiche gilt beim Scoring. Wir greifen von überall an und wer einen Lauf hat oder frei ist, bekommt den Ball und macht das Beste daraus. Da ich mich immer noch wie 37 fühle, ist das also kein Problem…

Deine Rheinstars stehen mit einem Sieg weniger als der führende UBC Münster auf dem 2. Platz, BG verweilt auf dem 5. Rang. Wo siehst du beide Teams am Saisonende?

Da wir leider das Rückspiel in Münster verloren haben, müssen wir nun jedes Spiel gewinnen und darauf hoffen, dass Münster noch mal schwächelt. Wir wollen natürlich auf dem 1. Platz die Saison beenden. Die BG wird auch im oberen Bereich landen. Da ich nicht alle Spiele und die direkten Duelle kenne, ist es schwer zu sagen, wo genau das sein wird.

Und bei einem Aufstieg? Geht es für dich mit dann 39 Jahren in die ProB?

Bis zum Aufstieg – wenn es denn dazu kommt – ist es noch ein wenig hin. Zurzeit fühle ich mich noch ganz gut und es macht immer noch Spaß. Was aber nächste Saison – sportlich – geschieht, wird man sehen.