Viele Kinder einer Welt

Hagen. (as) Zugegeben, zu Beginn hatte Dr. Sirkka Stoor Bauchschmerzen. Jedenfalls im übertragenen Sinn. Sie zweifelte. Kann das klappen? Ist es möglich, mit gut 50 Grundschulkindern, deren familiäre Wurzeln in beinahe ebenso vielen Ländern stecken, ein finnisches Trollabenteuer einzustudieren? Die Kulissen für die Bühne zu malen? Und das Ganze im festlichen Rahmen zur Eröffnung der Finnlandtage in der Stadtbücherei aufzuführen?

Jetzt kann Dr. Sirkka Stoor aufatmen. Es klappte. Und wie. Mit ihrer Begeisterung, ihrer Neugier und dem unbändigen Wunsch, etwas Neues zu lernen, haben die Kinder der Goldbergschule die Wirtschaftswissenschaftlerin und Vorsitzende der Deutsch-Finnischen Gesellschaft (DFG) Hagen einfach mitgerissen. Sie hat die Kinder aus vieler Damen und Herren Länder, das Lehrpersonal und die Schule nicht nur kennen gelernt, sondern fest ins Herz geschlossen.

Als sie kürzlich noch einmal in die Schule ging, um den Klassen Bücher der finnland-schwedischen Autorin Tove Jansson zu schenken, war das auch eine kleine Liebeserklärung. „Diese Kinder sind so begeisterungsfähig, wissbegierig und hilfsbereit“, schwärmt Dr. Sirkka Stoor noch immer. Am meisten imponiert ihr, dass unterschiedliche nationale Hintergründe für die Kinder völlig unwichtig sind. Sie sprechen Deutsch, lachen über die gleichen Witze und büffeln im Rechenunterricht das gleiche Einmaleins. Sie kommen aus Russland und der Ukraine, sind kleine Kurden, Türken, Griechen, Deutsche, Italiener und, und, und. Im Land ihrer Mütter und Väter würden sich einige Kinder womöglich die Nase blutig schlagen. Hier aber laufen sie Hand in Hand über den Schulhof. Sie sind Hagener Kinder. Kinder einer Welt.

Viele Interessen

Diese Frau hat viele Interessen: Dr. Sirkka Stoor ist Wirtschaftswissenschaftlerin im Ruhestand und Streiterin für Kinderrechte. Sie engagiert sich bei der Caritas in der Sterbebegleitung und ist eines der Gesichter der Deutsch-Finnischen Gesellschaft (DFG) Hagen. Als sie die finnischen Tage in der Stadtbücherei Hagen vorbereitete, wurde sie auch noch zur Trollabenteuer-Autorin, Handpuppenstrickerin und Figurentheaterregisseurin. Denn zur Eröffnung der Finnlandtage hat die in Finnland geborene Hagenerin einen Mumin-Comic der finnland-schwedischen Künstlerin Tove Jansson in eine Geschichte für eine selbstgebaute kleine Bühne verwandelt. Gespielt wurde das Handpuppen-Stück von Kindern der Goldberggrundschule in Oberhagen.

Die älteren Kinder der Goldbergschule wurden zu Kulissenmalern, Handpuppenspielern und Erzählern. Für die kleinen Kinder hatten die Lehrerinnen andere Aufgaben vorgesehen. Sie erstellten Collagen rund um die Mumins. Sie lernten ein finnisches Lied. Und sie stellten dem Publikum die einzelnen Mumin-Figuren vor. „Das war eine Herausforderung“, sagt Dr. Sirkka Stoor. „Die Kinder haben gerade erst Lesen gelernt.“ Eine finnische Künstlerin hatte die Kinder in der Schule besucht, um mit ihnen Collagen und Kulissen zu erarbeiten. „Sie war erst skeptisch, ob es möglich ist, mit so kleinen Kindern zusammenzuarbeiten“, sagt die Vorsitzende der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Hagen. Dann schmunzelt sie: „Anschließend war sie restlos begeistert.“

Neugier auf neue Finnlandtage

Die Finnlandtage in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei liegen nun schon ein paar Wochen zurück. Den Organisatoren ist es gelungen, den Hagenern die finnische Kultur ein wenig näher zu bringen. Die Tanzkultur beispielsweise. So drehten sich an einem Abend mit Tanzlehrer knapp 30 Paare beim finnischen Tango übers Parkett der Stadtbücherei.

Die Finnlandtage vorzubereiten, bedeutete viel Arbeit für Dr. Sirkka Stoor und ihr Vorbereitungsteam. Da blieb kaum Zeit für etwas Anderes. Doch kaum waren die Finnlandtage gelaufen, wurde die Hagenerin gefragt, wann denn bitteschön die nächsten finnischen Tage folgen. Dr. Sirkka Stoor zuckt mit den Schultern. Sie denkt zurück an die glücklichen Momente. „Wenn ich wieder mit Kindern wie denen von der Goldbergschule zusammenarbeiten kann, kann ich kaum Nein sagen“, sagt sie. Das ist ein Wort…