Vier neue „Blitzer“ in Hagen

Für die einen ein Segen, für die anderen ein Fluch: der Starenkasten. Vier neue „Blitzkisten“ sollen in den nächsten Wochen in Betrieb genommen werden, so dass sich die Zahl der stationären Anlagen im Hagener Stadtgebiet auf insgesamt 31 erhöht. Der wochenkurier hat einige Standorte kritisch unter die Lupe genommen. (Foto: Nicole Stember)

Hagen. (nic) Kaum etwas spaltet die Gemüter so sehr wie die „Starenkästen“. Die einen empfinden sie als Segen – Anwohner in Tempo-30-Zonen wissen oft den Nutzen der Blitzer zu schätzen, da sie die Kinder (hoffentlich) vor Rasern schützen. Die anderen hassen sie regelrecht und unterstellen der Stadt Hagen reine „Abzocke“ zur Füllung des leeren „Stadtsäckels“. Zumal auch Oberbürgermeister Jörg Dehm unlängst durchblicken ließ, dass man die Einnahmen aus den Blitzkästen dringend benötigt.

In der Tat spülten die Geschwindigkeitsmessungen (stationäre wie mobile Einheiten) zwischen 2009 und 2011 jährlich rund 1,2 Millionen Euro in die hiesige Stadtkasse, wobei ein Großteil der Summe über die festen Blitzanlagen (2011 waren es 980.000 Euro) eingenommen wurde. Die Gewerkschaft der Polizei hatte aber bereits vor etlichen Jahren kritisiert, dass in Deutschland fünf bis zehn Prozent der stationären Radarfallen an Stellen stehen, die weder Unfallschwerpunkte seien, noch eine Geschwindigkeitsbegrenzung rechtfertigten. In Hagen gibt es bislang 31 Messplätze mit 26 Starenkästen und fünf sogenannten Wendeanlagen.

Neue „Blitzkisten“

Vor dem Hintergrund, dass in Hagen zu den bereits bestehenden 26 Starenkästen vier neue Geräte (Becheltestraße; Weststraße/ Ecke Nöhstraße; am Autobahnzubringer Nähe Amtsgericht; Enneper Straße kurz vor Ortseingang Gevelsberg) in diesen Tagen hinzukommen werden (plus Modernisierung der Anlage in der Heinrichstraße, die dann in beide Richtungen blitzen kann), nimmt der wochenkurier einige Standorte einmal genauer unter die Lupe.

Noch im April soll ein neuer Starenkasten auf dem Autobahnzubringer in Höhe des Amtsgerichts in Betrieb gehen - etliche Anwohner dürften aufatmen, wenn kontinuierlich 60 Stundenkilometer eingehalten werden und der Drehzahlmesser im grünen Bereich bleibt. (Foto: Nicole Stember)

Sinnvoller Einsatz

„Die neuen Standorte wurden von einer Kommission, die sich aus Vertretern des Ordnungsamtes und weiteren Fachleuten zusammensetzt, festgelegt“, erklärt Stadt-Pressesprecher Michael Kaub.

Sinn machen zum Bespiel die seit vielen Jahren bestehenden „Messpunkte“ in der Boeler Straße, vor Haus Nr. 42/43, da sie zum Schutz der Kinder der nahe gelegenen Erwin-Hegemann-Grundschule installiert wurden. Ähnliches gilt in der Overbergstraße in der Nähe des Kindergartens oder auch in der Pappelstraße beim Altenwohnheim. Der Blitzkasten in der Industriestraße (Lennetal) in Fahrtrichtung Garenfeld wiederum dient angeblich der Schulwegsicherung, alles nachzulesen auf der Homepage der Stadt Hagen, worauf alle stationären Einheiten öffentlich verzeichnet sind. Die Bürger können dort auch die Begründung zur Standortwahl nachlesen. Ebenfalls nachvollziehbar ist der Standort Märkischer Ring (B54) Fahrtrichtung Eckesey vor Hausnummer 55, in der Vergangenheit ein allseits bekannter Unfallschwerpunkt.

„Die Aufstellung der Starenkästen ist ganz klar erzieherisch bedingt“, begründet Michael Kaub. „Wenn wir dadurch Unfälle vermeiden können, haben wir unser Ziel erreicht. Die finanziellen Einnahmen sind ein positiver Nebeneffekt und gehen damit einher“, so Kaub weiter. „Da die meisten Hagener – auch aufgrund der Veröffentlichung der Standorte – mittlerweile wissen, an welchen Ecken die Starenkästen lauern, halten die meisten ortskundigen Autofahrer die Regeln ein und tragen zur Sicherheit im Straßenverkehr bei.“ Diese Aussage untermauern auch die leicht rückläufigen Einnahmen aus den festen Radarstandorten (2009: 993.000 Euro; 2011: 980.000 Euro).

Unfallhäufung als Argument

Und doch gibt es Starenkästen an einigen Stellen, aus denen sich auch für Ortsansässige der Sinn (trotz Begründung der Stadt) nicht immer erschließt. Ein Beispiel ist das Gerät „Am Hirsch 2“ – von Breckerfeld aus kommend Richtung Selbecke. Das „Ding“ steht im Nirgendwo, kein Wohngebiet, keine Schule in der Nähe, auf relativ gerader Strecke, wo zuvor noch 70 Stundenkilometer gefahren werden durften, bevor plötzlich das Tempo-50-Verkehrsschild und ein Starenkasten auftauchen.

Die Stadt begründet den Standort mit „Unfallhäufung“. Zwar gab es dort in der Vergangenheit schon einmal einen tragischen Unfall, aber kann man auf diesem Streckenabschnitt wirklich von einer Unfallhäufung sprechen? Etlichen Hagenern ist dieser Bereich jedenfalls nicht als Unfallschwerpunkt im Gedächtnis. Auf Nachfrage des wochenkuriers zur Unfallstatistik vor Aufstellung des Starenkastens bei Hans Sporkert (stellvertretender Fachbereichsleiter öffentliche Sicherheit, Verkehr, Bürgerdienste und Personenstandswesen) konnten uns hierzu nur unzureichende Angaben gemacht werden. Interessant wären die Fakten aber schon.

Zugleich stellt sich die Frage, warum auf dieser Verbindung zwischen Breckerfeld und Hagen ein Blitzer steht, auf der viel kurvenlastigeren und augenscheinlich gefährlicheren Verbindung zwischen Priorei und Breckerfeld jedoch nicht.

Etliche Debatten im Vorfeld hat auch schon die neue Blitzanlage auf der Enneperstraße in Westerbauer – nahe Ex-Zwieback-Brandt – ausgelöst. Viele Hagener sehen in ihr eine reine städtische „Gelddruckmaschine“.

Dass die Stadt Hagen nicht immer auf sinnvolle Verkehrsregelungen setzt, zeigt ein anderes Beispiel: Auf dem Autobahnzubringer hinter dem Amtsgericht ist die Geschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer begrenzt (was aus Lärmschutzgründen Sinn macht), anschließend sind kurzfristig 80 Stundenkilometer erlaubt, bevor wenige Meter später wieder nur 60 Stundenkilometer erlaubt sind (wegen einer maroden Brücke). Da stellt sich doch die Frage: Warum nicht gleich 60 Stundenkilometer auf dem gesamten Abschnitt?