„Theater ist mein Leben!“

Bereits im zarten Alter von drei Jahren wusste der heute 73-jährige Kammersänger, was er werden wollte. (Foto: A. Kühle)

Hagen. (Red.) Horst Fiehl wusste bereits als Dreijähriger, der die klassische Musik aus dem Radio liebte, dass er Sänger werden wollte. Er lernte zunächst Geige spielen und hatte mit 15 Jahren die erste Gesangsstunde. Seine Bühnenlaufbahn begann er als 22-jähriger im Chor der Bayerischen Staatsoper. Dort lauschte er von der Seitenbühne so großartigen Sängern wie Hermann Prey und Fritz Wunderlich und beschloss, dass die Zeit für eine eigene solistische Laufbahn gekommen war. Die begann in Würzburg und führte über Koblenz schließlich ans Theater Hagen, dem er nun seit 40 Jahren die Treue hält. Dort feiert der Kammersänger jetzt auch sein 50-jähriges Bühnenjubiläum.

Horst Fiehl hat in Hagen ein äußerst umfangreiches Repertoire gesungen. Seine besondere Liebe gilt den italienischen Komponisten, daher seien hier nur zwei Partien erwähnt, die sich besonders tief ins Gedächtnis seiner Bewunderer gegraben haben: Sein Germont, mit dem er in einer äußerst umstrittenen Inszenierung von „La Traviata“ das Publikum zu Tränen rührte, und sein Rigoletto, der beinahe gar nicht herausgekommen wäre: Zwei Tage vor der geplanten Premiere stellte man fest, dass das Dach des Hagener Theaters akut einsturzgefährdet war, es durften keine Zuschauer mehr das Gebäude betreten. Doch dann wurde eine sehr ungewöhnliche Lösung gefunden: „Rigoletto“ wurde nicht in Hagen, sondern in Leverkusen zur Aufführung gebracht. Das Ensemble spielte in diesem fremden Haus den „Rigoletto“ vor Zuschauern, die eigens mit Bussen von Hagen nach Leverkusen gebracht worden waren – ein Erlebnis, dessen Erwähnung noch heute Beteiligten wie Besuchern ein Leuchten in die Augen zaubert.

Danke für die Blumen: Horst Fiehl feiert sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. (Foto: A. Kühle)

Lebendige Seele

Im Zentrum der Aufführung Horst Fiehl, der der Titelpartie alles verlieh, was Gesangskunst zu transportieren vermag: Seele, Lebendigkeit, Strahlkraft, Bösartigkeit und innigste Liebe. Die Aufführungen waren Sternstunden des Theaters. Fragt man Sängerinnen und Sänger, die einen Teil des Weges mit ihm gegangen sind, fallen schnell Worte, die bezeichnend sind für die prägende Kraft, die Horst Fiehl für das Theater Hagen immer gewesen ist: Seine Professionalität, Gesangskultur und Bühnenpräsenz waren ein Maßstab für das Ensemble. Im Jahr 2000 wurde ihm der Titel Kammersänger verliehen – als erstem Sänger der Stadt Hagen überhaupt!

40 Jahre in Hagen

Horst Fiehl hat Hagen die Treue gehalten und ist weiterhin Teil des Ensembles. Dass er, der auf seinen 73. Geburtstag zusteuert, immer noch dabei ist, wenn neue Produktionen erarbeitet werden, ist ihm immens wichtig. Wenn er sagt, Theater sei sein Leben gewesen, so ist das frei von jeglicher Koketterie – es ist eine Tatsache. Zu Beginn dieses Jahres feierte er ein Jubiläum, das nur wenige Theaterkünstler erreichen: Vor genau fünfzig Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne. Und nicht nur das Theater Hagen gratuliert von Herzen!