Wo die Flüsse sich stapeln…

Hagen. (ME) Weiter geht’s in der wochenkurier-Serie „Geotope in Hagen“. Unsere Autorin, die Geologin Antje Selter, berichtet auch heute wieder über eine herausragende Sehenswürdigkeit – diesmal steht der Vorhaller Kaisberg mit dem zugehörigen Wanderpfad im Mittelpunkt: „Wo Flüsse sich stapeln und ein Berg Falten schlägt“.

Die Kaisbergschichten enthalten vier dicke Sandsteinlagen sowie einige dünne Kohleflözchen. Das hier vorkommende Flöz Sengsbank gehört zu den ältesten Kohleflözen des Ruhrgebietes. Am östlichen Hangfuß des Kaisberges sind Relikte des ehemaligen Kohleabbaus von Flöz Sengsbank zu sehen. (Foto: Geotouring)

Die Umgebung von Hagen stellt im Oberkarbon (315 bis 290 Millionen Jahre) den Übergangsbereich zwischen dem kohleführenden Ruhrgebiet im Norden und den Hochlagen des Sauerlandes im Süden dar. Die „Paläogeografie“, d.h. die landschaftliche Situation zur Zeit des Oberkarbons ist in den verschiedenen Aufschlüssen (Geotopen) beispielhaft dokumentiert. Insbesondere der Steinbruch der ehemaligen Ziegelei in Vorhalle und der Kaisberg waren und sind dabei von überregionaler wissenschaftlicher Bedeutung.

Kaisberg

Östlich von Schloss Werdringen erhebt sich der Kaisberg. Der Berg ist namengebender Ort für die Gesteine des untersten erdzeitlichen Abschnittes des kohleführenden Oberkarbons (320 bis 296 Millionen Jahre vor heute). Es handelt sich folglich um die Kaisbergschichten. Sie enthalten vier dicke Sandsteinlagen sowie einige dünne Kohleflözchen. Das hier vorkommende Flöz Sengsbank gehört zu den ältesten Kohleflözen des Ruhrgebietes. Am östlichen Hangfuß des Kaisberges sind Relikte des ehemaligen Kohleabbaus von Flöz Sengsbank zu sehen. Eine dort aufgestellte Tafel informiert über die Bergbaugeschichte.

Unterhalb des Freiherr-von-Stein-Turmes führt ein teils überwachsener Fahrweg zu einem alten Sandsteinbruch. Dieser besteht aus mehreren Teilen, in denen vor allem der Kaisberg-Sandstein und der Grenzsandstein gut zu sehen sind. Der Kaisbergsandstein bildete sich vor etwa 317 Millionen Jahren in einem großen Delta an der Küste eines damals vorherrschenden Meeres. Hier mündete ein Fluss, der Schlamm und Sand aus einem im Süden gelegenen Gebirge heranführte. In der Steinbruchwand erkennt man heute fossile Baumstämme, die vor über 300 Millionen Jahren als Treibholz in den sandigen Grund des damaligen Kaisberg-Flusses eingebettet wurden. Die karbonzeitlichen Bäume besaßen keine feste Holzsubstanz, sondern die Stämme waren hohl oder nur mit einem faserigen Material gefüllt, das kaum erhaltungsfähig war. Man findet von diesen Pflanzen daher meist nur Abdrücke der Rinde, Blätter oder Äste und Zweigabschnitte. Auch die fossilen Stämme in diesem Steinbruch sind hohl, so dass man sich bequem hinein hocken kann.

Wie sind diese Flüsse im Aufschluss zu erkennen? Während marine, also Meeres-Ablagerungen im Allgemeinen horizontal abgelagert werden, sind fluviatile, das heißt durch Flüsse zustande gekommene Ablagerungen durch die so genannte Schrägschichtung charakterisiert. Vereinfacht ausgedrückt: Sie „stapeln“ sich schräg übereinander.

