Wieder lose Steine in der Kapellenstraße

Die Felge der Familienkutsche der Reineckes ist hin, Kotflügel und der Türholm sind eingebeult. Wer die Zeche bezahlt, ist noch nicht klar. (Foto: privat)

Hagen. (anna) Fast täglich fährt Dirk Reinecke durch die Kapellenstraße und ärgert sich immer wieder über die ausgefransten Verkehrsinseln, deren angebrochene Begrenzungssteine oft mitten auf der Straße liegen (der wk berichtete). Deshalb fährt er hier auch immer sehr umsichtig. Als Dirk Reinecke jedoch am 18. März gegen 7.45 Uhr seinen Sohn mit dem Pkw in die Heinrich-Heine-Realschule bringt, gibt es plötzlich einen Knall und einen Schlag gegen das Lenkrad. „Ich hielt sofort an und schaute nach“, berichtet Reinecke, „auf der Straße hinter meinem Auto lag ein dicker abgebrochener Begrenzungsstein, den ich einfach nicht gesehen habe.“

Der Schaden am Auto war hingegen nicht zu übersehen. Das rechte Vorderrad und die Einstiegsleiste waren beschädigt. „Nur kurze Zeit später rief ich bei der Stadt Hagen an, um den Schaden zu melden“, berichtet Reinecke. „Ich war sicher, dass die Stadt für den Schaden aufkommen muss.“

Nur geklebt

Bei der Stadt erklärte man Dirk Reinecke, dass er den Schaden dem Rechtsamt melden müsse. Es würde sofort jemand rausgeschickt, um den Schaden zu reparieren. Es sei aus der Erfahrung her nichts Ungewöhnliches, dass sich die Steine lösen, schließlich seien sie nur geklebt, erklärte der Mann von der Stadt, die Begrenzungen würden häufig durch Räumfahrzeuge bzw. Reinigungsmaschinen beschädigt.

Als Dirk Reinecke mittags seinen Sohn von der Schule holt, war besagte Stelle auch schon wieder repariert. „Ich fuhr daraufhin in die Werkstatt, um den Schaden begutachten zu lassen. Durch den Schaden am Vorderrad musste eine Achsvermessung durchgeführt werden“, erzählt Reinecke. „Der Reifen wurde gewechselt, weil die Felge defekt war. Auf über 900 Euro beläuft sich der Kostenvoranschlag der Werkstatt.“ Diese Summe hätte Dirk Reinecke gerne von der Stadt ersetzt bekommen. Er reichte alle Unterlagen dem Rechtsamt ein und wartete auf die Entschädigung.

Unbegründet

Die Antwort aus dem Rechtsamt ereilte Reinecke einen Monat später – am 18. April 2013. Darin heißt es: „Inzwischen sind meine Ermittlungen zum Schadenfall abgeschlossen. Nach Prüfung des Sachverhalts teile ich Ihnen mit, dass die gegen die Stadt Hagen gerichteten Schadenersatzansprüche unbegründet sind. Eine zum Schadenersatz verpflichtende schuldhafte Verletzung drittgerichteter Amtspflichten ist nicht erkennbar. Städtische Mitarbeiter haben im Bereich der Unfallstelle weder eine Gefahrenstelle geschaffen noch geduldet. Die Kapellenstraße wird einmal im Monat begangen. Die letzte Kontrolle vor dem Schadenfall fand am 6. März 2013 statt. Bei der Kontrolle wurden keine Gefahrenstellen festgestellt. Das Pflanzbeet war zu diesem Zeitpunkt in einem ordnungsgemäßen Zustand. Wenn bei den Kontrollen Gefahrenstellen festgestellt werden, werden diese sofort beseitigt. Durch die regelmäßigen eingehenden Kontrollen ist die Stadt der ihr obliegenden Verkehrssicherungspflicht in ausreichendem Maße nachgekommen. Weitergehende Kontrollen würden das zumutbare Maß übersteigen. Aus Sicht der Stadt können nur Dritte die Randeinfassung beschädigt haben. Schädigende Handlungen Dritter muss die Stadt sich nicht zurechnen lassen. Nach alledem bleibt festzustellen, dass die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt hat. Die gegen die Stadt gerichteten Schadenersatzansprüche werden zurückgewiesen.“

Aufklärung gefordert

Dirk Reinecke und Frau Evelin waren sauer, zumal sie gerade im wochenkurier gelesen hatten, wie häufig solche Unfälle passieren und wie teuer die Reparaturen zu Buche schlagen, wenn sie denn tatsächlich auch vorgenommen werden. Oftmals, so die Anwohner, lägen lose Steine monatelang auf der Straße herum. Das Ehepaar Reinecke übergab die Sache einem Anwalt.

Jetzt beschäftigt sich auch die Wählerinitiative „Hagen aktiv“ mit den Problemen in der Kapellenstraße. Auf der letzten Sitzung der Bezirksvertretung forderte die Partei Aufklärung über die anfallenden Unterhalts- und Instandsetzungskosten der 24 Verkehrsinseln sowie deren angemessenen Rückbau. Die angestrebte Verkehrsberuhigung habe eher das Gegenteil bewirkt. Die Unfallhäufigkeit habe sich erhöht und nicht verringert. Darüber hinaus stünden die jährlichen Kosten zur Unterhaltung und Instandsetzung in keinem Verhältnis zum Nutzen, meint „Hagen aktiv“.