Volontärin abgetaucht

Von Lara Zeitel
Die Augen brennen leicht, als ich sie im kühlen Chlorwasser öffne, die Ohren dröhnen, unter Wasser klingt alles dumpf, und doch fühle ich mich gleichzeitig schwerelos. Den Blick nach vorne gen Kamera gerichtet, versuche ich meinen Körper – der zur Hälfte in einer bunten Fischflosse verschwunden ist – und meine Gedanken unter Kontrolle zu bekommen. „Den Kopf einfach ausmachen, ausatmen und langsam untertauchen“, lauten die Instruktionen, die Peter Jacobs mir kurz vorher mitgibt, bevor wir abtauchen. Seine Worte schwirren in meinem Kopf umher, schon geht mir die Luft aus und ich tauche wieder auf. Ob da nun schon ein gutes Foto dabei war?

Ein Fotograf taucht ab

Peter Jacobs ist seit über 30 Jahren Unterwasser-Fotograf. Lange Zeit war der Atlantik vor Lanzarote und Fuerteventura sein ganz persönliches Fotostudio. Seit 1982 begeistert er sich für ungewöhnliche und surreale Motive ­– vor allem unter Wasser. Durch die Taucherei ist er vor etwa sieben Jahren zu seiner Idee der Meerjungfrauen gekommen. „Eine Freundin hatte meine Fotos gesehen und mir von einer Kinderfernsehserie mit einigen Meeresnixen erzählt und mich gefragt, ob das nichts für mich wäre. Im Anschluss daran hab ich mir zunächst eine Flosse besorgt und angefangen auf Lanzarote, in Zusammenarbeit mit den Hotels, Mermaid-Fotos zu machen“, erzählt der charismatische Profitaucher, der lange Zeit in seiner eigenen Tauchschule Big Blue Sea auf Lanzarote selbst auch Tauchlehrer ausbildete. „Aus einer Flosse wurden dann schnell mehrere und so entstand nach und nach eine neue Geschäfts­idee.“ Seinen Tauchschein hat der sympathische Wasserliebhaber bereits 1985 gemacht. Die Leidenschaft für die Unterwasserwelt war sofort entfacht.

Rückkehr zur Basis

Anfang des Jahres kehrte der auf Lanzarote lebende Fotograf nach Deutschland zurück, um der Familie näher zu sein. In Köln suchte er kurz darauf Parter und fand sehr schnell Kontakt zu den Köln-Bädern. „Die fanden meine Idee gut“, blickt er zurück. „Doch irgendwie wollte ich noch ein Stück weiter. In diesem Fall bis ins Schwimm-Inn nach Gevelsberg. „Ich wurde über meine Homepage angeschrieben, ob ich mir so etwas auch anderswo als in Köln vorstellen könnte und mittlerweile hat sich meine Meerjungfrauen-Aktion bis nach Braunschweig und an den Bodensee verbreitet. Allmählich bekomme ich auch in Deutschland den Bekanntheitsgrad, den ich auf den Kanaren bereits hatte“, freut er sich.

Was so einfach aussieht, erfordert nicht nur vom Fotografen äußerste Konzentration. Trotzdem steht für Fotograf Peter Jacobs der Spaß an erster Stelle. „Nur dann können wirklich beeindruckende Bilder entstehen.“ (Foto: L. Zeitel)
Was so einfach aussieht, erfordert nicht nur vom Fotografen äußerste Konzentration. Trotzdem steht für Fotograf Peter Jacobs der Spaß an erster Stelle. „Nur dann können wirklich beeindruckende Bilder entstehen.“ (Foto: L. Zeitel)

Herausforderungen unter Wasser

Doch was sieht er selbst denn nun als größte Herausforderung an diesen außergewöhnlichen Fotografien?
„Nun, in erster Linie liegt die größte Herausforderung darin ein gutes Bild von jedem zu bekommen, egal ob Anfänger oder Profimodel. Mein Ziel ist es, dass jeder der zu mir kommt am Ende sagt: Wahnsinn, sowas hab ich noch nie im Leben gemacht!“ erklärt Peter Jacobs. Sein Ansporn: „Es soll nicht nur gut aussehen, sondern auch Spaß machen. Den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern mit einem Bild – das ist für einen Fotografen das Größte.“

Bleibende Erinnerungen

Ich für meinen Teil stelle nach den knapp zwei Stunden fest: Auch für mich war diese Erfahrung ein Highlight, dass ich nicht so schnell vergessen werde, denn wann hat man schonmal die Chance den lang gehegten Disney-Traum zu verwirklichen und im Arielle-­Kostüm durchs Wasser zu gleiten – festgehalten in einem Foto, was auch optisch in außergewöhnlicher Erinnerung bleibt.