„Geopfad“

Diese geologischen Phänomene sind am Kaisberg auf Infotafeln dokumentiert und erklärt. Der noch relativ neue „Geopfad“ lädt als Teiletappe der GeoRoute Ruhr zu einer herrlichen Wanderung in die Landschaft am Kaisberg ein. Start- und Zielpunkt des 5,5 km langen Rundwegs ist der Parkplatz am Wasserschloss Werdringen in Vorhalle.

Zu entdecken gibt es unter anderem Kulturdenkmäler wie den Freiherr-vom-Stein-Turm, Pflanzenfossilien, typische Gesteine aus der Region, ihre Entstehung sowie Verwendung als natürlicher Rohstoff. Auf den Infotafeln entlang des Rundwegs wird den Besuchern die Vielfalt der Themen auf verständliche Art und Weise näher gebracht. Informationsflyer sind unter anderem an der Orientierungstafel am Wasserschloss Werdringen (Startpunkt) erhältlich.

Östlich des Harkortsees erhebt sich der Kaisberg. Der Berg ist namengebender Ort für die Gesteine des untersten erdzeitlichen Abschnittes des kohleführenden Oberkarbons (320 bis 296 Millionen Jahre vor heute). Es handelt sich folglich um die Kaisbergschichten. Sie enthalten vier dicke Sandsteinlagen sowie einige dünne Kohleflözchen. Auf einem Wanderweg kann man die meisten geologischen Sehenswürdigkeiten leicht erreichen. (Foto: Geotouring)

Der Geopfad Kaisberg ist als Teiletappe in den Verlauf der GeoRoute Ruhr eingebunden. Tatkräftig wird an der Umsetzung der Route gearbeitet, die zwischen Schwerte im Osten und Mülheim im Westen entlang zahlreicher geologischer, bergbau- und kulturgeschichtlicher Sehenswürdigkeiten durch die Talauen und über die angrenzenden Ruhrhöhen führen wird.

Geführte Wanderungen rund um den Kaisberg, falls gewünscht mit anschließenden Besuch der geologischen Ausstellung im Wasserschloss Werdringen, können die Leser über die Firma Geotouring (www.geotouring.de, Tel. 01 78 / 1 96 41 77) buchen.

Hintergrund: 200 Kilometer am Stück

Seit November 2006 läuft das Projekt des themenorientierten geologischen Wanderweges „GeoRoute Ruhr – durch das Tal des Schwarzen Goldes“ zwischen Schwerte im östlichen und Kettwig/Mülheim im westlichen Teil des GeoParks. Mit der GeoRoute Ruhr wurden schon bestehende bergbauliche und geologische Wanderwege in eine zusammenhängende Route integriert.

· Die große Zahl von bereits bestehenden Bergbau- und Geologiewanderwegen im Süden des Ruhrgebietes sollen unter Einschluss weiterer Einzelgeotope, Industriedenkmäler und anderer (auch nicht-geologischer) Sehenswürdigkeiten zu einem durchgängig beschilderten Wanderweg verknüpft werden. Länge: etwa 200 km.

· Einbezogen in diesen Weg sind u.a. der bergbauhistorische Wanderweg Dortmund-Hohensyburg, der Energiewirtschaftliche Wanderweg Herdecke, der Wanderweg am Kaisberg in Hagen, die Bergbauwanderwege im Raum Wetter und Sprockhövel, das Muttental, die Wanderwege im Süden von Bochum, im Deilbachtal und am Baldeneysee in Essen.

· Für die GeoRoute Ruhr gibt es themenorientierte geologische und naturkundliche Führungen, Touren und Exkursionen wahlweise als Wanderungen oder entspannte Radtouren, die zumeist entlang des Ruhrtal-Radweges verlaufen. Die sind über die Agentur www.geo-biking-ruhr.de buchbar (Kontakt auch unter Tel. 01 72 / 5 37 03 85).