Volontär in Aktion … – … beim Rollstuhl-Basketball

Schwelm/Hagen. Die Idee für meine erste Station kam mir
schon im Frühjahr. Bei einem Gespräch mit Baskets-Geschäftsführer Omar Rahim
erwähnte er, dass er in Zukunft plane, eine Rollstuhl-Basketball-Gruppe zu
etablieren. Dass Rahim dem Basketballsport selbstverständlich in allen Facetten
verbunden ist, lag auf der Hand, aber sein Enthusiasmus zum Rollstuhl-Basketball
steckte an.
Kleiner Vorgeschmack
Als im Sommer dann die Überprüfung durch die Stadt anstand, ob die neue Halle
an der Milsper Straße auch für Rollstuhlbasketball geeignet sei, durfte ich mich
schon einmal probeweise in so ein Sportgerät setzen. Und was fällt als erstes
auf? Die Körbe sind verdammt hoch. Denn entgegen meiner Erwartung werden die
Körbe nicht extra niedriger gehängt. Und natürlich landete der Probewurf nicht
im Korb, sondern klatschte geräuschvoll nur an die Außenkante des Rings.
Fahren durfte ich damals noch nicht, es erschien mir auch zu schwierig. Und
mit dieser Einschätzung sollte ich auch zunächst recht behalten.
Bunte Truppe
Als die Trainingsgruppe aus Volmarstein an der Schwelmer Halle ankam, sah man
vor allem eine Vielzahl an bunten und sehr ungleichen Rollstühlen mitsamt
fröhlich quatschenden jungen Menschen. Nachdem ihre Sportgeräte zusammengebaut
worden waren, ging es rein in die Halle. Bei der ersten, unkomplizierten
Kontaktaufnahme merkte man schon – das sind keine Anfänger auf diesem Gebiet.
Und das sollte sich auch bei den ersten Spielzügen bestätigen. Taktische
Anweisung, Tempo und Treffer – als blutiger Anfänger konnte man da nur staunen.
Spezialisten ihrer Sportart
Auch in den Gesprächen mit Jerome und Bastian wurde diese Hemmschwelle nicht
unbedingt gesenkt. „Ich spiele seit vier Jahren“, erklärt der 18-jährige
Bastian. Einmal die Woche ist er in der heimatlichen Sporthalle in Volmarstein
aktiv. Der zwei Jahre ältere Jerome ist sogar noch länger dabei. „Ich spiele
seit 2010 bei der BSG Duisburg. Zunächst bei den Schülern und jetzt in der
ersten Mannschaft.“
Betreuer, Coach und Busfahrer Benjamin will in Zusammenarbeit mit den Baskets
ein richtiges Team an den Start bringen. „Wir werden uns am Ende des Jahres
zusammensetzen und dann entscheiden, in welche Richtung es geht.“ Eine eigene
Mannschaft, die auch an Turnieren teilnimmt, ist das erklärte Ziel. Die
Schwelmer Sporthalle bietet dafür beste Bedingungen. „Es ist eine Ehre für uns,
in dieser Halle zu spielen“, erklärt Jerome.
Bastian ergänzt: „Wir sind so rund zehn bis zwölf Leute bei jedem Training.“
Einziger auswärtiger „Neuzugang“ ist Jenny. Sie kommt extra aus Leverkusen,
um mit den hiesigen Korbjägern zusammen zu trainieren.
Mittendrin statt nur dabei
Und nach ein bisschen „warmfahren“ ist man auch schon mittendrin im
Geschehen.
Im Spiel „Fünf gegen Fünf“ herrscht großes Gedränge, vor allem unter den
Körben. Nach einem Fehlwurf geht es aber mit hohem Tempo wieder in die andere
Richtung.
Nach einer halben Stunde gibt Benjamin das Komando: „Jetzt bist auch du mal
dran.“ Gesagt, getan. Meine erste Amtshandlung: den Ball von der Seitenlinie
einwerfen. Zuvor ein kleine Regelkunde: „Man darf zweimal Schwungholen und dann
muss der Ball geprellt werden, ansonsten wird ein Schrittfehler gepfiffen.“ –
Kurzes Schweigen. „Naja, also wir laufen ja nicht, aber es heißt nun mal so“,
wird diese kuriose Bezeichnung beim Rollstuhl-Basketball mit Humor genommen.
Wie funktioniert das?
Beim Einwurf mache ich zunächst nichts falsch – nur in die Richtung, in die
ich „rollen“ will, komme ich zunächst nicht. Also versuche ich, mit Schwung
geradeaus zu fahren. Das klappt nur mittelgut. Doch nach knapp zehn Minuten (und
einer großen Portion Ehrgeiz) läuft es dann wie am Schnürchen. Drehungen,
Rückwärtsfahren und auch Dribbeln – nur das Werfen macht mir Probleme. Aber das
kann ich auch ohne Rollstuhl nicht gut.
Daher war ich nicht unbedingt überrascht über meine grausige Wurf-Ausbeute.
Doch eine Sonderbehandlung gab es für mich sicherlich nicht. Ich wurde wie jeder
andere geblockt und bekam Lob und Tadel für meine Aktionen. Wenn mal ein Pass
daneben ging, dann gab es einen Spruch zu hören. Ein „Gut gemacht“ ertönte, wenn
man dagegen auch im Rebound mit von der Partie war. Besonders deutlich wurde
meine Unerfahrenheit bei Tempogegenstößen. Ich war deutlich zu langsam und wenn
ich dann doch mal einen enteilten Spieler einholte, trickste er mich direkt mit
einem schwungvollen Manöver aus.
Tolle Erfahrung
Nach schweißtreibenden 30 Minuten ist für mich Schluss. Das Training ist
vorbei und die Rollstühle müssen wieder im Bulli verstaut werden. „Wie oft hast
du denn schon Rollstuhl-Basketball gespielt?“, fragt mich Jerome. „Das war meine
Premiere“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Das hat man gar nicht so sehr gemerkt“,
höre ich. Aus dem Mund eines Könners wie Jerome ist das ein ganz besonderes Lob.
Und als Leander zum Abschied fragt: „Kommst du nächste Woche wieder?“, freue ich
mich ganz besonders. Ich habe mich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich
in die Gruppe für diesen Nachmittag integriert.
Das war ein überaus gelungener Auftakt der Serie. Ich bin schon sehr gespannt
auf die kommende Sportart, die ich ausprobieren darf.