Was uns 2012 „droht“ – Teil 2

Hagen. (nic) Weiter geht es mit den Neuerungen im Jahr 2012 – dieses Mal in den Bereichen Steuern, Rente und Ernährung. Die Verbraucherberatung NRW informiert:

Kosten für Kinderbetreuung

Ab 2012 können alle Eltern Betreuungskosten für jedes Kind bis zum 14. Lebensjahr als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen. Damit entfällt der aufwändige Nachweis, dass die Betreuung des Nachwuchses wirklich notwendig ist. Bislang nämlich unterschied der Fiskus zwischen berufsbedingten und nicht berufsbedingten Betreuungskosten. Die Anlage „Kind“ der Steuererklärung dürfte sich demnächst deutlich schneller ausfüllen lassen. Wie bisher dürfen Eltern zwei Drittel der Betreuungskosten von maximal 6.000 Euro von der Steuer absetzen, also höchstens 4.000 Euro pro Jahr und Kind.

Kindergeld: Unbegrenzter Verdienst für Studenten und Azubis

Von 2012 an können Azubis oder Studenten mit Nebenjob so viel verdienen, wie sie wollen, ohne das die Eltern den Anspruch auf Kindergeld und Kinderfreibetrag verlieren. Bisher lag die Obergrenze bei 8004 Euro im Jahr. Einschränkungen greifen erst, wenn sich noch eine zweite Ausbildung anschließt. Dann fließt das Kindergeld nur noch, wenn der Nachwuchs nicht mehr als 20 Wochenstunden regelmäßig jobbt. Kindergeld gibt es wie bisher längstens bis zum 25. Geburtstag.

Besteuerung von Kapitallebensversicherungen

Seit dem Jahr 2005 werden neu abgeschlossene Kapitallebensversicherungen zum Auszahlungszeitpunkt voll besteuert. Dazu werden von der Auszahlungssumme – auch Ablaufleistung genannt – die eingezahlten Beiträge abgezogen. Die Differenz unterliegt der Einkommensteuer. Nur die Hälfte der so berechneten Erträge ist einkommensteuerpflichtig, wenn der Vertrag ab dem 60. Geburtstag des Versicherungsnehmers fällig wird. Das ändert sich für Verträge, die ab dem 1. Januar abgeschlossen werden. Dann wird nur die Hälfte des Ertragsanteils besteuert, wenn der Vertrag ab dem 62. Geburtstag des Versicherungsnehmers fällig wird. Die Altersgrenze gilt auch für Einmalauszahlungen privater Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht.

Vermietung an Verwandte

Wer Haus oder Wohnung an Angehörige vermietet, muss künftig statt 56 Prozent mindestens 66 Prozent der „ortsüblichen Miete“ kassieren. Andernfalls dürfen Eigentümer Darlehenszinsen, Reparatur- und Renovierungskosten nicht voll von der Steuer absetzen. Dafür mussten Eigentümer aber nachweisen, dass sie mit dem Mietverhältnis einen Gewinn erzielen. Diese Pflicht fällt nun weg.

Pendler: Kilometerpauschale oder Ticketkosten

Wer mal mit dem Auto und mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, konnte bislang frei wählen, ob er an den Bus- und Bahntagen die Ticketkosten oder ebenfalls die Pendlerpauschale von 30 Cent pro Kilometer ansetzt. Künftig müssen Pendler sich entscheiden: Entweder sie machen für alle Fahrten die Pauschale geltend, oder sie setzen nur die Ticketkosten ab. In vielen Fällen wird sich dadurch der Steuervorteil reduzieren.

Höhere Pauschale bei Werbungskosten

Rückwirkend zum 1. Januar 2011 steigt die Pauschale für Werbungskosten von 920 auf 1.000 Euro. Diesen Betrag zieht das Finanzamt von den Einkünften ab, ohne dass Arbeitnehmer ihre Ausgaben für Fachliteratur, Arbeitsmittel oder Berufskleidung einzeln belegen müssen. Weil das Plus in Höhe von 80 Euro in den bisherigen Lohnsteuertabellen nicht berücksichtigt war, wird dieser Betrag bei der Lohnabrechnung für Dezember der Einfachheit halber steuerfrei belassen. Ab 2012 wird er dann auf die Kalendermonate verteilt. Die Anhebung führt zu einer Steuerentlastung von maximal 36 Euro im Jahr. Dies aber auch nur, wenn die tatsächlich angefallenen Werbungskosten 1.000 Euro nicht übersteigen.

