Tipps von Reisemedizinern

Hagen. (Red.) Als „Reiseweltmeister“ sollten die Deutschen eigentlich wissen, wie man sich optimal auf den Urlaub vorbereitet. Doch in der Praxis sehen die Dinge anders aus, zumindest wenn es um die Gesundheit geht. Da werden Reiseimpfungen gar nicht oder erst „last minute“ durchgeführt, begonnene Impfzyklen nicht abgeschlossen, Impfauffrischungen vergessen. Einer Ansteckung mit Hepatitis- und zunehmend auch Masern-Viren sind Reisende zum Teil schutzlos ausgeliefert. Wie man sich vor diesen und anderen Reisekrankheiten schützen kann, darüber informierten erfahrene Reisemediziner am Lesertelefon. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ich fahre zur Fußball-WM nach Brasilien. Welche Ansteckungsrisiken bestehen dort?

Prof. Dr. Thomas Küpper (Facharzt für Sport- und Arbeitsmedizin, Zusatzqualifikation für reisemedizinische Gesundheitsberatung, Uni-Klinikum Aachen): Ein Malariarisiko besteht hauptsächlich im Amazonasgebiet, die Gefahr von Dengue-Fieber im ganzen Land. Achten Sie also auf einen wirksamen Mückenschutz. Wichtig ist der Impfschutz gegen Diphtherie/Tetanus, Hepatitis A und B, sowie Gelbfieber. Und gegen Masern! Brasilien galt seit 2000 als masernfrei, aber pünktlich zur WM verbreitet sich das Virus erneut.

Ich habe gelesen, dass man sich eine Hepatitis A schon beim Essen im Restaurant einfangen kann …

PD Dr. Karl-Heinz Herbinger (Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, Ludwig-Maximilians-Uni München): Richtig. Verunreinigte Speisen und Getränke sind für Hepatitis A die Infektionsquellen schlechthin. Vor allem beim Verzehr von ungeschältem Obst, ungekochtem Gemüse, Fisch und Meeresfrüchten sowie bei Eiswürfeln in Kaltgetränken besteht Ansteckungsgefahr. Selbst getrocknete Tomaten oder tiefgefrorene Beeren können ein Risiko darstellen, wie Fälle in jüngerer Zeit gezeigt haben.

Worin besteht der Unterschied zwischen einer Hepatitis A, B und C?

Dr. Herbinger: Grundsätzlich lösen alle Hepatitis-Viren eine Entzündung der Leber aus. Eine Hepatitis vom Typ A heilt normalerweise vollständig aus, bei Vorschädigungen der Leber oder bei Risikogruppen wie älteren Menschen oder Schwangeren kann es aber zu schweren Verläufen kommen. Bei einer Infektion mit Hepatitis B oder C, die beide über den Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten übertragen werden, kann es hingegen zu einem chronischen Verlauf kommen. Mögliche Folgen sind ein Leberversagen durch eine Zirrhose oder das Entstehen von Leberkrebs. Ein ganz wichtiger Unterschied liegt in der Möglichkeit der Vorbeugung: Gegen Hepatitis A und B hilft eine Schutzimpfung, gegen Typ C nur Maßnahmen, um den Kontakt mit dem Virus zu vermeiden.

Welche Impfungen empfehlen Sie grundsätzlich für Reisen nach Südeuropa?

Dr. Herbinger: Zunächst einmal einen kompletten Impfschutz nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Häufig fehlen Erwachsenen die notwendigen Auffrischimpfungen und sie sind dann nicht geschützt. Nur ein vollständiger Impfzyklus schützt wirklich! Besonderes Augenmerk gilt bei Reisen nach Südeuropa auch der Hepatitis-A-Impfung. Alle Länder im Mittelmeerraum gelten als Risikogebiete für eine Infektion mit Hepatitis-A-Viren. Auch in Südeuropa haben in den letzten Jahren die Masernfälle zugenommen, weshalb eine Impfung empfohlen wird – besonders Menschen, die nach 1970 geboren sind.

Wir nehmen im Sommer unseren vierjährigen Sohn zum ersten Mal mit in die Türkei. Worauf müssen wir achten?

Dr. Burkhard Rieke (Facharzt für Innere Medizin, Gelbfieberimpfstelle des Landes NRW): Ihr Sohn sollte ohnehin einen kompletten Impfschutz nach den Empfehlungen der STIKO aufweisen. Dann ist der Masernimpfschutz inklusive, der in der Türkei besonders wichtig ist. Mit einer Zahl von 7.100 Masernfällen ist die Türkei 2013 in die Negativschlagzeilen geraten. Außerdem ist in der Türkei ein Impfschutz gegen Hepatitis A empfehlenswert.

Ich reise mit meinen Kindern nach Thailand und habe gehört, dass dort je nach Region ein Malaria-Risiko besteht. Wie bereite ich mich am besten vor?

Dr. Rieke: In Thailand besteht ein ganzjähriges Malaria-Risiko, allerdings je nach Region sehr unterschiedlich ausgeprägt. Informieren Sie sich zum Beispiel auf den Internetseiten www.fit-for-travel.de oder www.reisemed-experten.de über die regionalen Empfehlungen. Unterschiedliche Medikamente stehen zur Behandlung der Malaria zur Verfügung – auch für kleinere Kinder. Und: Ein effektiver Mückenschutz ist in Thailand auch tagsüber wichtig, weil von dort die meisten Fälle von Dengue-Fieber nach Deutschland eingeschleppt werden.

Mein Impfpass ist nicht auffindbar. Wie stelle ich fest, welchen Impfschutz ich habe?

Dr. Rieke: Der Arzt, der die Impfungen verabreicht hat, muss den Nachweis darüber zehn Jahre lang aufbewahren. Liegt die Impfung länger zurück oder ist der Nachweis aus anderen Gründen nicht möglich, werden nicht dokumentierte Impfungen als nicht erfolgt gewertet. Dann muss der altersentsprechende Impfschutz neu durchgeführt werden. Ein Tipp: Fotografieren Sie Ihren Impfpass und mailen Sie sich das Bild selbst zu. Dann haben Sie von überall Zugriff auf Ihren Impfstatus.

Welche Maßnahmen sind bei Last-Minute-Reisen überhaupt noch möglich?

Prof. Küpper: Auffrisch-Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten und Hepatitis A können noch am Abreisetag durchgeführt werden. Erstimpfungen gegen Gelbfieber, Hepatitis A, Typhus oder Meningokokken-Meningitis brauchen etwa zehn Tage, bis sie ihren vollständigen Wirkschutz aufgebaut haben. Andere Impfungen vertragen sich nicht mit Last-minute-Reiseplänen, zum Beispiel gegen Hepatitis B oder die Kombination von Hepatitis A und B sowie die Impfungen gegen Japanische Enzephalitis und Tollwut.

Muss ich die Kosten für Reiseimpfungen selbst tragen?

Dr. Rieke: Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten als freiwillige Leistung – einige tun das nicht oder Sie müssen eine Zuzahlung leisten. Um auf „Nummer Sicher“ zu gehen, erkundigen Sie sich am besten direkt bei Ihrer Krankenversicherung.