U3-Betreuung: Emsiges Treiben

Hagen. (san) Nicht mehr allzu viel Zeit verbleibt den Kommunen bis zum Sommer 2013. Denn ab dem 1. August greift der elterliche Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre unter dreijährigen Sprößlinge. Auch in Hagen, wo wie vielerorts eine 30 prozentige Versorgung angestrebt wird, müssen sich die Planer sputen. Damit nicht am Bedarf vorbei geplant wird, haben die rund 4000 Familien mit einem oder mehreren unter Dreijährigen in der Volmestadt bereits Fragebögen zugesandt bekommen.

Wo jetzt die “großen“ Kinder und ihre Erzieher noch auf der Wiese stehen, gibt es bald eine neue Turnhalle für das Kinderhaus Martinstraße. In die ehemalige Turnhalle sind bereits die ersten U3-Kinder eingezogen. Seit einer Woche schon rollt der Bagger. (Foto: Schievelbusch)

Bis 11. Mai 2012

Darin sollen sie mit freundlicher Aufforderung des Oberbürgermeisters mitteilen, wie ihnen die Betreuung am liebsten wäre. Ob in der Kita oder besser bei einer Tagesmutter, ob von montags bis sonntags oder nur bestimmte Stunden an verschiedenen Tagen, mit Mittags- oder gar Ferienbetreuung, in wie vielen Minuten von zu Hause erreichbar, wenn denn überhaupt betreut werden soll. Bis kommenden Freitag, 11. Mai 2012, sollten die Formulare ausgefüllt zurück ans Rathaus gehen, damit der tatsächliche Bedarf der Hagener Eltern zeitgerecht ermittelt werden kann. Bisher gab es einen Rücklauf von gut 20 Prozent. Etliche Angeschriebene sollten im Interesse ihrer Kinder also noch flugs Fragebogen und Stift in die Hand nehmen!

Die Abfrage erfolgt anonym und ist selbstverständlich keine Voranmeldung für eine Betreuungsform. Die wissenschaftliche Erhebung erfolgt durch das Deutsche Jugendinstitut in Weimar, welches im Forschungsverbund mit München, Dortmund und Münster agiert. Für diese Fragebogen-Aktion nimmt die Stadt Hagen Bundesfördergelder in Anspruch.

Tagesmutter gleichrangig

Dass die Eltern zwischen einer Tagesstätte und einer Tagesmutter, letztere im Fachjargon ’Kindertagespflege’ nur den wenigsten geläufig, wählen können, wird durch diesen Brief erst deutlich. Beide Betreuungsformen sind heute bei gleichen Kosten für die Eltern auch fachlich gleichrangig, qualifiziert und zuverlässig. „Eine Tagesmutter bietet vor allem für unter Dreijährige einen familiären, überschaubaren und dabei auch zeitlich flexiblen Rahmen,“ macht David Kubitzek vom Fachbereich Jugend und Soziales Werbung für das Alternativmodell zur klassischen Kita. Rund 50 der insgesamt 160 Tagesmütter stehen hier bereits parat, um die Kleinsten kompetent zu versorgen. Immerhin können Eltern ihre Kinder ab einem Alter von vier Monaten betreuen lassen.

Für Bedarf umgebaut

Aber: „Wir wollen möglichst alle Eltern zufrieden stellen,“ so Kubitzek. Wenn also mehr Plätze in den Kindertagesstätten angefragt werden, muss auch hier gehandelt werden. Daher wird in so einigen Kindergarteneinrichtungen gerade fleißig an- uns ausgebaut. Genau 100 Kindergärten und Kindertagesstätten gibt es in der Stadt, natürlich nicht alle in städtischer Trägerschaft. Lediglich vier von ihnen werden auch zukünftig keine Betreuung für unter dreijährige Kinder anbieten, weil die bautechnischen und räumlichen Möglichkeiten nicht gegeben sind. In allen anderen Einrichtungen ist entweder bereits schon umgebaut worden, spätestens in den Sommerferien werden weitere größere Baumaßnahmen in Angriff genommen. So beispielsweise bei der katholischen Gemeinde in Hohenlimburg im Weinhof oder am Kronocken, oder in Bälde in Eckesey an der Schillerstraße. Mal brauchen nur Wände heraus genommen zu werden, mal eine zweite Etage bezogen oder gar ganze Neubauten hinzugefügt werden. Im Kinderhaus Martinstraße in Haspe beispielsweise ist in der vergangenen Woche der Bagger angerückt. Auf der großen Wiese neben dem Sandkasten wird spätestens im Oktober eine neue Turnhalle stehen, denn in der alten sind bereits die ersten zehn von später bis zu 16 möglichen U3-Kinder eingezogen. Aber auch an diesen bestehenden Raum wird es noch einen Anbau für einen eigenen Wasch- und Schlafraum geben.

Investitionen

Nicht nur für die räumliche Umgestaltung muss Geld vorhanden sein. Auch die Fachkräfte gilt es zusätzlich am Start zu haben. Kleinkindergruppen mit vorgeschriebener Höchstanzahl bedürfen einer gesonderten Erzieherin. Das heißt für alle Einrichtungen mindestens eine weitere Stelle einzurichten, oft aber auch mehrere. „Natürlich rechnen wir hier mit den angekündigten weiteren Fördergeldern von Land und Bund, schließlich erzwingen diese ja quasi auch die Umsetzung des U3-Rechtsanspuchs,“ verweist David Kubitzek auf die Situation der Nothaushalte nicht nur in Hagen.

Eltern, denen wirklich an einer qualitativen und maßgeschneiderten U3-Betreuung für ihre Kinder gelegen ist, tun gut daran, sich an der Abfrage zu beteiligen, sofern nicht bereits geschehen. Denn nur wenn die Verantwortlichen wissen, was gewünscht ist, können sie mit ihrem engen finanziellen Spielraum für das Nötige sorgen.