Wege aus der Depression

Hagen. (Red./AnS) Sie sind niedergeschlagen, antriebslos, ohne Interessen und Freude – Menschen mit einer Depression leben mit dem Gefühl, dass scheinbar gar nichts mehr geht. Angst, Schuld und eine bleierne Schwermut sind ihre ständigen Begleiter. Und sie haben keine Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erkranken hierzulande jährlich rund 4,9 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Doch nicht jede Depression wird tatsächlich behandelt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Den Betroffenen fehlt oft die Energie, sich Hilfe zu holen, vielen Ärzten fehlt die Erfahrung im Umgang mit seelisch Kranken. Zudem wird die Schwere der Erkrankung noch immer unterschätzt und die Betroffenen werden weiterhin stigmatisiert. Anlässlich des Internationalen Tages der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober beraten am Donnerstag, 8. Oktober 2015, von 10 bis 17 Uhr in einer Wochenkurier-Telefonaktion Experten Betroffene und Angehörige zu allen Fragen rund um das Thema Depression – vertraulich und anonym unter Tel. 0800/ 5332211.

Eine Krankheit, viele Gesichter

Wie sich eine Depression äußert, kann von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein, denn ihre Anzeichen sind vielfältig. Zum einen können unterschiedliche psychische Symptome auftreten wie Müdigkeit, verminderter Antrieb und Konzentrationsmangel. Aber auch eine ständige innere Unruhe, ein unbestimmtes Angstgefühl sowie die Unfähigkeit, sich zu freuen oder eine negative Sicht auf die Zukunft können Anzeichen einer Depression sein. Für die Betroffenen stellt deshalb häufig schon die Erledigung normaler alltäglicher Dinge eine unüberwindbare Hürde dar. Zum anderen äußert sich die Erkrankung auch auf der körperlichen Ebene: Fast alle Menschen mit einer Depression leiden unter Schlafstörungen, wachen frühmorgens auf, verfallen ins Grübeln und können nicht wieder einschlafen.

Umgekehrt kann auch ein vermehrtes Schlafbedürfnis auf eine Depression hinweisen – etwa im Falle eines Burnouts, hinter dem sich in der Regel eine Depression verbirgt. Insgesamt fühlen sich die Betroffenen kraftlos, abgeschlagen und körperlich ausgelaugt.

Hinzu können sehr unterschiedliche Symptome wie Kopf- und Rückenschmerzen, Herz-Rhythmus-Störungen, Verdauungsprobleme und Schwindelgefühle kommen. Weil die Symptome so vielfältig sein können, gehört die Diagnose einer Depression in die Hände von erfahrenen Ärzten. Sie stellen anhand klarer Diagnoserichtlinien fest, ob eine behandlungsbedürftige Depression vorliegt – und leiten eine auf das Krankheitsbild zugeschnittene Therapie ein.

Mit Diagnose beginnt Therapie

Die gute Nachricht für alle Betroffenen ist: Eine Depression ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Die Voraussetzung dafür ist allerdings gleichzeitig die größte Hürde für viele Erkrankte. Sie müssen mit einem Arzt über ihre psychischen Probleme sprechen, damit er eine sichere Diagnose stellen kann. Nur dann kann der Facharzt oder psychologische Psychotherapeut gemeinsam mit dem Patienten die richtige Strategie für eine wirksame Therapie entwickeln. Sie zielt darauf ab, zunächst die akute depressive Phase zu durchbrechen und einen Rückfall auf Dauer zu verhindern.

Akut- und Langzeittherapie setzen auf eine individuell ausgerichtete Mischung aus Medikamenten und Psychotherapie, in einigen Fällen auch nur auf einen dieser Bausteine. Oft dauert es jedoch lange, bis man einen Termin beim Facharzt oder einen Therapieplatz für die ambulante oder stationäre Therapie bekommt. Die Wartezeit gilt es so zu überbrücken, dass sich die Situation nicht weiter verschlimmert.

Hier kann der Hausarzt eine gute Anlaufstelle sein, doch auch das Internet gewinnt besonders für leichtere Formen der Depression zunehmend an Bedeutung. Relativ neu sind individuell zugeschnittene Online-Programme zur Selbsthilfe bei depressiven Symptomen. Experten weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass solche Angebote eine professionelle Therapie mit persönlichem Kontakt zu einem behandelnden Arzt nicht ersetzen können.

Experten am Lesertelefon

Habe ich eine Depression, die behandelt werden muss? An wen kann ich mich wenden, um über meine Krankheit zu sprechen? Ist eine stationäre Therapie besser als eine ambulante? Machen Antidepressiva abhängig? Bringt eine Psychotherapie wirklich etwas? Wo finde ich verlässliche Informationen über die Krankheit und mögliche Therapien? Was leistet meine Krankenversicherung? Was bedeutet die Krankheit für meinen Job? Und wie verhindere ich auf Dauer einen Rückfall?

Am Wk-Lesertelefon werden Betroffene und Angehörige vertraulich zu allen Fragen rund um die Depression beraten. Ihre Anonymität ist jederzeit gewährleistet.

Die Experten am Lesertelefon: Dr. med. Christine Rummel-Kluge, Fachärztin, Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig; Dr. rer. nat. Frauke Görges, Psychologin, Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig; Deniz Banu Mayadali-Kirschbaum, niedergelassene psychologische Psychotherapeutin, Köln; Dr. med. Benjamin Siemann, Facharzt für Psychosomatische Medizin, stellvertretender ärztlicher Leiter des MVZ Verhaltenstherapie Falkenried, Hamburg.

Der Anruf ist gebührenfrei, Tel. 0800/ 5332211.