Ulrich Beutel kämpft gegen den Rundfunkbeitrag

Hagen. (ME) Ulrich Beutel erinnert ein bisschen an Don Quijote. Der Spanier rannte bekanntlich im 17. Jahrhundert gegen Windmühlenflügel an. Der Ritter auf dem Pferd Rosinante wurde dadurch zum Symbol für einen schlussendlich nicht zu gewinnenden Kampf. Der Hagener Ulrich Beutel bekämpft die Rundfunknutzungsgebühr – diesen Kampf wird er aller Voraussicht nach auch nicht gewinnen. Trotz alledem sucht er jetzt Mitstreiter.

Kein Radio, TV oder Computer

Ulrich Beutel führt ein Leben, wie es sich mindestens 98 Prozent aller Hagener kaum vorstellen können. Der 64-Jährige besitzt keinen Fernseher, kein Radio, keinen Computer und auch kein Smartphone. Lediglich ein altes Nokia-Telefon dient ihm als „Schnittstelle zur Außenwelt“ – denn ab und zu muss er dienstlich erreichbar sein, „sonst besäße ich wahrscheinlich auch dieses Handy nicht“.

In dieses Leben ohne „Bild und Ton“ hat sich Ulrich Beutel gut eingerichtet. Der studierte Physiker liest am liebsten Fachbücher und Zeitschriften, beschäftigt sich mit allerlei Studien und musiziert gern. Oft sitzt er nach Feierabend noch in Bibliotheken oder Archiven und kann deshalb über Langeweile wahrlich nicht klagen. „Den Fernseher vermisse ich überhaupt nicht – im Gegenteil: Ich bin froh, keinen zu besitzen, er stiehlt nur Lebenszeit,“ sagt Beutel und weiß, dass er mit dieser Einstellung so eine Art „Fossil“ ist, also jemand, der wie ein Mensch aus einem vergangenen Jahrhundert wirkt.

Jeder Haushalt

Dennoch soll er den Rundfunkbeitrag bezahlen. Was er aber nicht akzeptieren will. Früher gab es bekanntlich die GEZ – die Gebühreneinzugszentrale. Sie überprüfte, was jeder Haushalt zu zahlen hatte. Berechnet wurde die Summe unter anderem nach der Anzahl der vorhandenen Geräte. Weil dies immer komplizierter und undurchsichtiger wurde, haben die Bundesländer vor einigen Monaten das System geändert. Seitdem wird schlichtweg JEDER Haushalt zur Zahlung verdonnert – egal, wie viele Menschen darin leben und wie viele Geräte vorhanden sind. 17,98 Euro kostet dieser „Spaß“ derzeit monatlich. „Viel Geld für etwas, das man nicht will,“ bemängelt Ulrich Beutel, „und für das man nicht einmal ein Empfangsgerät besitzt.“

Genau da liegt für den 64-Jährigen der Hase im Pfeffer. „Ich beziehe keinerlei Leistung – muss folglich für ’nichts“ rund 216 Euro im Jahr an den Nachfolgebetrieb der GEZ überweisen. Und das sehe ich nicht ein.“ Stattdessen sieht er in der Vorgehensweise des Staates eindeutig ein „Unrecht“ und stuft sie „als offenen Grundsatzbruch“ ein. Denn hier werde gegen den Grundsatz verstoßen, „dass ich nur für etwas bezahlen muss, was ich auch bekommen habe“. Beutel weiß, dass dies bei Steuern anders gehandhabt wird – „aber,“ so hat er sich schlau gemacht, „die Rundfunkabgabe ist keine Steuer“.

„Das kann’s doch gar nicht geben“

Inzwischen füllen die Briefwechsel mit Behörden, Sendern und Politikern einen ganzen Ordner. Und immer wieder ist er gezwungen, seine Argumente zu wiederholen: „Ich sehe nicht fern und höre kein Radio. Ich habe auch keinen Computer oder ähnliche Geräte, mit denen ich dergleichen empfangen könnte. Nicht einmal über einen Radiowecker verfüge ich. Dennoch soll ich den Rundfunkbeitrag bezahlen – das kann’s doch gar nicht geben! Das Geld, das ich hier zwangsverschenken soll, habe ich meinerseits keineswegs geschenkt bekommen. Ich musste vielmehr meinem Arbeitgeber dafür eine genau nach seinen Anforderungen ausgeführte Gegenleistung erbringen. Ich verdiene mein Geld im harten Akkord – was wahrlich kein leicht verdientes Geld ist.“

Zuletzt ist er sogar bei einer Landtagsabgeordneten gelandet, die im NRW-Petitionsausschuss sitzt. Aber auch bei dieser Politikerin stieß er auf taube Ohren. Nun hofft er, dass sich deutsche Gerichte der Sache annehmen und klären, „ob die Zwangsabgabe rechtens ist“. Einstweilen würde er aber gerne wissen, ob es im Raum Hagen ähnliche Menschen wie ihn gibt – also noch Leute, die selten oder nie „in die Glotze starren“ – und die mit ihm in Kontakt treten möchten. Beutels altes Nokia hat die Nummer 0162- 5811236.