Wenn aus dem Spiel Sucht wird …

Hagen/EN-Kreis. (mal) Dass Glücksspiel sich zu einer Sucht ausweiten kann, ist vielen Menschen nicht bekannt. Ob es passiert, hängt von vielen Faktoren ab: zum Beispiel vom individuellen Charakter der betreffenden Person, von deren aktueller persönlicher Situation und auch von den Eigenschaften der gewählten Glücksspielart.

Während unserer Telefonaktion meldeten sich vor allem Leser, die bereits ein Problem mit dem Glücksspiel haben – entweder sie selbst oder ihre Partner. Hier ein Überblick über die häufigsten Fragen und Antworten:

Mein Sohn wohnt noch bei uns – braucht also kein Geld für Miete oder Verpflegung ausgeben. Aber er verzockt sein ganzes Lehrlingsgeld. Auf Vorhaltungen reagiert er nicht. Was können wir tun?

Wenn Sie Ihren Sohn rundum versorgen, lassen Sie ihn in einer Scheinwelt leben, in der das Geld nur dazu da ist, es beim Spiel zu verschleudern. So sieht die Realität aber nicht aus. Ich rate Ihnen, Ihren Sohn an den Lebenshaltungskosten zu beteiligen, dass er zum Beispiel einen Anteil für Miete und Lebensmittel übernimmt. Dann bleibt gewiss nicht mehr viel Geld für die Spielhalle übrig. Vielleicht relativiert sich dann das Problem ganz schnell.

Ich habe viel Geld in der Spielhalle gelassen und dadurch riesige Schulden. Wie werde ich die los?

Für den Abbau der Schulden sind Schuldnerberatungsstellen die richtigen Anlaufstellen. Allerdings ist diese Beratung mitsamt den daraus resultierenden Maßnahmen – wie das Einleiten der Privatinsolvenz – erst in Kombination mit einer therapeutischen Behandlung der Glücksspielsucht sinnvoll. Denn ohne eine Auseinandersetzung mit dem Glücksspielverhalten könnten immer neue Schulden angehäuft werden, die dann zum Scheitern des Insolvenzverfahrens führen. Für ein Gespräch über Ihr Spielverhalten und über mögliche Therapieformen stehen Ihnen spezielle Beratungsstellen offen, zu finden unter www.check-dein-spiel.de.

Mein Sohn verzockt mit Spielen auf dem Handy viel Geld. Darf er überhaupt schon an diesen Spielen teilnehmen? Wie schaffe ich es, dass er damit aufhört?

Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist die Teilnahme an Glücksspielen grundsätzlich nicht erlaubt. Damit ist aber das Problem mit Ihrem Sohn nicht gelöst. Sie sollten ihm sagen, dass Sie das Verzocken von Geld nicht dulden und klare Grenzen setzen. Hält er sich nicht an getroffene Vereinbarungen, steht es Ihnen frei, die Internetfähigkeit des Handys zu beenden und es im Extremfall sogar ganz an sich zu nehmen. Hilfe bekommen Sie bei Familien- und Erziehungsberatungsstellen. Die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Ein Verzeichnis der Beratungsstellen finden Sie unter www.bke.de.

Wird Glücksspielsucht als echte Krankheit gewertet?

Ja, ohne professionelle Hilfe gelingt es kaum, die Glücksspielsucht zu überwinden. Die Betroffenen fühlen sich wie ferngesteuert. Sie versprechen sich und anderen immer wieder, mit dem Spielen aufzuhören. Daran scheitern sie oft, was zu Selbstverachtung, Schuldgefühlen und Verzweiflung führen kann.

Unser Konto wird immer leerer. Ich weiß, dass mein Mann spielt. Wie kann ich ihn davon wegbringen?

Es ist nur allzu verständlich, dass Sie alles tun wollen, um Ihren Mann vom Spielen abzubringen. Aber Süchtige reagieren in der Regel weder auf Bitten noch auf Drohungen. Teilen Sie Ihrem Mann sachlich mit, was Sie über sein Glücksspiel denken und was sein Verhalten mit Ihnen macht. Ihr Mann selbst trägt jedoch die Verantwortung zur Veränderung. Sie können ihm lediglich Wege aus seinem Verhalten aufzeigen und ihm Unterstützung anbieten, wenn er etwas ändern möchte. Als Angehörige sollten Sie sich Rat und Unterstützung in einer Beratungsstelle holen, dort werden Sie beim Umgang mit Ihrem Mann unterstützt.

Wie sieht denn eine Therapie gegen die Glücksspielsucht aus?

Mit Hilfe bewährter psychotherapeutischer Methoden werden Ursachen und Folgen der Erkrankung beleuchtet und Alternativen zum Glücksspielverhalten erlernt. Weitere Schwerpunkte sind die Themen Geld und Schulden. Die Betroffenen können acht bis zwölf Wochen in einem Fachkrankenhaus stationär – aber auch ambulant, behandelt werden. Die Suchtberatungsstellen helfen, einen geeigneten Therapieplatz zu finden und die Kostenübernahme zu klären. Beratungsstellen, spezialisiert auf Glücksspielsucht, und ein Verzeichnis der Fachkliniken finden Sie unter www.spielen-mit-verantwortung.de.

Bekommt man während der stationären Therapie Krankengeld?

Personen die erwerbstätig sind, erhalten in der Regel für die Zeit der stationären Therapie Übergangsgeld, was mit Krankengeld vergleichbar ist.

Ich spiele extrem gern und habe ein wenig Sorge, dass daraus eine Sucht wird. Kann man das testen?

Ja, unter www.check-dein-spiel.de finden Sie im Internet einen anonymen Selbsttest.