Stromtrasse durch Elsey: Jetzt soll Berlin helfen

Hohenlimburg. (ME) Seit vielen Monaten erhitzt der Plan, durch Hohenlimburg eine neue 380-kv-Stromleitung zu leiten, zahlreiche Gemüter. Bald soll die Planung in eine neue Runde gehen. Gestern hat hierzu erneut ein „runter Tisch“ getagt – allerdings mit „reduzierter Besetzung“. Denn die Bürgerinitiative „Hohenlimburg unter Höchstspannung“ sieht in der Teilnahme keinen Sinn mehr.

Aus guten Gründen hat sich deshalb jetzt die Fraktion der Piraten/Bürger für Hohenlmburg – vertreten durch ihren Geschäftsführer Frank Schmidt – in einem offenen Brief an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin gewandt. Schmidt schreibt unter anderem:

„Wie in vielen Landesteilen, so stellt sich auch in Hohenlimburg die Frage nach einer geeigneten Trasse für eine 380-kv-Stromleitung als Teil der Höchstspannungsfreileitung zwischen Dortmund-Kruckel und Dauersberg in Rheinland-Pfalz. Unsere Wählergemeinschaft ‚Bürger für Hohenlimburg‘ wendet sich heute an das Bundesministerium, weil eine gut 1.000 Personen umfassende Gruppe von Bürgern mit der Entscheidung der Netzbetreibergesellschaft Amprion, die neue 380kv-Leitung auf einer Bestandstrasse errichten zu wollen, nicht einverstanden ist. Diese Trasse, die Amprion der Bezirksregierung Arnsberg zur Genehmigung vorschlagen wird, führt mitten durch den stark bebauten Hohenlimburger Stadtteil Elsey. Rund 1.000 Einwohner sollen nach dieser Entscheidung in Zukunft in direkter Nähe zu einer Höchstspannungsleitung leben, die ohne das Vorhandensein der alten, bereits bestehenden 220kv-Stromtrasse kaum genehmigungsfähig wäre.“

Schmidt bemängelt: „Nicht zur Ausführung kommen soll hingegen der von der Bezirksvertretung Hohenlimburg und dem Hagener Stadtrat vorgeschlagene Bau einer Alternativtrasse im Bereich Hohenlimburg-Reh (Nord). Dies teilte Amprion Ende Januar 2018 im Rahmen einer Pressekonferenz mit.“

Ausschlaggebend für diese Wahl sei, sagte Claas Hammes von Amprion, die notwendige Rechtssicherheit, welche nur die Bestandstrasse bieten könne. Im Fall der Alternativtrasse gebe es – so wird Hammes von Schmidt zitiert – hohe juristische Hürden, die vor allem auf Umweltschutzbelangen basierten.

Schmidt weiter: „Viele Betei­ligte werfen Amprion allerdings vor, von Anfang an auf die Bestandstrasse hingearbeitet zu haben, denn der Bau auf dem bereits vorhandenen Geländekorridor ist für das Unternehmen deutlich billiger.“

Rechtliche Mittel

Laut Schmidt sei überdies davon auszugehen, dass die Bürgerinitiative „Hohenlimburg unter Höchstspannung“ um die selbst betroffene Anwältin Claudia Scholten alle rechtlichen Mittel ausschöpfen werde, um den Höchstspannungs-Leitungsbau durch das Wohngebiet doch noch zu verhindern. Sollte dies nicht gelingen, „so dürfte die Baumaßnahme in circa drei Jahren beginnen“, glaubt Schmidt.

Seit November 2016 hätten 20 Sitzungen eines Runden Tisches und eines vorgeschalteten Arbeitskreises aus Fachleuten und Betroffenen sowie zwei Ortsbegehungen stattgefunden. Doch: „Bereits im Verlauf des Prozesses war für mehr und mehr Teilnehmer klar, dass Amprion die Untersuchung der beiden Trassenvarianten nicht mehr ergebnis­offen führt, sondern die weitaus kostengünstigere Bestandstrasse zur Antragstellung bringen will. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Bürgerinitiativen sehen sich von Amprion als Staffage instrumentalisiert, um ein angeblich sauberes, detailliertes Verfahren nachzuweisen, in dem vermeintlich jeder Stein umgedreht wurde. Dies soll es, so die Annahme der ‚Bürgerinitiative Hohenlimburg unter Höchstspannung‘ so schwer wie möglich machen, die Bestandstrasse vor dem Bundesverwaltungsgericht erfolgreich zu beklagen.“

Erdkabel?

Schmidt macht auch keinen Hehl daraus, dass er die Alternativtrasse mit der Vernichtung von 20 Hektar Wald ebenfalls für keine gute Lösung hält:

„Für Hohenlimburg müsste eine Erdverkabelung geprüft werden, doch das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) sieht dies nur an bundesweit sechs Orten vor, und Hohenlimburg ist hier leider nicht mit im Boot“, schreibt Schmidt weiter. Er bittet die Entscheidungsträger im Berliner Ministerium für Wirtschaft und Energie daher, auch für Hohenlimburg die Prüfung einer Erdkabel-Variante zu ermöglichen.

Letztlich sei eine Erdverkabelung geeignet, die Belange von Mensch und Umwelt am besten zu schützen und darüber hinaus auch Akzeptanz für die 380kv-Leitung und damit für die insgesamt auch von den Hohenlimburgern gewollte Energiewende herzustellen.