Stress im Zug

Das Friedenslicht aus Bethlehem muss für die Gemeinden in Hagen aus Dortmund (Foto) geholt werden. Die Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) verteilen das Licht anschließend in den umliegenden Gemeinden - was in Hagen beinahe misslungen wäre, weil ein Zugführer kein Herz für die Kinder zeigte. (Foto: Pfadfinder)

Hagen. (anna) Was gehört eigentlich zur Adventszeit? Weihnachtsmärkte? Stress? Lichter? Der Wunsch nach Frieden? Eine kleine Delegation von Hagener Elisabeth-Pfadfindern machte sich am 12. Dezember auf den Weg nach Dortmund, um das Friedenslicht aus Bethlehem in ihre Gemeinde zu holen. Das ist ein schöner christlicher Brauch, sind die Pfadfinder doch der Meinung, dass Licht und Frieden einfach zur Adventszeit gehören.

„Das Friedenslicht aus Bethlehem wird in der Vorweihnachtszeit von einem Kind in der Geburtsgrotte Jesu Christi entzündet und per Flugzeug in einer explosionssicheren Lampe nach Wien gebracht“, erklärt Dirk Tigges, Bezirksvorstand Ruhr-Sauerland der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) und Betreuer im Stamm St. Elisabeth Hagen. „Von dort aus wird das Licht nach einem Aussendungsgottesdienst weiter auf den Weg geschickt. Dabei wird es mit der Bahn aus Wien abgeholt und dann in ganz Deutschland verteilt. In vielen Städten finden aus diesem Anlass besondere Andachten und Gottesdienste statt.“

Das Friedenslicht für die Gemeinden in Hagen muss in Dortmund abgeholt werden. Die Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) verteilen das Licht anschließend in den umliegenden Gemeinden.

Vorbereitet mit einer Petroleumlampe, die in einem tiefen Topf – gefüllt mit Sand – stand, wollten auch die Hagener Pfadfinder ihrer Gemeinde den Frieden bringen. „Die Kinder im Alter zwischen 8 und 10 Jahren nahmen voller Stolz das Licht in Dortmund entgegen.“ Mit der „Erleuchtung“ im Gepäck sollte es dann mit der Deutschen Bahn um 17:01 Uhr von Dortmund mit dem Zug Nr. 29025 nach Hagen gehen.

Sinnlos

„Der Zugführer war entsetzt“, berichtet Tigges, „er fürchtete mögliche Brandherde und weigerte sich, die Fahrt fortzusetzen. Andere Pfadfindergruppen in diesem Zug, die das Licht nach Herdecke, Hagen, Lüdenscheid, Siegen und andere Orte bringen wollten, mussten das Friedenslicht löschen. Viele Kinder hatten Tränen in den Augen, denn nun war ihre Fahrt mit all den Anstrengungen und dem Bewahren des Lichts sinnlos geworden.“

Die Betreuer der Pfadfindergruppen suchten das Gespräch mit dem Zugführer und legten ihm die Genehmigung der Deutschen Bahn vor. Sie besteht aus einem Merkblatt, das extra für den Transport von Friedenslichtern herausgegeben wurde. Nach kurzer Rücksprache mit seiner Leitstelle erklärte der Zugführer diese Genehmigung für ungültig und bestand darauf, alle Lichter zu löschen.

13 Regeln

Tatsächlich hat die Deutsche Bundesbahn am 14. Oktober 2008 ein seitenlanges „Merkblatt für Reisende mit Friedenslicht“ mit insgesamt 13 Regeln herausgegeben. Hält man diese Regeln nicht ein, so steht es in der Verordnung, muss das Licht gelöscht werden. „Nun hatten wir uns aber an sämtliche Auflagen gehalten“, erklärt Tigges. „Dennoch mussten wir die Lampe löschen.“

„Wenn man überlegt, welchen Weg das Friedenslicht zurückgelegt hat, …aus der Grotte in Bethlehem über Wien nach Dortmund… und es erlischt im Ruhrgebiet in einem Vorortzug der Deutschen Bahn. Für die vielen Pfadfinderkinder war dieser Vorfall ein richtig trauriges Erlebnis.“

Ein Trost

Aber wie so oft im Leben gab es einen Trost: Eine Lampe übersah der Zugführer! So konnten die kleinen Pfadfinder dennoch das Licht nach Hagen bringen und alles war gut. „Wir würden uns wünschen, dass die Bahn diese Friedensaktion im nächsten Jahr unterstützt und die Zugführer hinreichend informiert werden,“ hofft Tigges auf weniger Stress im nächsten Jahr.