Tilo: Depri-Zeitgeist

Die Karibik wird seit einigen Wochen von einem Wirbelsturm nach dem anderen heimgesucht. In Zentralasien leiden die Menschen unter einem der schlimmsten Monsune seit Menschengedenken. In der Toskana hat es neulich einen sintflutartigen Regen gegeben. Und in Deutschland war’s ein ausgesprochen seltsamer Sommer.
Nicht alle, aber einige dieser Wetterkapriolen sind wohl auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen. Davon jedenfalls sind die meisten Wetterforscher weltweit überzeugt.
Aber es gibt etliche Skeptiker. Donald Trump ist einer von ihnen. Insbesondere in vielen rechten Kreisen findet man von dieser Sorte einen Riesenhaufen. Ein solches „Haufen-Mitglied“ ist Tilos früherer „Kumpel“ Bernd. Der Mann hat studiert, ist Ingenieur, aber dann irgendwie vom normalen Weg abgekommen. Seine Lebenspartnerin machte sich aus dem Staub, im Job ging es bergab – und auch seine darauffolgende Selbstständigkeit war nicht sonderlich von Erfolg gekrönt.
Vor einigen Wochen erschien Bernd in der Wk-Redaktion, wetterte und zeterte gegen Gott und Welt. Geplagt von schier unendlichen Verfolgungsängsten machte er Front gegen Wissenschaftler, Klimaforscher, Windkraftanlagen, die Energiewende, gegen die Sexualaufklärung in den Schulen, die Grünen, Muslime, Zuwanderer, Flugzeuge („Chem-Trails“), Merkel, Brüssel, Bürokratie – die hasserfüllte Tirade nahm und nahm kein Ende. Als Tilo keine Lust mehr hatte, ihm weiter das Ohr für dieses Geblubber zu leihen, war die Redaktion „dran“: Wir seien eh allesamt „sch….“. Dann – gottlob – verschwand er.
Schlimm, solche unendlichen Hassgefühle. Damit steht Bernd aber nicht allein. In den westlichen Ländern scheint Hass neuerdings immer mehr zum Zeitgeist zu gehören. Angestiftet von den Trumps dieser Welt werden „Anstand“ und „Respekt“ zunehmend zu Fremdwörtern.
Deprimierend.
Tilo