Kostenlose Auskünfte vom Finanzamt

Wer vom Finanzamt eine verbindliche Auskunft haben möchte, muss dafür bereits seit 5. November dieses Jahres oftmals keinen Cent mehr zahlen. Seitdem sind solche Auskünfte bis zu einem Gegenstandswert von 10.000 Euro gratis. Lässt sich der Wert weder bestimmen noch schätzen, stellt der Fiskus seine Arbeitszeit in Rechnung. Jede angefangene halbe Stunde kostet 50 Euro. Dauert es jedoch weniger als zwei Stunden, die Anfrage verbindlich zu beantworten, wird keine Gebühr fällig.

Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt

Die Rentenbeitragssätze sinken zum 1. Januar von 19,9 auf 19,6 Prozent. Bei einem Brutto-Durchschnittsverdienst in Höhe von 2.500 Euro monatlich macht das 3,75 Euro weniger Abzug aus. Insgesamt werden Arbeitnehmer und Arbeitgeber um jeweils 1,3 Milliarden Euro entlastet. Gleichzeitig steigt die Beitragsbemessungsgrenze bei der Rentenversicherung auf 67.200 Euro pro Jahr oder 5.600 Euro im Monat (im Osten 57.600 Euro pro Jahr oder 4.800 Euro im Monat).

Rente mit 67

Zum Jahreswechsel 2012 kommt die Rente mit 67, und die Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung werden stufenweise erhöht. Wer 1947 und später geboren wurde, für den steigt das reguläre Renteneintrittsalter von Jahrgang zu Jahrgang um einen Monat. Bei den 1958 Geborenen gilt dann ein Renteneintrittsalter von 66 Jahren. Für die nach 1958 Geborenen steigt die Altersgrenze um jeweils zwei Monate pro Jahrgang, so dass die 1964 und später Geborenen erst ab 67 Jahren die Regelaltersrente ohne Abschlag erhalten können. Bis zum Jahr 2029 soll die Rente mit 67 komplett eingeführt sein. Nur für die Geburtsjahrgänge vor 1947 bleibt es beim Renteneintrittsalter von 65 Jahren.

Riester- und Rürup-Rente: Auszahlung erst mit 62

Die Anhebung der Altersrente auf 67 in der gesetzlichen Rentenversicherung wirkt sich auch auf Riester- und Rürup-Rente aus. Für alle ab dem 1. Januar 2012 abgeschlossenen Riester-Verträge darf die erste Rentenzahlung nicht mehr vor dem 62. Lebensjahr erfolgen – ansonsten gehen staatliche Förderung und mögliche Steuervorteile verloren. Dies gilt auch für die Altersvorsorge über Wohn-Riester. Für alle bis Ende 2011 abgeschlossenen Verträge gilt noch: Die Auszahlung der Riester-Rente kann schon ab dem 60. Lebensjahr beginnen, und sämtliche Zulagen werden gewährt. Zwar können auch noch ab 2012 Riester-Renten-Sparpläne mit einem früheren Auszahlungsbeginn als dem 62. Lebensjahr abgeschlossen werden, doch dann entfallen die staatliche Förderung durch Zulagen, mögliche zusätzliche Kinderzulagen und weitere Vorteile bei der Steuer (Sonderausgabenabzug).

Auch wer ab 1. Januar eine staatlich geförderte Rürup-Rente abschließen und seine Einzahlungen in den Rürup-Renten-Sparplan steuersenkend geltend machen möchte, muss sich auf einen neuen Auszahlungsbeginn einstellen: Wie bei der Riester-Rente gilt das 62. Lebensjahr als frühestmöglicher Zeitpunkt. Andernfalls gehen die mit der Rürup-Rente verbundenen Steuervorteile verloren.

Riester-Rente: „Nullverträge“ wurden abgeschafft

Die sogenannten „Nullverträge“, vielfach auch als „Hausfrauen-Verträge“ bezeichnet, wurden abgeschafft. Ab 2012 müssen alle Riester-Sparer immer einen Eigenbetrag von mindestens 60 Euro einzahlen – je nach Vertrag auf einmal oder fünf Euro pro Monat. Das betrifft vor allem Ehepartner von Erwerbstätigen. Sie können bislang ohne eigene Sparleistung die vollen Zulagen (154 Euro Grundzulage und bis zu 300 Euro Kinderzulage) erhalten, wenn ihr Partner ebenfalls eine Riester-Rente abgeschlossen hat.

