Eine Ausbildung mit Patent: Die Weiblichkeit neu definieren, neu kultivieren, neu wertschätzen und zum Wohle aller gesund gestalten – das lernen und lehren moderne, professionelle Weiblichkeitspädagoginnen. (Foto: Bildungswerk für ganzheitliche Therapien/Fotolia)

Gevelsberg/Hagen. (ce) Jungen Menschen, die ihr ideales Arbeitsfeld noch suchen, erscheint die moderne Berufswelt oft wie ein kaum durchschaubarer Dschungel aus unbekannten Möglichkeiten.

Die „Fachreferentin für ganzheitliche Frauengesundheit“ gehört zu den neuen Berufsbildern, die zunächst eher überraschen. „Weiblichkeitspädagogik“? – Wozu ist das gut?

Weiterbildung mit Patent

„Vor dreißig Jahren hätte es da wohl noch keinen Bedarf gegeben. Heute sieht das aber ganz anders aus“, sagt die gebürtige Hagenerin Sigrid Gottmann. Die Heilpraktikerin gründete vor 21 Jahren das „Bildungswerk für ganzheitliche Therapien“, das seinen Sitz an der Kölner Straße 40 in Gevelsberg hat. Dort bietet sie seitdem neben therapeutischem Coaching auch Aus- und Weiterbildungen im gesundheitspädagogischen Bereich an. Sie hat bisher mit einem großen Team aus staatlich geprüften Fachdozenten mehr als 4500 Teilnehmer etwa aus pädagogischen, sozialen oder medizinischen Berufen fortgebildet. Qualifikationen gibt es hier in der Entspannungs- und Bewegungspädagogik, in der Konfliktberatung, beim Yoga – und eben seit vierzehn Jahren auch in der Weiblichkeitspädagogik.

Ihr ganzheitliches Ausbildungskonzept hat sich Sigrid Gottmann patentieren lassen. Gern nutzt sie für ihre Seminare das Hagener Arcadeon.

Krank aus Fürsorge

„Viele Jahre lang habe ich früher als Heilpraktikerin zusammen mit männlichen Kollegen in einer Gemeinschaftspraxis gearbeitet“, berichtet sie. „Dabei wurde mir klar, wie viele unserer Patientinnen letztlich psychosomatisch erkrankt sind. Frauen kümmern sich um andere: Um die Familie, die Kinder, die Eltern und tendieren dazu, sich selbst hinten an zu stellen.“

Die Fachwelt spricht hier von Fremd- und Eigenfürsorge. Letztere bleibt bei vielen Frauen im Laufe der Jahre auf der Strecke. „Dann verwildert irgendwann der persönliche Kräutergarten“, nennt es Sigrid Gottmann, die selbst zwei Kinder groß gezogen hat.

Verlorenes wiederfinden

Frauen, die berufstätig sind, suchen bisher meist vergeblich nach weiblichen Vorbildern, sondern orientieren sich an der männlichen Berufswelt. In den 60er und 70er Jahren arbeiteten die Frauen noch auf einer „Ich verdiene dazu“-Ebene, inzwischen aber stehen sie vielfach hauptberuflich „ihren Mann“. Da bleibt Weiblichkeit auf der Strecke. Weibliche Werte, weibliche Sprache und häufig sogar das weibliche Erscheinungsbild werden männlich geprägt. Die Frau von heute muss sich neu definieren.

„Die Frauen spüren, dass sie etwas verloren haben, das zutiefst zu ihnen gehört. Sie erleben das als Mangel, den sie heilen möchten“, sagt die Studienleiterin. Sie orientiert sich an der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ausführt: Gesundheit ist der Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, nicht allein das Fehlen von Krankheit.

Frauenerkenntnisse

Der Studiengang Weiblichkeitspädagogik richtet sich an Frauen ab dem 25. Lebensjahr aus ganz Deutschland, die in pädagogischen, medizinischen und sozialen Berufen tätig sind, an Frauen in Führungspositionen oder in der Selbstständigkeit, an Frauen, die schwerpunktmäßig mit weiblichen Kunden arbeiten, und an Frauen, die nach neuen Lebens- und Berufsperspektiven suchen.

„Dabei wird nicht nur reines Wissenschaftswissen weitergegeben, sondern gelebte weibliche Erfahrung“, sagt Sigrid Gottmann. „Da können Männer nicht mitreden und damit können Männer auch nichts anfangen. Männer und Frauen sind eben gleichwertig – aber doch nicht gleich.“

Neuer Kurs beginnt

Das nächste sechsmonatige Seminar zur Weiblichkeitspädagogin auf dem Fundament von Präsenz-Unterricht und Fernstudium beginnt im Sommer. Eine Einführung findet schon am Samstag, 2. Juni, in Schwelm statt. Im September, Oktober und November folgen insgesamt drei Wochenendseminare.

Ziel der Ausbildung ist eine beratende oder unterrichtende Tätigkeit in Form von Seminaren, Projekten oder Einzelsitzungen entweder eigenständig oder integriert in den bestehenden Beruf. Infos und Anmeldung unter Tel. 02332 / 149269.