„Wir sind die Schlossgeister“

Hagen. (ric) Jeden Mittwochabend, wenn das Wasserschloss Werdringen eigentlich bereits geschlossen hat, wird es „unruhig“ in der Burg. Dann nämlich treffen sich die 15 Mitglieder der „Harkortfanfaren“, um gemeinsam Musik zu machen. „Wir sind die Schlossgeister“, schmunzelt Bärbel Soeding, die seit zwei Jahren dabei ist.

Die Vorhallerin spielte bereits als Achtjährige Fanfare. 20 Jahre lang war sie bei Grün-Weiß Vorhalle mit ganzem Herzen dabei. „Doch dann kamen die Kinder, der Beruf…“ Und dann war es plötzlich vorbei mit dem geliebten Hobby. Vor zwei Jahren jedoch, die Kinder sind längst erwachsen, traf sie auf ihre alten Mitspieler. Schnell war man sich einig, dass man wieder gemeinsam Musik machen wollte. Die Wahl fiel auf die „Harkortfanfaren“, die eigentlich aus der Nachbarstadt Wetter stammen. „Doch bald wurde uns klar, dass wir einen neuen Ort benötigen“, erinnert sich Bärbel Soeding. „Im Winter kamen wir nur schlecht nach Wetter und auch die Identifikation mit den Räumen fehlte.“

Die „Harkortfanfaren“, die in der wunderschönen Kulisse vom Wasserschloss Werdringen spielen, suchen für ihre Gruppe noch Verstärkung. Vorkenntnisse sind nicht nötig, die Freude am Spiel steht im Vordergrund. (Foto: Harkortfanfaren)

Perfekte Umgebung

Schon als Kind mochte die Hagenerin das Wasserschloss Werdringen. „Ich habe einfach all meinen Mut zusammen genommen und Roger Kämper, den Vorsitzenden vom Schlossverein, angesprochen. Und dann kam die Überraschung: Wir haben sofort einen Platz in dem alten Adelssitz gefunden“, freut sich Bärbel Soeding.

Das historische Gebäude bietet mit seinem romantischen Charme die perfekte Umgebung für die „Harkortfanfaren“: Mit ihren schlichten Kostümen, den Trommeln, großen Fahnen und nicht zuletzt den goldglänzenden Fanfaren geben sie ein stimmungsvolles Bild ab. Und selbstverständlich passt auch die Musik hervorragend zur Stimmung im Schloss. Gut zehn verschiedene Stücke beherrschen die „Harkortfanfaren“ mittlerweile. „Noten lesen konnte bei uns übrigens auch nicht Jeder“, erinnert sich die Musikerin. „Aber bei uns hilft man sich gegenseitig. So auch beim Erlernen der richtigen Technik. Eine ’große Puste’ braucht man zum Spielen der Fanfaren nämlich nicht.“

Doch damit nicht genug: „Meines Wissens nach sind wir weithin die einzige Fanfarengruppe, die in einem Schloss üben darf“, berichtet Bärbel Soeding stolz. Dass die „Harkortfanfaren“ so gut mit „ihrem“ Werdringen harmonieren liegt nicht zuletzt daran, dass die Gruppe keinen Karnevalsbezug hat. „Schließlich kennen die meisten Menschen in unserer Region Fanfarenspieler nur noch von Karnevalszügen“, bedauert die Vorhallerin.

Verstärkung gesucht

Dabei sei es ein schönes Hobby, berichtet sie, und sucht nun Verstärkung für ihre Gruppe. „Mitmachen oder auch einfach nur mal vorbeischauen kann Jeder. Wir sind eine bunt gemischte Truppe. Vom Kind bis zum Senior ist quasi jede Altersklasse vertreten.“ Und auch Vorkenntnisse sind nicht nötig. Schließlich steht für die „Harkortfanfaren“ vor allem der Spaß am Hobby im Vordergrund. So warten auch keine ständigen Verpflichtungen auf die Teilnehmer. „Das Mitmachen kostet nichts, wir haben auch noch keinen Vereinsbeitrag“, sagt die Hagenerin. „Wir machen nur bei Interesse unserer Aktiven hin und wieder mal einen kleinen Auftritt. Schließlich haben viele von uns eine Familie, sind berufstätig, manche auch im Schichtdienst – da würden regelmäßige Auftritte wohl eher stören.“

Wer Interesse hat, sich den „Harkortfanfaren“ anzuschließen, kann sich bei Bärbel Soeding nachmittags unter Telefon 0 23 31 / 30 52 62 melden. Die Probe findet immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr im Wasserschloss Werdringen statt. Instrumente hält die Gruppe zum Ausprobieren bereit.