Verbrecherjagd per Twitter

Hagen. (th) Kriminalität im Internet stellt unsere Gesetzeshüter vor eine große Herausforderung. Sie betrifft viele Bereiche der Verbrechensbekämpfung, kennt keine nationalen Grenzen und Täter können ihre Identität leicht verbergen. Wir sprachen mit Polizeihauptkommissar Tino Schäfer über die verschiedenen Facetten der Internetkriminalität und über Chancen der Polizeiarbeit in sozialen Medien.

Dunkelziffer vermutlich hoch

Von scheinbar harmlosen Beleidigungen zwischen Jugendlichen bis hin zu Betrugsdelikten in ganz großem Stil… – so viele Vorteile das Internet bietet, so viel Raum enthält es auch für eine Vielzahl von Verbrechen. Die reine Computerkriminalität hat sich in Hagen von 2012 bis 2014 fast verdoppelt, von 262 auf 505 Delikte – und diese Zahl bildet aufgrund einer hohen Dunkelziffer vermutlich nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kriminalität in diesem Sektor ab.

Die Verbrechen im Internet betreffen verschiedene Bereiche der Polizeiarbeit, teilweise auch mehrere auf einmal. Die meisten Delikte sind Betrügereien, beispielsweise durch den Einsatz von Schadsoftware wie Trojaner. Die Täter können durch den Einsatz von Servern im Ausland dabei quasi problemlos ihre Identität verschlüsseln und Ermittlungen sind nahezu aussichtslos.

Unbewusster Daten-Umgang

Auch im Bereich der Jugendkriminalität spielt das Internet eine wichtige Rolle. Soziale Netzwerke, allen voran Facebook, sind mittlerweile fester Bestandteil der Lebenswelt von Jugendlichen. Via Smartphone besteht ständiger Zugriff auf die entsprechenden Anwendungen; Kommunikation läuft zu großen Teilen über diesen Weg ab. Viele Nutzer gehen dabei allzu sorglos mit ihren Daten um. Nichts ist mehr privat, alles wird preisgegeben.

Dass die Daten dabei nicht unbedingt sicher sind und auch von vermeintlichen Freunden missbraucht werden können, ist vielen Jugendlichen scheinbar gar nicht bewusst. Egal ob private Bilder oder persönliche Informationen – sind die Daten erst einmal im Umlauf, ist es beinahe unmöglich, sie wieder vollständig zu entfernen. Stattdessen können Inhalte im Internet schnell sehr hohe Reichweiten entwickeln – auch über den eigenen Freundeskreis hinaus.

Polizeihauptkommissar Tino Schäfer, Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Hagen, stand dem Wochenkurier Rede und Antwort (Foto: Polizei Hagen)
Polizeihauptkommissar Tino Schäfer, Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Hagen, stand dem Wochenkurier Rede und Antwort (Foto: Polizei Hagen)

Schnell außer Kontrolle

Beleidigungen und Mobbing können in den sozialen Medien schnell außer Kontrolle geraten. Die Hemmschwelle für böse Worte ist bei virtuellen Kommentaren mitunter niedriger als bei persönlichen Gesprächen. Diese Worte sind dann jedoch für eine größere Öffentlichkeit sichtbar und rufen wiederum andere Kommentare hervor. Sogenannte „Shitstorms“ können eine große Belastung für die Opfer sein.

Aber auch für die Täter können sich schwerwiegende Konsequenzen ergeben. Das Strafgesetzbuch gilt im Internet genauso wie im „echten Leben“. Im Vergleich zur Gesamtzahl aller Verbrechen machen die Delikte im Bereich der sozialen Medien zwar nur einen geringen Teil aus, doch auch hier ist die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch.

Chancen für die Polizeiarbeit

Die einzige Chance zur erfolgreichen Bekämpfung der Internetkriminalität besteht in der Prävention. Genau hier ergeben sich durch Internet und soziale Medien auch neue Möglichkeiten für die Behörden. Seit mittlerweile 16 Monaten nutzt die Polizei Hagen Facebook und seit Anfang dieses Jahres auch Twitter. Damit können hauptsächlich Jugendliche erreicht werden. So kann auch dort über die potentiellen Gefahren des Internets aufgeklärt werden. Kürzlich veröffentlichte die Polizei Hagen auf ihrer Facebook-Seite beispielsweise den Tipp, die eigene Freundesliste vor anderen Nutzern zu verbergen, um sich vor Betrügern zu schützen.

Außerdem können soziale Netzwerke bei Fahndungen und Ermittlungen helfen, Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege können dort betrieben werden und die Polizei kann wichtige Informationen transportieren. Bislang hat die Polizei in Hagen jedenfalls „durchweg positive Erfahrungen“ gemacht, so Tino Schäfer.