Tilo: Saurer Fürst

Maximilian Fürst zu Bentheim ist sauer. „Ihro Durchlaucht“, Eigentümer des stolzen Schlosses hoch über dem Lennetal im Hagener Osten, hat schon früher gegen so manchen Volmestädter gewettert. Jetzt hat er wieder einmal den Kaltwalzverein auf dem blaublütigen Kieker.
Ein paar Worte zur Situation. In grauer Vorzeit hatte der Fürst (bzw. sein Vorgänger) zahlreiche Räumlichkeiten an die Stadt Hagen vermietet, die darin ein heimat- und urgeschichtliches Museum unterhielt. Außerdem – so vor rund 35 Jahren – gründete sich ein Verein, der beschloss, die Geschichte des im Nahmertal erfundenen Kaltwalzens zu veranschaulichen. Für sein Museum erhielt der Verein seinerzeit den Alten Palas. Daneben gab es längst den Schlossspiele-Verein mit seinem Sommer-Theater und ein weithin bekanntes Restaurant.
Alles schien gut zu sein. Sicher, der Zahn der Zeit nagte gewaltig am Schloss und an den Museen, doch das wäre irgendwie reparierbar gewesen. Aber Maximilian von Bentheim, damals noch Prinz, schwang plötzlich die große Keule, vertrieb die Stadt aus dem Gemäuer und gründete eine gemeinnützige Gesellschaft – mit im Boot: die Schlossspiele-Leute und die Kaltwalzer. Außerdem gelang es, von diversen Stiftungen viel Geld für Sanierungen und dergleichen zu bekommen.
Als der Prinz vor etlichen Monden zum Fürsten aufstieg, verteilte er bald die nächsten Fehdehandschuhe. Inzwischen sind viele Volmestädter so vergrätzt, dass halb Hagen einen Bogen um das Schloss macht. Unter den Vergraulten sind mittlerweile auch die Kaltwalzer – sie haben inzwischen sogar angefangen, ihren Museumskram unter den Arm zu nehmen und ins Freilichtmuseum zu transportieren. Der Gesprächsfaden zwischen Verein und Fürst ist derart zerrissen, dass sich Juristen auf beiden Seiten schon auf formidable Aufträge freuen durften.
Nun fordert der Fürst die Kaltwalzer und ihren zugehörigen Förderkreis auf, „sich wenigstens an übliche Gepflogenheiten anlässlich des Endes einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit zu halten: Wir wurden weder über den Beginn des Auszuges noch über dessen voraussichtliches Ende informiert. Noch immer befinden sich einige Exponate im Alten Palas, und einen Termin zur Schlüsselübergabe gibt es auch noch nicht. Wir fordern den Förderkreis daher auf, den Alten Palas zügig zu räumen, damit wir ihn – auch im Sinne der Schlossbesucher – möglichst schnell neu bestücken und in die regulären Schlossführungen einbeziehen können.“
Jetzt sind wir aber alle sehr gespannt, was künftig im Alten Palas zu sehen sein wird. Immerhin ist – laut Fürst – ein renommiertes Beratungsunternehmen am Start, das ein neues Schloss-Konzept erarbeiten soll. Darauf sind wir erst recht gespannt.Tilo