Rürup-Rente: Höhere Sonderausgaben

Rürup-Sparer können wieder einen höheren Betrag als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Im nächsten Jahr beträgt er 74 Prozent der Beiträge in die Rürup-Rente. Wer als Single den maximal geförderten Beitrag von 20.000 in die Rürup-Rente einzahlt, kann somit 14.800 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Für Verheiratete sind es 40.000 (Einzahlung) und 29.600 Euro (Sonderausgaben).

Ernährung: keine falschen Versprechen mehr!

Probiotischer Joghurt, der gesund hält, oder Fette, die bei Kindern die Denkfähigkeit steigern sollen… – derartige Versprechen wird es auf Verpackungen künftig nicht mehr geben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat drei Jahre lang gesundheitsbezogene Werbeaussagen bewertet. Etwa 80 Prozent der eingereichten Werbeaussagen sind bei der Behörde durchgefallen, weil sie schlicht nicht bewiesen werden konnten.

Jetzt erstellt die EU-Kommission eine rechtlich verbindliche Liste mit zulässigen Werbesprüchen. Bereits im April/Mai 2012 wären gewisse Werbeaussagen mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten verboten. Für mehr als 1.500 pflanzliche Stoffe, wie Ginseng oder Ingwer, stehen die Bewertungen allerdings noch aus – sie erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Lebensmittel für Diabetiker

Für Diabetiker hat sich die Industrie nach und nach ein breites Sortiment besonderer Produkte einfallen lassen: Schokolade, Fruchtaufstriche oder auch Cappuccino. Nächstes Jahr werden sie allesamt vom Markt verschwinden. Lebensmittel mit dem Aufdruck „zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus“ dürfen nur noch bis 9. Oktober 2012 in den Handel gebracht und abverkauft werden. Danach ist endgültig Schluss. Inzwischen ist es gängige wissenschaftliche Meinung, dass spezielle Lebensmittel für Diabetiker überflüssig sind und unter Umständen sogar schaden können.

Glutenfreie Lebensmittel

Ab 1. Januar 2012 müssen glutenfreie Lebensmittel innerhalb der EU einheitlich gekennzeichnet sein. Die Aufschrift „mit sehr niedrigem Glutengehalt“ dürfen dann nur Produkte tragen, die maximal 100 Milligramm Gluten pro Kilogramm Lebensmittel aufweisen. Als „glutenfrei“ können Nahrungsmittel bezeichnet werden, die höchstens 20 Milligramm pro Kilogramm enthalten. Gluten ist ein Allergen, das in vielen Getreiden vorkommt, etwa in Weizen und Roggen, aber auch in Hafer, Dinkel und Gerste.

EU-Biologo

Alle verpackten Bio-Lebensmittel müssen spätestens ab 1. Juli 2012 das neue EU-Gemeinschaftslogo tragen. Hersteller sind verpflichtet, auch die Ökokontrollstelle anzugeben – und zwar so, dass Kunden sie beim Blick auf das Logo direkt erkennen können. Außerdem müssen die Firmen deklarieren, ob das Produkt von Landwirten in der EU oder außerhalb der Gemeinschaft erzeugt wurde. Die einheitliche Regelung soll es Verbrauchern erleichtern, Bioprodukte im europäischen Ausland eindeutig zu erkennen.

Verbot der klassischen Käfighaltung

Die konventionelle Käfighaltung von Legehennen, bei der Tiere auf 550 Quadratzentimetern (das entspricht einem DIN A4-Blatt) untergebracht waren, ist in Deutschland bereits seit 2009 untersagt. Ab Januar 2012 gilt das Verbot in der gesamten EU. Dann sind nur noch Käfige mit 750 Quadratzentimetern Fläche pro Tier erlaubt (Deutschland: 800 Quadratzentimeter). Zudem müssen Käfige mit Sitzstangen, einem Scharrbereich und einem Nest für die Hühner ausgestattet sein.

Neuer Süßstoff: Stevia in Speisen und Getränken

Seit 14. November 2011 ist für Lebensmittel ein neuer Süßstoff aus der Steviapflanze zugelassen. Die Steviolglycoside (E960) sind bis zu 300-mal süßer als Haushaltszucker, nahezu kalorienfrei und verursachen keine Karies. Mit dem neuen Stoff dürfen bestimmte Lebensmittel mit jeweils festgelegten Höchstmengen gesüßt werden. Es gilt als unbedenklich, täglich vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht des neuen Süßstoffs zu sich zu nehmen. Dieser Wert könnte allerdings schon mal überschritten werden, etwa von Kindern, die größere Mengen kalorienreduzierter Getränke mit dem neuen Süßstoff trinken.