Vorsprung in letzter Sekunde verspielt

Hagen. Hätte den Verantwortlichen des Handball-Zweitligisten VfL Eintracht Hagen vor dem Spiel beim heimstarken TV 1893 Neuhausen jemand einen Punkt versprochen, so hätten sie sicherlich eingeschlagen. Doch nach den gespielten 60 Minuten sah dies anders aus. Während die Gastgeber ausgelassen jubelten, schlichen die Gäste mit hängenden Köpfen vom Feld. Der Grund hierfür: Als Julian Renninger in der 58. Minute mit seinem vierten Treffer nach seiner Einwechslung das 30:27 für die Grün-Gelben besorgte, machte sich im Lager der mitgereisten Fans große Hoffnung
breit, dass endlich mal wieder ein Sieg in der Fremde gelingen könnte. Diese Hoffnung erstickte Ferdinand Michalik mit seinem achten verwandelten Siebenmeter im Keim – nach dem Schlusspfiff zeigte er keine Nerven und ließ Jürgen Müller keine Chance. Zuvor hatte die Eintracht in den finalen 120 Sekunden mehrfach den Ball, entwickelte aber nicht mehr den zuvor gezeigten Druck, sondern schien das Ergebnis allenfalls noch verwalten zu wollen. Zu wenig, wie sich am Ende zeigte.

Trainer Lars Hepp bedauerte trotzdem, dass seine Schützlinge nicht in den Genuss eines Auswärtssieges kamen. „Meine Mannschaft hätte es heute verdient gehabt“, befand Hepp auf der Pressekonferenz.
Allerdings monierte er, dass im finalen Angriff die taktische Marschroute nicht eingehalten worden ist. Der Reihe nach: Im ersten Abschnitt begannen beide Seiten extrem engagiert und schenkten sich nichts, erst nach der Einwechslung von Müller, der speziell zu Beginn einige starke Paraden zeigte, kippte die Partie zugunsten der Hagener. Beim 14:9 für den VfL (25.) schwamm der TVN extrem, doch bis zum Pausenpfiff find sich die Mannschaft von Aleksandar Stevic – auch begünstigt von einigen leichten Fehlern der Grün-Gelben, die sich den Vorwurf gefallen lassen mussten, nicht mit einer höheren Führung in die Kabine gegangen zu sein. Bestnoten verdiente sich in den ersten 30 Minuten vor allem Jan von Boenigk, der die TVN-Defensive ein ums andere Mal schwindelig spielte und auf dessen Konto letztlich sieben Tore gingen. Und auch Routinier Pavel Prokopec war in starker Form, erzielte nicht nur zehn Treffer, sondern machte in der Abwehr ebenfalls richtig dicht. Im zweiten Abschnitt ging es konstant Auf und Ab, immer wieder verkürzten die Gastgeber, Hagen konterte stets eiskalt, die vielen Wechsel von Hepp zündeten immer wieder – etwa die späte Einwechslung des bärenstarken Renninger. Doch in den letzten Minuten verließ die Gäste dann etwas der Mut.

Angesichts der Ergebnisse der Konkurrenz riecht es für die Eintracht immer mehr nach einem Showdown um den Klassenerhalt am letzten Spieltag im direkten Duell mit dem TuS Ferndorf, aber auch die HG Saarlouis, aktuell auf dem letzten Nichtabstiegsplatz, ist nur einen Zähler vor der Hepp-Sieben.

Die Statistik:

VfL: Mahncke, Müller; Kerssenfischer, Tubic (3), Schneider (3), Rink, Weißbach, Renninger (4), Strohl, Aschenbroich (1),
Reinarz (1), Ciupinski (1), Prokopec (10/6), von Boenigk (7).
TVN: Rebmann, Becker; Stübner, Sokicic, Schuldt, Wahl (1), Reusch (1), Schoch (5), Wessig, Klingler (5), Michalik (10/8),
Reusch, Bornemann (1), Maas (7).