Weihnachtskrisen

Hagen. (nic) Nur noch wenige Wochen, dann steht das Weihnachtsfest vor der Tür – und einigen Mitmenschen der Schweiß auf der Stirn. Darf ich mich eher verabschieden, wenn die Schwiegereltern nerven? Ist es wirklich in Ordnung, zur Christmette zu gehen, auch wenn ich das ganze Jahr über die Kirche nur von außen gesehen habe? Darf ich den Goldfisch ablehnen, den Tante Bertha gegen meinen ausdrücklichen Wunsch den Kindern geschenkt hat? In unserem wk-Weihnachtsknigge geben wir Möglichkeiten an die Hand, die Weihnachtsfeiertage harmonisch zu verleben.

Müssen Weihnachtsgeschenke her – oder darf ruhig darauf verzichtet werden?

Die Geschenkefrage führt oftmals zu Konflikten innerhalb der Familie. Wie viele, welche und ob überhaupt Geschenke her müssen, wird heiß diskutiert. Paare, die sich sowieso einige Wünsche im Laufe des Jahres gemeinsam erfüllen, verzichten Heiligabend oft auf gegenseitige Geschenke. Andere wiederum halten kleine Überraschungen füreinander bereit oder erfreuen den Partner mit etwas Selbstgebasteltem. Es ist nun einmal ein schönes Gefühl, dem anderen eine Freude zu machen. Aber es müssen nicht immer die großen Dinge sein: ein wunderschön geschmückter Tannenbaum, die gemeinsame Zeit – auch das sind Geschenke. Ein Fünfjähriger ist zudem überfordert, wenn er von Oma, Opa, Tante, Onkel, Freunden der Familie, Mama und Papa, der anderen Oma und den Nachbarn Päckchen bekommt. Bei Geschenken gilt (wie auch bei so vielen anderen Dingen im Leben): mit Maß!

„Mit der Familie und guten Freunden zusammen zu sein – das ist für mich ein großes Geschenk, gerade weil ich viel unterwegs bin. Am 23. Dezember muss ich noch spielen (Extrabreit-Konzert in Bochum/ Anm. d. Red.). Die Kinder sind schon groß, da ist ein Weihnachtsfest ohne Geschenke völlig okay. Ich erwarte auch keine Geschenke. Wenn ich doch etwas bekomme, aber für den anderen nichts habe, ist mir das auch nicht unangenehm. Ich sage eben Danke. Ich sehe das ganz locker und lässig. Die Kinder freuen sich natürlich über einen ’Umschlag’. Das wichtigste Geschenk ist: gesund und fit bleiben.“ (Rolf Möller, Drummer von Extrabreit)

Darf ich Nichtchristen Frohe Weihnachten wünschen?

Sich gegenseitig ein frohes Weihnachtsfest zu wünschen ist erst einmal eine nette Geste und darf als freundliche Begrüßung im kulturellen Kontext gewertet werden. Für viele Menschen in unserem Kulturkreis gehört es zu den üblichen Sitten und Gebräuchen. Aber wie sehen das unsere Mitbürger mit einem anderen Religionshintergrund. Ist für sie diese Art der Begrüßung unangenehm oder sehen sie dahinter gar einen Missionierungsversuch? Darf ich Nichtchristen also Frohe Weihnachten wünschen?

„Natürlich dürfen sie das. Wir freuen uns sehr, wenn Hagener auf uns zugehen und uns ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Das kommt sehr gut an. Der islamische Glaube ist offen für alle Weltreligionen, wir akzeptieren die Feiertage von anderen Mitbürgern, auch wenn Weihnachten für uns kein religiöser Feiertag ist. Aber der gegenseitige Glückwunsch verbindet, Weihnachten ist eine Brücke zwischen allen Menschen. Auch ich wünsche meinen Mitmenschen ein Frohes Fest.“ (Ziya Cakmak, Vorsitzender Integrationsrat Stadt Hagen)

Ist es in Ordnung, zur Christmette zu gehen, auch wenn ich das ganze Jahr über nicht in der Kirche war?

Viele Familien gehen zum Weihnachtsfest in die Kirche, darunter auch etliche, die ansonsten nicht hingehen. Die Beweggründe sind vielfältig: aus Tradition, weil man es als Kind so erlebt hat, wegen der besonderen Atmosphäre, vielleicht wegen des schlechten Gewissens oder um den Kindern zumindest am Weihnachtsfest ein gutes Vorbild zu sein. Das ist heuchlerisch, sagt so manch ambitionierter Kirchgänger. Darf ich die Christmette besuchen?

„Herzlich willkommen! Jeder der Lust hat, zur Christmette zu kommen, oder der das Gefühl hat, es würde ihm gut tun, ist herzlich willkommen, unabhängig davon, ob er im Laufe des Jahres den Gottesdienst besucht hat, ob er Mitglied in der Gemeinde ist oder einer anderen Religion angehört. Gerade in der Weihnachtszeit haben viele Menschen das Gefühl dafür, dass es noch mehr gibt im Leben als das, was uns so ausfüllt. Lasst uns doch gemeinsam feiern.“ (Elke Schwerdtfeger, Pauluskirchengemeinde Wehringhausen) Übrigens: Möglichkeiten dazu gibt es in „Paulus“ an Heiligabend um 16 Uhr (Familiengottesdienst), um 18 Uhr (Gottesdienst mit Predigt) oder um 23 Uhr (Gottesdienst bei Kerzenschein mit dem Gospelchor).