Vermieter verübte Selbstjustiz

Weinend steht der 32-jährige Andreas Wachauf vor dem beschädigtem Mobiliar seiner einst gemütlichen Wohnung. Der Vermieter hatte auf eigene Faust die Wohnung leer geräumt und alles im Container entsorgt. (Foto Anna Linne)

Hagen. (anna) Er lebte lange von Hartz IV und hatte gerade endlich einen Job ergattert: Dann geschah das Unfassbare. Der 32-jährige Andreas Wachauf, der sich nach der Trennung von der Mutter seiner beiden Kinder endlich wieder ein eigenes Leben aufbauen konnte, steht völlig mittellos und ohne Wohnung da.

Seit vier Jahren wohnt der junge Vater in der Boeler Straße, nur drei Häuser von seinen beiden Söhnen entfernt. Auch zu der Mutter hat er immer noch ein gutes Verhältnis und die Kinder besuchen ihn oft, sagt er.

Seit Januar steht der 32-Jährige wieder in Lohn und Brot bei einer Firma in Schwerte. Dennoch konnte er am 1. Februar 2013 zum ersten Mal in den vier Jahren die Miete nicht bezahlen, weil er sein Gehalt noch nicht bekommen hatte. Als er dann endlich eine ordentliche Summe ausgezahlt bekam, blieb er Samstag und Sonntag, 23. und 24. Februar, bei einem Freund in Schwerte, um ein bisschen zu feiern.

Jemand…

An diesem Wochenende beobachteten die Söhne von draußen, dass jemand in Papas Wohnung sei und teilten das ihrer Mutter mit. Die rief sofort Andreas Wachauf per Handy an, der jedoch den Aussagen seiner Ex-Freundin keinen Glauben schenkte. Wer sollte schon in seiner Wohnung sein?

Dann erreichte ihn ein erneuter Anruf am Sonntag: Die Kinder hatten beobachtet, dass jemand in Papas Wohnung die Wände streicht…

Und tatsächlich, als Andreas Wachauf am späten Sonntag in seine Wohnung zurückkehrt, traut er seinen Augen nicht. Seine Möbel waren komplett verwüstet und übereinander gestapelt. Nichts stand mehr an seinem Platz. Alles, was in den Schränken war, oder herumgelegen hatte, war verschwunden, entsorgt im Container. Dafür waren die Wände neu gestrichen.

Andreas Wachauf steht vor den Scherben seines bisherigen Lebens. Er besitzt nur noch das, was er auf dem Leibe trägt. Sein Vermieter räumte heimlich die Wohnung leer und entsorgte alles, was dem 32-Jährigen wichtig war. (Foto: Anna Linne)

Das Grauen…

Persönliche Papiere, der Gesellenbrief, Geburtsurkunde, Fotos, wichtige Behördenpost, persönliche Briefe, alles, was einen Menschen ausmacht, war weg, die Kleiderschränke leer. „Ich besitze nur noch das, was ich am Leibe trage“, erzählt Andreas Wachauf unter Tränen. „Die Spielzeuge meiner Kinder, darunter eine nagelneue Lego-Eisenbahn und Steine im Wert von bestimmt 500 Euro hat der Vermieter in den Müll geschmissen.“ Von der Kinderkleidung blieb nur noch ein Söckchen in der Wohnung zurück, Bettzeug und Wäsche gab es nicht mehr. „Es war das Grauen für mich“, berichtet der Heimatlose, der jetzt, am Sonntagabend dringend einen Schlafplatz suchen musste.

Am Montag rief Andreas Wachauf dann die Polizei, denn zwischenzeitlich hatte der Vermieter auch noch ein neues Wohnungstürschloss einbauen lassen. Mit Hilfe der Beamten bekam der 32-Jährige dann den neuen Schlüssel ausgehändigt, denn immer noch war es ja seine Wohnung. Die Polizeibeamten zeigten sich äußerst einfühlsam und verständnisvoll und hielten den jungen Mann in seiner Verzweiflung davon ab, den Vermieter zu attackieren. Der kann sich jetzt mit einer Anzeige wegen Diebstahl und Sachbeschädigung etc. auseinandersetzen.

Wachaufs Anwalt hat die unbewohnbare Wohnung nun gekündigt. Ein Verfahren wird klären, welche Ansprüche der Geschädigte an den Vermieter stellen kann. Jetzt braucht Andreas Wachauf erst einmal eine neue Wohnung, ein paar Möbel und vor allem Kleidung.

Vermieter M. soll gegenüber der Polizei gesagt haben, dass er nur Schrott entsorgte. Er sei sich keiner Schuld bewusst.