„Wir stehen noch ganz am Anfang aller Überlegungen“

Hagen. (ME) In der Gerüchteküche brodelte es in den letzten Tagen gewaltig. Welche Absichten – so fragte man sich – verfolgt die Gemeinnützige Wohnstätten-Genossenschaft (GWG) beim Mitbewerber HaGeWe? Sogar von einer „feindlichen Übernahme“ war hier und da schon die Rede. Am gestrigen Dienstag informierten GWG-Chef Christoph Rehrmann und -Prokurist Harald Szczygiol die Öffentlichkeit über die Vorstellungen ihres Unternehmens.

Liebesheirat? Vernunftehe? Große Vorteile für alle Beteiligten? GWG-Chef Christoph Rehrmann (l.) und -Prokurist Harald Szczygiol informierten am Dienstag über die Vorstellungen ihres Unternehmens im Hinblick auf einen eventuellen HaGeWe-Kauf. (Foto: Michael Eckhoff)

„Im Rahmen unserer Gespräche zur strategischen Ausrichtung der GWG im Hinblick auf den veränderten Wohnungsmarkt haben wir uns im Jahr 2010 entschlossen, weitere Wohnungsbestände zu erwerben. Diese Erweiterung soll nicht in unseren Stammgebieten Haspe und Wehringhausen, sondern in anderen Hagener Stadtteilen erfolgen, um die GWG breiter und noch besser aufstellen zu können,“ erläutert Christoph Rehrmann erste Hintergründe.

Nahe gelegen

Da obendrein Gedanken zu einem Verkauf der HaGeWe innerhalb der Rathausspitze seit vielen Jahren immer wieder mal ein Thema gewesen seien und bei der HaGeWe Anfang 2012 ein Wechsel in der Geschäftsführung anstehe (Geschäftsführer Harald Kaerger wechselt in den Ruhestand), habe die Idee nahe gelegen, sich über einen Kauf der städtischen Tochter Gedanken zu machen.

Der endgültige Anstoß, erste vorsichtige Gespräche aufzunehmen, resultierte dann aus der Entscheidung des Enervie-(Mark E)-Vorstandes, Ende 2010 die Hauptverwaltung von der Körnerstraße nach Haßley zu verlegen, so dass an einem zentralen Punkt in der Hagener Innenstadt das frühere Elektromark-Verwaltungsgebäude zumindest teilweise leer steht.

Aus diesen Grundlagen hätten sie – so Rehrmann und Szczygiol – mehrere Überlegungen abgeleitet:

  • Das Mark E – Gebäude könnte ein geeigneter Standort sein, um die Verwaltungen von HaGeWe und GWG in einem zentral gelegenen Verwaltungsgebäude zusammen zu führen.
  • Das Kundenzentrum von Mark-E könnte miteinander von Mark-E und GWG geführt werden, „da wir eine hohe Zahl von gemeinsamen Kunden haben und die Themen Energie und Wohnen zusammen passen“.

Jetzt erst richtig

In trockenen Tücher, betont Rehrmann, sei aber noch nichts. Ganz im Gegenteil. Man fange jetzt erst richtig an, intensiv nachzudenken. Denn: „Ob ein HaGeWe-Kauf wirtschaftlich sinnvoll und vor allem politisch gewollt ist, kann heute nicht beurteilt werden. Dies werden erst die nächsten Gespräche zeigen.“ Die werde man mit großer Offenheit angehen.

Rehrmann betont aber auch: „Wirtschaftlich sinnvoll wird der Erwerb nur sein, wenn anschließend angemessen hohe Investitionen in den dann größeren Wohnungsbestand fließen können, sodass der ehemalige GWG-Bestand wie in den vergangenen Jahren intensiv modernisiert werden kann und auch die HaGeWe-Bestände ähnliche Investitionen erhalten können. Auf jeden Fall werden wir den Kauf-Gedanken nur unter Beachtung aller Sorgfaltspflichten weiter verfolgen. Es geht nicht darum, die GWG mit ihren aktuell knapp 5000 Wohnungen in ihrer Größe zu verdoppeln, sondern darum, ein ausgewogenes Angebot im gesamten Stadtgebiet Hagens zu besitzen, um sowohl wirtschaftlich als auch städtebaulich sinnvolle Maßnahmen durchführen zu können.“

Eine Möglichkeit

Für die Stadt Hagen könnte dies eine Möglichkeit sein, „die HaGeWe in die verlässlichen Hände einer seit mehr als 110 Jahren am Hagener Wohnungsmarkt handelnden Wohnungsgenossenschaft zu geben, was sicher stellt, dass die Wohnungen zu einem späteren Zeitpunkt nicht von anderen gewerblichen Immobilien-Unternehmen erworben werden“. Stichwort: Heuschrecken!

In Flensburg existiere im Übrigen bereits seit fünf Jahren ein erfolgreiches Vorbild: „Hier hat die wesentlich kleinere Genossenschaft das städtische Unternehmen gekauft – nach wie vor mit großer allgemeiner Zufriedenheit.“

Viele Vorteile

Rehrmann ist überzeugt, dass sämtliche Vorteile auf der Hand liegen. Zum einen könne die Grundstruktur des Hagener Wohnungsmarktes erhalten werden. Für die Mieter der HaGeWe ergebe sich der dauerhafte Erhalt ihrer Mieterrechte, zumal sie ja auch Genossenschaftsmitglied werden könnten (wodurch demokratische Mitbestimmungsrechte verknüpft sind). Bei beiden Mitbewerbern handele es sich von der Herkunft her um gemeinnützige Wohnungsunternehmen (was im Hinblick auf den Erhalt und die Modernisierung des Bestandes nicht unwichtig sei).

Für die Mitarbeiter der HaGeWe und der GWG führe der Erwerb in keinem Fall zu einem Arbeitsplatzverlust. Und obendrein verblieben auch alle Arbeitsplätze in Hagen.

Wohlwollend

Aus Teilen der Hagener Politik wird der Vorstoß von GWG-Chef Christoph Rehrmann und -Prokurist Harald Szczygiol bereits wohlwollend zur Kenntnis genommen – insbesondere von CDU und FDP.

„Dabei wollen wir als CDU-Fraktion, dass die Gesellschaften in einem transparenten Verfahren die beste Lösung für HaGeWe-Mieter, -Mitarbeiter und die städtische Mutter suchen“, schreibt der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Röspel in einer Presseerklärung. „Die GWG genießt bei ihren Mietern einen ausgezeichneten Ruf. Das ist für die Mieter der HaGeWe ein wichtiges Signal. Deshalb erwarte ich, dass beide Gesellschaften ohne jede Hektik verschiedenste Möglichkeiten einer Zusammenarbeit prüfen.“

Und der FDP-Fraktionsvorsitzende Claus Thielmann ergänzt: „Was wir jetzt nicht brauchen, das sind alte Gruselmärchen über Verkauf oder Zerschlagung des städtischen Wohnungsunternehmens. Mit der FDP-Fraktion gibt es keine feindliche Übernahme. Bei uns gibt es nur eine Liebesheirat oder eine Vernunftehe auf Gegenseitigkeit.“